Solus 4.2 – Heimat des Budgie Desktops wiederangeschaut

Die Linux Distribution Solus hat irische Wurzeln und wurde komplett von Scratch als anwenderfreundliche und rollende Linux Distribution konzipiert. Heute werfen wir einen Blick auf die Heimat des Budgie Desktops, Solus 4.2. Nach dem Intro geht’s los. Bleibt dran.

Über die Distribution

Geschichte der Distribution:

Solus gibt es als Linux Distribution nach den Archivaufzeichnungen von Distrowatch seit 2016. In seiner fünfjährigen Geschichte baute Solus von Null sich selbst auf. Ein Start von Linux from Scratch in Verbindung mit einer eigenen Vorstellung des Desktops, die letztlich im Budgie Desktop mündete und ihre Früchte auch über die Solus Grenzen trug, sodass Budgie heutzutage auf allen anderen Plattformen wie Arch, Debian usw. verfügbar ist.

Unterbau, Paketformat und Paketverwaltung

Solus ist eigentständig von Scratch aufgebaut und basiert somit auf keiner anderen Distribution. Solus setzt eine abgewandelte Version vom PiSi Paketmanager ein, der eopkg getauft wurde. Eine Rückkompatibilität zwischen PiSi und Eopkg existiert nicht. Eopkg ist aufgrund der PiSi Basis ein kommandozeilen Tool (CLI) aber kommt auch mit grafischer Oberfläche daher.

Einsatz eopkg um z.B. Firefox zu installieren: “sudo eopkg install firefox”

Unterstützte Architekturen

Solus unterstützt in all seinen Ausgaben ausschließlich x86_64 64-bit Architektur, nicht mehr und nicht weniger.

Zielgruppe der Distribution

Die Zielgruppe von Solus ist schwer dingfest zu machen. Ob Neueinsteiger eine rollende Distribution verwenden sollten bezweifele ich. Somit würde ich Solus denen empfehlen, die schon gewisse LInuxerfahrung haben und sich zeitgleich auf der Suche nach einer Alterantive jenseits von Debian, Arch, Gentoo und Slackware befinden. Zwar ist Solus sehr nutzerfreundlich, doch im Fehlerfall sollte man Hand anlegen und Probleme manuell lösen können. Daher würde ich es Neulingen nicht empfehlen.

Vorarbeiten, Inbetriebnahme & Systemvermessung

Um das Installationsabbild herunterzuladen, müssen wir auf die Solus Projektseite, die wir unter getsol.us erreichen. Einfach oben auf Download und schon stehen wir vor der Wahl des Desktops. Neben Budgie gibt’s noch Gnome, Mate und KDE Plasma. Ich habe Budgie ausgewählt und dort einfach auf Download geklickt. Kurz darauf kommt das Pop Up Fenster und ihr könnt mit Ok loslegen.

Sobald dies geschehen, solltet Ihr die Softwareverfikation durchführen.

Sobald alles runtergeladen ist, könnt Ihr installieren. Ich habe in einer vm instlaliert, damit ich den Installer kurz zeigen kann.

Letzlich geht es im Live Modus los, in dem Ihr Solus voll ausprobieren könnt. Auf install startet der Installer. Insgesamt lässt sich sagen, dass dieser benutzerfreundlich konzipiert ist und einen an der Hand nimmt. Im Rahmen der Installation werden Parameter wie Loklisierung, Zeit und Tastaturbelegung festgelegt. Auch wird partitioniert, in dessen Rahmen ich die Verschlüsselung aktiviert habe und strikt empfehle das immer grundsätzlich so zu machen. Eine Softwareauswahl oder derlgeichen müssen wir nicht treffen, ergo geht’s dann auch schon los. Nach einer kurzen Weile ist das fertig und bittet um Neustart. Danach geht’s auch schon im neuen System los.

Systemvermessung:

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum lag bei mir bei knapp 660MB RAM. Die von mir durchgeführte Basisinstallation belegte auf der Platte 7,7 GB.

Desktop & Programme

Der Budgie Desktop verfügt per standard über eine Leiste im unteren Bereich. Links haben wir ein Startmenü gefolgt von Schnellstartern und rechts haben wir Systeminidkatoren und Steuerelemente. Das klingt erstmal sehr spartanisch, lenzlich wird hier aber ein bekanntes Paradigma bedient. Wer aus dem Windows Umfeld kommt, wird das Konzept sofort erkennen und kann drauf loslegen. Feinheiten und Unterschiede fallen dann direkt auf den zweiten Blick auf. So hat das Startmenü z.B. keine Funktionen zum Runterfahren oder Abmelden. Dies ist rechts bei den Indikatoren verankert.

Anpassungen können wir in den Budgie Desktop Einstellungen vornehmen. Hier lassen sich Themen für Widgets und letzlich Fenster einstellen, aber auch Symbolthemen etc anpassen. Interessant sind auch bei den Leisten selbst die Einstellungen. Hier können wir nebst Transparenzeffekten auch auf simple Weise einen Dock-Modus einstellen. Effektiv und elegant. Leider etwas zu sehr versteckt aber von der Funktion her sehr schön.

Wenn Ihr gerne mit Applets arbeitet, klickt mal unten rechts auf dieses Pfeilsymbol. Mehr Applets gibt’s wieder in den Budgie Desktop Einstellungen.

