openSUSE Leap 15.3 – jetzt mit Suse Linux Enterprise (SLE) Kompatibilität im Test

Der Linux Distributor openSUSE hat mit Leap eine stabile Ausgabe mit Langzeitpflege im Portfolio. Doch die jüngste openSUSE Leap 15.3 Ausgabe ist mehr als nur der Nachfolger von Leap 15.2, denn es handelt sich um den Startschuss der Binärkompatibilität zwischen openSUSE Leap und Suse Linux Enterprise (SLE). Was das für openSUSE Leap bedeutet, wie sich die Leap 15.3 Ausgabe im Test schlug und warum sich Red Hat und Ubuntu künftig vielleicht warm anziehen sollten, das stelle ich Dir in diesem Beitrag vor.

Über die Distribution

Viele Linux Anwender aus Deutschland haben vermutlich mit openSUSE oder wie ich mit Suse Linux angefangen. Doch egal, wie man heute dieser Distribution steht oder was man meint darüber zu denken, bei openSUSE hat sich im letzten Jahr sehr viel getan und das in die richtige Richtung.

Wie schon kurz angerissen, openSUSE hat seine Wurzeln bei Suse Linux und somit in Deutschland bzw. Nürnberg im schönen Frankenland. Die Erstveröffentlichung von SUSE erschien 1994. Damit ist openSUSE eine der ältesten und noch aktiven und im Geschäftskundenumfeld auch durchaus erfolgreichsten Linux Distributionen. Doch openSUSE ist nicht Suse Linux, sondern das Gemeinschaftsprojekt, das von Suse unterstützt aber de jure unabhängig ist. Doch beide Parteien sind kürzlich aufeinander zugegangen und beide Ausgaben leben nun in Symbiose, da beide Ausgaben nun eine Binarkompatibilität realisierten und somit identische Codebasis haben.

Wem das alles zu konservativ und vom Softwarestand zu alt ist, findet bei openSUSE Tumbleweed eine rollende Distribution. Wer den Fokus auf Stabilität und Zuverlässigkeit setzt, ist beim openSUSE Leap Zweig genau richtig.

Unterbau, Paketformat und Paketverwaltung

Suse Linux und openSUSE basieren auf dem RPM Paketformat. Als Paketverwaltung gibt es im Hause SUSE Zypper an die Hand. Damit stehen Möglichkeiten grafisch und via Terminal zu operieren offen.

Unterstützte Architekturen

OpenSUSE unterstützt verschiedene Architekturen wie x86_64 also klassische 64-bit aber auch aarch64 für 64-bit UEFI Hardware. Daneben auch PowerPC, IBM Z und LinuxOne s390x. Wer JeOS Live Images such, wird auch bedient.

Zielgruppe der Distribution

Die Zielgruppe von openSUSE lag ursprünglich mehr im Privatanwenderumfeld. Doch die einst gesteckten strikten Grenzen zwischen Enterprise und Privatanwender sind heute verschwommen. Somit stellt man sich im Hause SUSE ähnlich wie bei Red Hat auf. Die openSUSE Distribution ist binärkompatibel zu SLE. Somit gleichen sich Stabilität und Zuverlässigkeit nur mit dem Unterschied, dass man bei openSUSE keinen offiziellen Support erhält. Somit liegt die Zielgruppe bei allen, die ein professionelles Linux Betriebssystem haben möchten und auf Herstellersupport nicht zwingend angewiesen sind.

Vorarbeiten, Inbetriebnahme & Systemvermessung

Wenn Du bei openSUSE einsteigen magst, ist das keine schlechte Idee. Es geht los, dass Du Dir das ISO Abbild herunterladen musst. Dazu öffne einen Browser und öffen die openSUSE Seite und klicke bei Leap auf Leap installieren. Nun einfach auf Download und schon kommst Du zur Architekturauswahl. Hier musst Du vermutlich bei einem der oberen beiden, also entweder bei x86_64 oder aarch64 zuschlagen. Du kannst hier zwischen Offline Image und Network Image wählen. Der Name dürfte selbsterklärend sein. Bei Offline Image dauert der Ladevorang länger und die Installation geht vermutlich schneller. Bei Live Image ist es umgekehrt. Im Zweifelsfall nimm das Offline Image.

Nachdem die ISO Datei heruntergeladen ist, solltest Du sie auf Validität überprüfen und die Checksumme bilden. Wie das geht hatte ich bereits in diesem Beitrag gezeigt. Einfach mal Reinschauen falls da noch Fragen offen sind.

