Standpunkt: Wo Linux und Open Source Leidenschaft sind

Linux steht in Form des Linux Kernels seit über 30 Jahren für freie Software und ein freies Betriebssystem. Als Linus Torvalds im Jahr 1991 sein Projekt Minix startete, ahnte er nicht, was später aus seinem Hobbyprojekt werden wird. Aus diesem Projekt ist heute ein modernes Betriebssystem geworden, dass nicht nur unzählige freiwillige Entwickler weltweit begeistert, sondern Smartphones, Server, intelligente Sprachassistenten oder Kühlschränke steuert.

Die Geschichte von Linux reicht bis ins Jahr 1991 zurück. Doch heutzutage ist Linux dem Status des Hobbyprojekts definitiv entwachsen. Firmen weltweit verlassen sich auf Linux, setzen Ihr Vertrauen in dieses Betriebssystem, das es kostenlos gibt. Jeder kann es einsetzen und verändern.

Freie Software gehört grundsätzlich niemanden, der diese monetarisiert. Heißt niemand muss eine Linux Lizenz kaufen, wie das andere Hersteller mit ihren Betriebssystemen handhaben. Dennoch ist Linux für Firmen nicht gänzlich kostenfrei, denn kommerzieller Support ist es, der professionellen Linuxdistributoren eine feste Einnahmequelle sichert.

Eine lebenswerte, andere Idee

Der Gedanke hinter Linux ist, dass Software frei ist. Jeder Mensch auf der Welt hat das Recht den Quellcode des Linux Kernels einzusehen und zu verändern. Auch darf man selbst mit Linux Geld verdienen. So können nicht nur große Unternehmen Linux Distributionen anbieten, sondern auch kleinere Firmen oder IT-Systemhäuser und kleinere Beratungshäuser können kostenpflichtigen Linux-Support anbieten.

Die Idee hinter Linux und Open Source Software ist nicht der gewinnbringende Gedanke. Der Gedanke ist, dass Software frei und somit jedem Menschen auf der Welt uneingeschränkt zugänglich sein sollte.

Freiwillige Entwickler erstellen oder beteiligen sich an der Entwicklung von Linux Distributionen ohne gewinnbringende Absichten. Die Motivation dahinter ist Freiwilligkeit etwas Gutes zu tun. Seinen Beitrag zu etwas positiven zu leisten. Doch nicht nur Entwickler beteiligen sich an Linux Distributionen. Es gibt noch viele andere Formen der freiwilligen Helfer. Übersetzungen, Webseiten, Hosting, Veranstaltungen, Kontakte mit Gemeinschaften bzw. Communitys. Doch auch Videoersteller, Linux Foren Betreiber, Moderatoren und Nutzer… All das zählt ebenfalls zu den freiwilligen Beiträgen.

Open Source ist konsequent nachhaltig

Wenn Gewinn und dergleichen nicht im Vordergrund der Aktivitäten steht, dann besteht die Möglichkeit sich auch anderen Dingen zu widmen. So kennt Linux keine Supportzeiträume wie die anderen Betriebssysteme dies kennen. Natürlich haben auch Linux Distributionen gewisse Unterstützungszeiträume, doch danach steht einem Upgrade auf eine neuere Version für Gewöhnlich nichts im Wege.

Während andere Betriebssysteme fixe Supportzeiträume haben oder aufgrund technischer Spezifikationen ältere Rechner ausschließen, kann Linux älteren Rechnern neues Leben einhauchen und trägt somit seinen Teil dazu bei, Elektroschrott zu reduzieren, denn Linux kennt keine Profitabilität. Natürlich ist neuere Hardware oftmals energiesparender als ältere Hardware. Dem kann Linux mit intelligenten Energiesparmodi entgegenwirken. Im Modus ausbalanciert wird die CPU-Leistung gedrosselt und nur dann hochgefahren, wenn sie auch tatsächlich abgerufen wird. Dadurch wird der Stromverbrauch gesenkt.

Ältere Peripheriegeräte werden vom Linuxkernel auch nach vielen Jahren meist noch problemlos angesprochen und können ohne großartige Installation direkt weiterbetrieben werden.

Spenden motivieren

Wer freiwillig arbeitet macht dies nicht, um reich zu werden. Dennoch ist die Freude groß, wenn das Engagement gewürdigt wird, gerne auch mal in finanzieller Hinsicht. Jeder, der sich im FOSS Umfeld betätigt, freut sich, wenn sein Beitrag gewürdigt wird.

So ist strikt zu unterscheiden ob finanzielle Zuwendungen angenommen werden, um motiviert zu sein oder um eigene Kosten zu decken oder ob eine klare Gewinnabsicht erkennbar ist. Meist ist die Gewinnabsicht im FOSS Umfeld nicht der treibende Motivator mit Ausnahme der Firmen wie z.B. SUSE, Canonical oder Red Hat, die Enterprise Linux Distributionen veröffentlichen. Aber diese Firmen haben auch Angestellte, die bezahlt werden wollen und sie leisten auch Support, der über das Niveau eines Linux Forums weit hinausgeht. Auch stellen sie oftmals Mitarbeiter ab, um an FOSS Projekten zu arbeiten.

Für eine bewusste Zukunft

Wir Menschen müssen einen Teil unserer Gewohnheiten ändern. Die Vermeidung von Elektroschrott und den Verbrauch von unnötiger Energie zu vermeiden ist eine der großen Aufgaben, der sich Linux erfolgreich entgegenstellt. Doch ist das nur der Anfang. Smartphones oder ältere Tablets können aktuell leider noch nicht mit Linux weiterbetrieben werden. Zwar gibt es sogenannte Android Custom Roms wie z.B. LineageOS, Murena oder Resurrection Remix, doch unterstützen diese oftmals nur wenige Geräte wirklich zuverlässig. Bis hier eine zuverlässige Versorgung möglichst vieler Geräte sichergestellt ist, wird es leider noch dauern.

Aus dem Grund ist dieser Standpunkt auch als Aufruf zu verstehen, sich hier ggf. einzubringen, sofern man die Affinität und das Wissen dazu hat. Solange es noch Android Geräte gibt, die nicht mehrere Jahre zuverlässig zumindest Sicherheitspatche erhalten, ist dieser Bedarf unerlässlich und muss bedient werden. Längere Supportzeiträume sind notwendig, egal ob Stock Rom oder Custom Rom.

So müssen weniger seltene Rohstoffe abgebaut um für neu produzierte Bildschirme eingesetzt zu werden. Es müsste aber die Möglichkeit geben nach dem Unterstützungsende durch den Gerätehersteller möglichst einfach ein Custom Rom einzuspielen. Hier hinken die Custom Roms noch weit hinter dem Komfort der Linux Distributionen hinterher. Ubuntu dürfte heute so ziemlich jeder installieren können. Bei Custom Roms wage ich zu bezweifeln, dass die meisten das hinbekämen, geschweige denn mit Odin oder Heimdall vertraut sind. Viele werden das vielleicht noch als nordische Götter einordnen können aber sicher nicht in Verbindung mit dem Flashen von Android bringen, von TWRP ganz zu schweigen. Hier besteht Nachholbedarf. 

Selektieren, nicht sektenhaft

Während bislang viele Linux Anwender darauf bedacht waren eine Diversifizierung gegenüber Windows und macOS zu betonen, mündet dies meist in einer persönlichen Blase bzw. in der Sackgasse. Es ist schlicht unsinnig sich gegenüber den anderen Betriebssystemen abzugrenzen. Statt Burgen sollten Brücken gebaut werden. So wird Linux nicht als Insellösung empfunden, sondern als gleichwertige Alternative, die auf Augenhöhe rangiert.

Es ist ebenfalls erstrebenswert auf quelloffene Alternativen zu setzen. Doch wenn die Alternative nicht brauchbar ist oder schlicht hinter dem proprietären Konterpart hinterherhingt, wird der Wechsel nicht harmonisch gelingen, wenn es erzwungen werden soll. Es ist daher kein großes Problem, auch auf proprietäre Lösungen auszuweichen, wenn es derzeit keine freie Alternative gibt oder andere Gründe gegen einen Wechsel sprechen. Nur weil jemand sich nicht voll dem FOSS Prinzip hingibt, muss da nichts faul dran sein. Manchmal gibt es auch nur zum aktuellen Zeitpunkt keine brauchbare Alternative.

Linux Anwender sollten offen für proprietäre Lösungen sein. Zwar sind Open Source Alternativen immer der lobenswerte erste Lösungsversuch, doch ist der Sache auch nicht gedient, wenn nur Frust herrscht. Ein Wechsel von Windows oder macOS zu Linux kann klappen aber muss nicht für jeden. Da kann es auch sinnvoll sein zunächst mit dem proprietären Betriebssystem und der proprietären Lösung weiterzuarbeiten und stattdessen Open Source Apps einzusetzen. Beispiel: Firefox statt Edge oder Safari. Thunderbird statt Windows Mail oder Apple Mail usw.. Auch das kann das Verständnis für FOSS wecken und das Auge für diese Art der Lösungen schärfen.

Und urteilt nicht voreilig über andere. Viele wissen nicht um die Vorteile, die Linux bietet, speziell für die Privatsphäre und den Datenschutz. Viele normale Anwender sind froh, wenn der Rechner einfach läuft und solange das so ist, wird da kein Hirnschmalz investiert. Wenn dann eine Lösung wie Linux noch kompliziert zu installieren ist oder nur freie Treiber liefert, die einen Notebooklüfter hochdrehen lassen oder die Batterielaufzeit unterirdisch verkürzen, ist der Linux Ausflug schnell zu ende. Linux Anwender dürfen nicht in Schemata denken, wollen sie nicht wie eine Sekte der vermeintlich erleuchteten wirken. