Wie ich von WhatsApp weg kam und warum ich zu Threema und Signal wechselte

Hey Leute, schön Euch hier zu sehen. In diesem Beitrag möchte ich Euch berichten, wieso ich mein WhatsApp Profil gelöscht habe, wie ich nun schon über vier Jahre ohne WhatsApp leben konnte und wieso, weshalb und warum das Ganze. Nach dem kurzen Intro geths los. Bleibt dran.

Heute möchte ich berichten, wie es mir über einen langen Zeitraum gelang, mein Whatsapp Konto zu löschen und nicht rückfällig zu werden. Nach den Snowden Enthüllungen überkam mich immer öfter die Frage, ob man mit den gewählten Apps auch die richtige Wahl traf. Als dann im Jahr 2014 die Ankündigung kam, daß Whatsapp von Facebook gekauft wird, waren für mich die Würfel gefallen. Doch anders als viele andere war es bei mir kein Strohfeuer, sondern nachhaltig. So habe ich nicht öffentlich erklärt sofort auszusteigen und die App zu löschen um ein paar Wochen später wieder reumütig angekrochen zu kommen.

Zunächst hatte ich mir Alternativen angeschaut. Also Telegramm, MyInsignia und Threema. Doch bei Telegram weiß man bis heute noch genau wer dahintersteckt und wo deren Server wirklich stehen. Weiter wurde das Geschäftsmodell von diesem Messenger nicht ganz transparent, zumindest nicht für mich. Spenden vom Gründer sind schön und gut und das Anbieten von kostenpflichtigen Erweiterungen, wenn das Geld mal ausgeht, klingt für mich leider einfach nur schwammig. MyInsignia konnte nicht mal mich an sich binden, ergo konnte ich es auch keinem im Umfeld schmackhaft machen. Threema aus der Schweiz kristallisierte stets ein erkennbares Geschäftsmodell heraus. Es ist zwar keine quelloffene Software, dennoch wurde sie bereits auditiert ohne daß hier größere Schnitzer bekannt wurden. Ferner öffnet sich Threema nun langsam und veröffentlicht zumindest den Quellcode der App, sodass er frei geprüft werden kann. Der Server ist weiterhin nicht quelloffen.

Doch trotz klarem Geschäftsmodell konnte Threema in der breiten Masse nie den Anklang wie Whatsapp finden. Schließlich kostet er ja etwas. Und die Argumentationskette war stets: Wieso soll ich für einen Messenger, den keiner nutzt, was zahlen? Daraus ergibt sich kein Vorteil. Dies war für mich auch durchaus nachvollziehbar, wenn auch gleich ein paar meiner Kontakte sich wechselwillig zeigten und Threema auch tatsächlich in Betrieb nahmen. Doch quantitativ konnte Threema nie mit Whatsapp mithalten, trotz aller versprochenen Sicherheit und End-zu-End Verschlüsselung, die es seinerzeit bei Whatsapp noch nicht gab.

Mit Parallelbetrieb ging es also eine Weile zu. Irgendwann stieß ich auf einen Artikel, in dem Edward Snowden den Signal Messenger empfiehlt. Ein von einer gemeinnützen Organisation getragener Messenger, der end-zu-end Verschlüsselung bot und kostenfrei erworben werden konnte. Zu schön um wahr zu sein? Denkste. Auch hier zeigten sich viele als ausgesprochen Beratungsresistent, denn auch Signal hinkte quantitativ weit hinter Whatsapp und sogar auch hinter Telegram zurück.

Doch unabhängig davon war es für mich kein Problem Threema und Signal parallel zu Whatsapp zu nutzen. So ging das bis ins Jahr 2016. Zum Jahresende hin habe ich dann alle meine Kontakte in Whatsapp angeschrieben und informiert, daß ich aussteige und weiterhin kostenfrei über Signal und Threema erreichbar bin. Wer die Dienste nicht nutzen mag, kann mich per SMS erreichen. Heutzutage habe ich einen Großteil meiner Kontakte bewegen können Signal zumindest mal zu installieren und somit zu testen. So erstrecken sich meine Kontakte nun von Threema bis zu Signal. Ein Teil ist dort, der andere hier. Vielleicht nicht der Idealzustand aber ich will an der Stelle nicht meckern. Der Großteil, also etwa 70% ist bei Signal und 30% verweilen bei Threema.

Doch sind Threema und Signal das Gelbe vom Ei?

Sicher wird es Stimmen geben, die ehr zu Conversations oder Matrix raten, da dezentrale Infrastruktur und völlig quelloffen. Doch ich habe diese nach ausführlichem Test nicht als praxistauglich für Endanwender befunden. So schön die Idee der dezentralen Infrastruktur ist, die daraus resultierende Fluktuation bei en Servern kann auch zu Problemen führen. So können Server im Verbund unterschiedliche Versionsstände oder Hardware haben, was zu einem schwankenden Nutzererlebnis führen kann. Ob sich das mit Whatsapp messen kann? Keinesfalls. Die Infrastruktur von Facebook, die hinter Whatsapp steht, ist ausgesprochen potent. Muß sie auch bei 2 Milliarden aktiver Nutzer im Februar 2020 sein. Ergo kommen für mich derzeit Conversations oder Matrix nicht als praxistaugliche Alternativen für alle in Frage. Threema und Signal hingegen schon. Und in Anbetracht der Tatsache, daß dahinter kein Unternehmen wie Facebook steht, dessen Geschäftsmodell auf Datenhandel basiert, macht die Sache für mich sympathisch.

Meiner Meinung nach wird es noch eine Weile weitergehen, bis sich der Messenger Markt konsolidieren bzw. ausdünnen wird. Noch turnen zu viele Anbieter auf dem Markt herum. Messenger wie Wire, die den Holding Firmensitz in USA haben, sollten m.E. nach kritisch hinterfragt werden. Auch Signal hostet übrigens bei Amazon Web Serives (AWS), doch dank Verschlüsselung sind die Nachrichteninhalte sicher. Anders sähe das mit den Metadaten aus aber an einem gewissen Punkt muß man sich auber Fragen wofür man die Messenger benutzt. Bin ich investigativer Journalist, der vertrauliche Quellen hinsichtlich sensibler Informationen hat, würde ich nicht Signal benutzen, sondern in der Tat Messenger wie Matrix. Für den Massenmarkt halte ich Signal und Threema für durchaus geeignet.

Niemand muß von heute auf morgen aus WhatsApp aussteigen. Mein Beispiel zeigte ja auch, daß ich dafür Jahre Zeit in Anspruch nahm. So würde ich es auch allen anderen empfehlen. Nutzt die Alternativen für einen Parallelbetrieb und gebt Euch mindestens ein paar Monate Zeit um den Wechsel geordnet über die Bühne zu bringen.

Danach seid Ihr vermutlich raus aus einigen Gruppen. Doch das wird mit mehr Ruhe honoriert. Und sind wir ehrlich: Bei Signal oder Threema könnte man die Gruppen auch bilden, wenn alle da wären. Bleibt am Ende festzuhalten: Der Wechselwille und dessen Erfolg hängen von der Entscheidung ab auch etwas verändern zu wollen. Klingt blöd aber ist halt so.

Ich bin seit Jahren zufrieden mit meiner Entscheidung und werde Facebook bzw. WhatsApp meine Daten nicht freiwillig auf dem Silbertablett servieren. Wem es ähnlich geht, probiert doch einfach mal Signal und oder Threema aus. Es lohnt sich in die Privatsphäre zu investieren. Und ganz nebenbei kann die Zeit, die man aufgrund sinnfreier WhatsApp Gruppennachrichten spart, anders für sich investieren. Vielen denken sie würden dadurch etwas verpassen. Tatsächlich ist es so, dass wenn man es hinter sich ließ, man weder etwas verpasst, noch vermisst. Den eigentlichen Mehrwert erkennt man erst danach. Ist etwas wie beim Rauchfrei werden. Anfangs ist es schwer, doch dann wird es immer besser.

Welche Messenger setzt Ihr ein und wieso? Wie waren Eure Argumente in Eurem Umfeld Leute zum Wechsel zu privatsphärenfreundlichen Diensten zu bewegen? Was kam gut und was kam schlecht an? Wie geht Ihr mich Facebook-Süchtlingen um, die absolut beratungsresistent sind? Ich toleriere deren Haltung und fahre halt auf SMS-Sparflamme herunter. Manche brauchen einfach etwas länger und solche Dinge ändert man nur von innen, nicht von außen. Das weiche Wasser bringt den Stein auch irgendwann zum Bersten. So ist das im Leben. Doch jetzt bin ich auf Eure Kommentare gespannt.

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