Was sind Telemetriedaten? Sind Telemetriedaten gefährlich? (MFTP36 - Linux Podcast)


[podlove-episode-web-player publisher="8856" post_id="8856"]

Im heutigen IT-Zeitalter sind Informationen ein wichtiges Gut. Wissen ist Macht und schadet dem, der es nicht besitzt. Doch mit der Gratismentalität für Webservices ist das Geschäftsmodell der Wissensvermittlung und Informationsbeschaffung in Probleme gerannt.

Es ist schwierig die Kosten für erstklassige Informationsbeschaffung zu decken, wenn kein Leser oder Zuschauer bereit ist dafür zu bezahlen. So ist das im Internetzeitalter. Wenn ich Nachrichten lesen möchte, gehe ich auf die Seite des jeweiligen Nachrichtendienstes und kann die Informationen, die ich bekommen will, kostenlos abrufen.

Doch wie frei ist kostenlos eigentlich? Wie werden Blogger, Redakteure oder Journalisten bezahlt, wenn ich für die von ihnen aufbereiteten Nachrichten selbst nichts bezahle? Arbeiten Sie gratis aus Warmherzigkeit heraus? Die Antwort auf diese Fragen ist kurz und präzise: Nein. Die Erlöse kommen rein, auch wenn wir nicht direkt dafür bezahlen, obwohl viele Zeitungen und Verlage auch Premiumabos anbieten, wir zahlen indirekt.

Das Zauberwort heißt Telemetriedaten. Telemetriedaten werden heute nahezu überall gesammelt. Smart TV sammeln sie. Betriebssysteme sammeln sie. Autos sammeln sie. Smart-Home Geräte sammeln sie. Smartphones sammeln sie. Apps sammeln sie, wie auch die meisten Webseiten. Hört sich nach einem richtig satten und goldenen Zeitalter an. Ist es auch. Denn Telemetriedaten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.

Um zu verstehen, wie sich damit Geld machen lässt, sollten wir ergründen, was Telemetriedaten eigentlich sind. Das erschreckende Ergebnis ist, dass wir gläserne Produkte sind. Es wird einfach alles, was geht, gesammelt, um es im Detail zu analysieren und schließlich auch zu monetarisieren. Also das gesamte Nutzerverhalten wird aufgezeichnet. Wer wie lange online ist und das auch in Verbindung mit dem Standort, von dem auf die jeweilige App zugegriffen wird. Verweildauer ist für Microblogging und Webseitenbetreiber durchaus interessant. Ein Streaming Anbieter kann genau erkennen, wann welcher Kunde was anschaut. Anhand von Profilen kann dieser auch Rückschlüsse auf familiäre Situationen ziehen. Selbes kann auch der Smart-TV Anbieter erkennen, wenn ausgewertet wird, wie lange die jeweilige Streaming Anbieter App benutzt wird oder wie lange allgemein der TV läuft. Egal was, so ziemlich jedes Produkt, ob materiell oder immateriell, möchte Daten sammeln und übermitteln. Softwareanbieter schätzen es sehr wenn sie mittels Telemetriedaten das Nutzerverhalten erkennen können.

Die Datensammlung wird oftmals von den Kunden mit Annahme der Datenschutzbedingungen oder Nutzerbedingungen akzeptiert. Doch scheint das Vertrauen in die Anbieter und deren korrektem Umgang mit den gewonnenen Daten ausreichend groß zu sein. Ob die Daten dann vollständig anonymisiert gespeichert und ausgewertet werden, kann nicht nachgeprüft werden. Hier hilft nur Vertrauen. Ein schauriges Gefüh.

Wir sollten uns nun mit der Frage beschäftigen, wozu diese Telemetriedaten erhoben werden und wozu sie dienen. Zunächst wäre das technische Verlangen der jeweiligen Hersteller nach Verbesserung des Produkts zu nennen. Je mehr Daten man über die Verwendung des Produkts vorliegen hat, desto besser kann man es verstehen und die daraus gezogenen Schlussfolgerung in die Produktverbesserung investieren. Doch Verbesserung ist manchmal auch nur der Grad an Ausbeutung der Daten. Die meisten sozialen Medien nutzen diese Daten um ihre Dienstleistungen auf noch bessere Verwertbarkeit der Daten zu optimieren. Eine Verwendung der Daten zur reinen Verbesserung des Onlineservices darf angezweifelt werden. Denn die Verbesserung dient oftmals der noch präziseren Erfassung des Nutzerbildes um noch gezielter Werbung schalten zu können und um somit Geld zu verdienen. Je besser ich meinen Nutzer kenne, desto präziser kann ich ihm Werbung schalten. Es dreht sich also alles um die Profitabilität. Und um diese zu steigern, müssen die Algorithmen noch präziser, noch intelligenter werden. Die gesammelten Daten müssen maximalen Ertrag liefern.