Was etwas irritierend sein kann ist die Tatsache, dass wir einmal „Einstellungen“ und einmal „Budgie Desktop Einstellungen“ haben. Hier merkt man die Quellen von Budgie, die im Gnome Universum liegen. Die aus Gnome bekannten „Einstellungen“ sind hier auch mit dabei. Feineinstellungen für Budgie werden separat vorgenommen. Hier wäre noch etwas Luft für Verbesserungen.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.10
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: Thunderbird
  • Büropaket: LibreOffice
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

Die per Vorauswahl festgelegte Sammlung an Software finde ich gut ausgewogen. Es ist für den direkten Einstieg alles dabei. Kein Schickschnack und es fehlt auch nichts. An der Stelle muss ich demnach ein ganz klares Kompliment aussprechen. So gefällt mir das.

Was mir jedoch auffiel: Eine Installation des alternativen aus dem Cinnamon Desktop Projekt heraus entstandenen Dateibrowsers Nemo ist nicht möglich, da es das Paket nicht gibt und Solus keine Cinnamon Ausgabe führt. Das ist nicht schlimm, zeigt aber eine gewisse Einschränkung, die einfach dem Umfang der Arbeit in der Verbindung mit begrenzen Ressourcen geschuldet ist.

Ebenso ist keien Backup-Lösung direkt mit dabei. Bei rollenden Distributionen sollte man hier m.E. nach eine valide Sicherungsstrategie an die Hand bekommen, da sich am System viel ändern kann und im Fehlerfall droht Datenverlust ohne Sicherung. Garuda löst das in Verbindung mit Time Shift sehr vorbildlich. Solus verpasst die Gelegenheit leider.

Besonderheiten und Fazit

Im Rahmen meines Tests zu Solus 4.1 stellte ich die Frage ob eine weitere Distro für den Budgie Desktop nötig ist. Diese Frage sehe ich bis heute nicht ganz beantwortet, wenn auch gleich sich ein paar feinere Details abzeichnen. Solus schleppt keinen Ballast mit sich herum, der von der Idee eines Unterbaus kommt. Wir sind also schlank aufgestellt. Dank rollendem Unterbau werden wir auch stets mit frischer Software versorgt, wenn auch gleich dies immer wöchentlich am Freitag ausgerollt wird. Vielleicht auch keine so schlechte Idee. Bei Arch basierten Distros nervt es manchmal schon, wenn alle 2 Stunden Updates anstehen. So fassen wir also zusammen, dass wir einen schlanken Unterbau haben, der modern und immer topaktuell gepflegt ist. Obendrauf gibt es mit Budgie einen hübschen Desktop, der eine gute Idee realisiert. Was will man eigentlich mehr? Deklaratorisch könnte es nicht mehr sein, was man verlangen kann.

Doch konstitutionell ist es noch immer so eine Sache. Das Team besteht aus 6 Köpfen. Vier Maintainer und, ein experience Lead und ein Technical Lead. Das ist schon mal ein guter Wert für einen harten Kern, erscheint mir aber im Vergleich zu anderen Distributionen doch recht gering. Hier würde es dem Projekt sicher guttun, würden sich mehr dem Team anschließen um die Schlagkraft zu verbessern. So sehe ich immer die Gefahr wie stabil das Projekt sein wird, wenn hier Leute abspringen. Da bleibt leider ein gewisses Risiko, was man z.B. bei Debian, Ubuntu, openSUSE, Fedora oder Arch so nicht eingeht.

Ansonsten machte Solus 4.2 einen ziemlich runden Eindruck. Es machte keine Zicken, lief stabil und flüssig. Eigentlich ein idealer Zustand, der aber mehr oder minder nur eine Momentaufnahme widerspiegelt. Auf alle Fälle hat sich Solus meiner Meinung nach seinen berechtigten Platz neben den großen anderen wie Debian, Fedora und Arch verdient. Ihr erkennt schon was ich meine oder? Alle drei genannten repräsentieren auf Ihre weise ihren Unterbau und ihr Paketformat. Solus geht eigene Wege und ich sehe Solus von einer technischen Perspektive heraus betrachtet durchaus auf Augenhöhe mit den anderen. Wer Solus einmal installiert hat, erhält übrigens dank rollenden Unterbaus immer die neue Version. Es ist also kein Upgrade von 4.1 auf 4.2 nötig.

Was ich mir für die Zukunft von Solus wünschen würde wäre eine einfache Sicherungsstrategie und ein größeres Team hinter dem Projekt. Dann könnte das eine durchaus interessante Alternative werden.

Solgelöst von Solus selbst wird auch der Budgie Desktop mittlerweile stabil und vielleicht auch schon konservativ. Es funktioniert gut, ist durchdacht und tut das, was es soll.

Wer also mal Lust auf was Neues hat, kann mit Solus eine interessante Anlaufstelle finden. Wer sich mehr für Budgie interessiert, wird auf Basis seiner bereits installierten Distro sicher eine Version finden. Ubuntu Anwender könnten auch mit Ubuntu Budgie ein offizielles Flavor einsetzen.

Ich bin dazu übergegangen, nicht nur Budgie, sondern auch Solus als Bereicherung innerhalb der Linuxfamilie zu erachten. Zwar war ich eine Weile skeptisch ob es für Budgie gleich eine eigene Distro gebraucht hätte, mittlerweile bin ich jedoch nicht nur vorsichtig optimistisch, sondern traue Solus durchaus mehr zu. Es bleibt spannend.

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