Installation

Die Installation von openSUSE hat sich in den letzten knapp 20 Jahren wenig verändert. Der Installer ist damit nicht altbacken, sondern schlagerprobt und wurde immer wieder modernisiert. Also keine Sorge. Um den Rahmen dieses Videos nicht zu sprengen, verweise ich auf mein openSUSE Installationsbeitrag im Rahmen der Serie Wechsel zu Linux. Wir steigen jetzt direkt in den Test ein.

Systemvermessung

Nachdem die KDE Version installiert und alle verfügbaren Aktualisierungen in den Bauch geladen waren, lag die Plattenauslastung bei 6,7 GB. Ich habe hier nebst KDE auch Cinnamon installiert. Dennoch sind die Zahlen im Vergleich zu meinem openSUSE Leap 15.2 Test nicht ganz vergleichbar, da ich seinerzeit Gnome und hier jetzt KDE Plasma Desktop installiert habe.

Mehr zum Thema: openSUSE Leap 15.2 – Test der stabilen Edition mit Langzeitpflege

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum lag bei knapp 730 MB. Hier liegt openSUSE Leap 15.3 10MB unter dem Wert von openSUSE Leap 15.2 vom letzten Jahr. Als wenig Unterschied aber weniger ist beim RAM Verbrauch doch auch immer mehr oder?

Desktop & Programme

OpenSUSE Leap 15.3 liefert KDE 5.18.6 zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags aus.

Damit ist KDE definitiv nicht in neuester Version an Bord. Doch keine Sorge, es handelt sich um eine LTS Version mit Langzeitpflege und Fokus auf Beständigkeit und Stabilität. Hier weicht openSUSE etwas vom Ursprungsziel ab, neuere Desktops auf stabilem Unterbau auszuliefern. Ich denke das liegt hier bei Leap 15.3 daran, dass die Konzentration der Entwickler voll und ganz bei Realisierung der Binärkompatibilität lag und weniger auf neuen Desktops noch nebenbei ranschrauben. Ich finde es auch besser einen ausgereiften Softwarestand zu bekommen als den neuesten und den damit einhergehenden Kinderkrankheiten. Doch ob openSUSE Leap hier künftig auf LTS Versionen zurückgreift oder ob ab Leap 15.4 wieder neuere Desktopversionen einfließen, muss die Zeit zeigen. Ich tippe auf zweitgenanntes, also dass wir mit Leap 15.4 auch wieder neuere Desktop-Versionen bekommen. Möglicherweise aber auch lediglich neuere LTS Versionen der Desktops, wir werden es sehen.

Doch kommen wir zurück zu Leap 15.3. OpenSUSE ist eine traditionelle KDE Distro und das macht sich bemerkbar, vergleich man die KDE Ausgabe mal mit der Gnome Ausgabe. Da sieht die KDE Ausgabe besser aus, bzw. Mach für mich einen besseren Starteindruck.

Das reine Desktop Konzept dürfte allen bekannt vorkommen. Unten eine Leiste und Schreibtischsymbolen gab es auch schon bei anderen Betriebssystemen wie Windows. Wer also länger mit Windows arbeitete oder jetzt von Windows wechselt, wird nicht völlig umlernen müssen. Doch diese LTS KDE Version realisiert nicht die neueste Windows 10 Oberfläche, wie wir gleich sehen werden. Wir landen ehr in einem Windows 7 Konzept, wenn wir mal auf das Suse Symbol unten links in der Leiste klicken. Das Menü sieht nicht mehr wie der letzte Windows 10 Stand aus oder? Hier kommt das KDE Kickoff Menü zum Vorderschein. Das ist mittlerweile auch nicht mehr das neueste Konzept bei KDE und hat auch schon etwa 10 Jahre auf dem Buckel, doch hey… es funktioniert.

Beim Systemthema kommt openSUSE zum Einsatz, was dem Breeze ähnelt bzw. Darauf aufsetzt. Das geht so völlig in Ordnung. Nur beim Hintergrundbild fühle ich mich nicht abgeholt aber das ist vermutlich ein individuelles Ding.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.3
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: Kontact bzw. Kmail
  • Büropaket: LibreOffice 7
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

openSUSE packt viel KDE Software mit rein und ergänzt an der einen oder anderen Stelle. Der Fokus liegt hier auf dem Desktop-Anwender und für diesen Zweck wird ein breites Software Angebot vorinstalliert. Für mein Geschmack zu breit, denn darunter sind auch Dinge wie Spiele. Natürlich kann man im Rahmen der Installation hier Paketkategorien abwählen doch welcher normale Anwender weiß das und macht das dann auch letztlich? Vielleicht könnte man diese Option besser hervorheben?

Besonderheiten und Fazit

Wie schon erwähnt, bei openSUSE Leap hat sich viel getan seit Version 15.2. Neben der vollen Binärkompatibilität wurde auch der Unterstützungszeitraum deutlich ausgedehnt, sodass eine Leap Hauptversion nun statt wie bislang drei mit etwa fünf Jahren Produktpflege versorgt wird. Das kommt durch die SLE Servicepacks zustande. Eine SLE Version erhält i.d.R. fünf Service Packs. Somit kann Leap erneut spürbar von SLE profitieren. Bei SLE gibt es auch bezahlbaren LTS Support, der über das gewöhnliche Supportzeitfenster hinaus ragt. Doch es gibt z.B. Mit SLE 12.5 auch eine LTS Version, die keine Extrakosten generiert. Ob sowas bei SLE 15 auch noch kommt, wird sich aber noch zeigen müssen. Grundsätzlich sind die Binärkompatibilität und der erweiterte LTS Zeitraum ausgesprochen positiv zu bewerten.

Eine weitere Besonderheit von openSUSE ist die Kombination aus BtrFS und snapper. Damit werden Systemschnappschüsse erstellt, die jederzeit zurückrollbar sind. Das hatte ich in diesem Beitrag auch schon näher beschrieben und kann ich jedem nur empfehlen. Es lohnt sich auf alle Fälle das mal anzuschauen.

Doch halt Stop! Wir sind noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen. Es gibt noch Yast (Yet Another Setup Tool). Dabei handelt es sich um ein Installations- und Konfigurationswerkzeug. Ihr seid frei Yast grafisch oder via Konsole zu nutzen, beides geht. Mittels Yast könnt Ihr alle erdenklichen administrativen Aufgaben am System erledigen. Es wird eigentlich kaum ein Wunsch offen gelassen. Damit kann man Serverdienste aufsetzen, Paketquellen angeben, Software installieren oder installieren, Systemhärtung vornehmen oder Benutzeradministration. Mit Yast ist das alles auf einfache Weise möglich.

Auf mich machte openSUSE Leap 15.3 einen sehr soliden Eindruck. Eigentlich ist eine dritte Unterversion der gewaltigen Änderungen auf Codebasis fast schon unwürdig. Doch wurde es so realisiert und aus dem Grund sollte das m.E. Nach deutlich Gehör finden. Hier hat sich ein Riesen Schritt getan. Für Anwender absolut begrüßenswert doch dieser Schritt ist mehr. Es ist ein sehr offensiver Schritt und eine Botschaft in Richtung zwei Mitbewerber, nämlich Red Hat und Ubuntu. Hier mischt ab sofort ein dritter Spieler mindestens auf Augenhöhe beider mit. Wie das? Ubuntu greift man hinsichtlich der LTS Zeiträume von 5 Jahren an Desktop und Server an und bei Red Hat will man vermutlich mit der Binärkompatibilität der Produkte auf die Änderung bei CentOS anspielen. Daraus ergibt sich eine durchaus sehr interessante Alternative.

Somit rückt openSUSE bei all denen, die das System einfach installieren und nutzen möchten nach vorne auf der Liste der hierfür interessanten Distributionen. Fünf Jahre Unterstützung ist hier ein frohes Wort und sollte ausreichen. Doch auch wenn Du openSUSE als Server einsetzt, kannst Du mit 5 Jahren Planbarkeit gut arbeiten. Egal welcher Anwendungszweck, die Binärkompatibilität und längeren Unterstützungszeiträume wirken sich überall positiv aus. Wie siehts Du das denn? Würdest Du von z.B. Ubuntu oder CentOS einen Wechsel zu openSUSE Leap in Erwägung ziehen? Schreib Deine Meinung doch mal in die Kommentare rein. Ich könnte mir das durchaus vorstellen. Entsprechend fällt auch mein Resümee zu openSUSE Leap 15.3 sehr positiv aus. Vielleicht erwacht hier ein alter Riese wieder aus seinem Tiefschlaf. Ich fände das toll, denn davon können eigentlich alle nur profitieren. Auch im Übrigen Red Hat und Ubuntu, denn gesunde Konkurrenz kann auch wieder zu Innovationen führen.

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