Wie könnte man die Sammlung von Telemetriedaten abwenden oder unterbinden?

Es gibt verschiedene Maßnahmen. Es beginnt mit der Verweigerung der Cookies. Fast jede Webseite nervt die Nutzer beim ersten Aufruf mit der Annahme der Cookie-Datenschutzerklärung. Viele Anwender werden vermutlich die damit kommende Erklärung nicht lesen und alles akzeptieren. Doch müssen diese sich anpassen lassen, dass nur technisch notwenige Cookies zugelassen werden müssen. Was als technisch notwendig deklariert wird, ist natürlich etwas anderes. Aber Analytik-Cookies sind dann deaktiviert. Ferner bieten Ad-Blocker eine weitere Möglichkeit dies auf DNS-Ebene zu blockieren. Die konsequente und beste Handlung wäre die Dienste nicht zu nutzen. Doch löst das nicht das Problem der Finanzierung.

Wenn wir nicht selbst das Produkt sein möchten, dann müssen wir zum Kunden werden. Und das werden wir in der Regel nur dann, wenn wir für eine Leistung bezahlen. Es ist also nicht damit getan verschiedene Dienste oder Produkte nicht mehr zu nutzen. Vielmehr müssen wir das Paradigma alles muss kostenlos sein, überwinden. So gibt es neben Gratisdiensten oftmals auch Alternativen zum Bezahlen. Hier wäre es angebracht den Hirnschmalz zu investieren und dann auch entsprechend klug zu handeln.

Abschließend kann man festhalten, dass Telemetriedaten das gesamte Nutzungsverhalten aufzeichnen können. Der Zweck der Telemetriedaten ist diese zu analysieren, um Erkenntnisse daraus zu ziehen. Die daraus gezogenen Erkenntnisse können technischer, aber auch monetärer Natur sein. Da die Werbung immer gezielter ist, deutet das oftmals auf eine monetäre Ausbeute hin.

Als Ausweg können technische Hilfsmittel das Problem lindern. Ein Verzicht der Dienste und Produkte dient dazu dem jeweiligen Hersteller die Konsumentenbotschaft zu schicken. Oft gibt es bessere Alternativprodukte. Grundsätzlich sollte man nicht immer erwarten, dass alles gratis ist. Oder wenn es gratis ist, dann damit rechnen, dass man selbst auch Produkt und nicht Kunde ist.

Klar ein freies Internet ist richtig und wichtig. Doch ein z.B. seriöser Journalismus kann nur dann sichergestellt werden, wenn dieser seine Kosten decken kann. Das kann er aber nicht, wenn er keine Erlöse im Sinne von Verkaufszahlen oder Werbeeinnahmen einfährt. Hersteller könnten Telemetriedaten auf ein technisch nötiges Minimum zur reinen Produktverbesserung beschränken. Dies dürfte Skepsis gegenüber der Datensammlung abbauen und die Akzeptanz allgemein erhöhen.

Lasst es mich gerne wissen, wie Ihr das handhabt, wie Ihr zu Telemetriedaten steht.

Das war die heutige Podcast Folge. Wenn Du über iTunes zuhörst, freue ich mich über eine 5 Sterne Bewertung. Vielen Dank für die freundliche Aufmerksamkeit und bis zur nächsten Ausgabe. Ciao.

Der Podcast ist abrufbar auf allen gängigen Podcast Plattformen, u.a. auf:

Viel Spaß

Hinweis: Für Spotify und Amazon Prime Musik ist ggf eine separate Mitgliedschaft nötig.

Impressum: https://www.michlfranken.de/impressum-kontakt/


0 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert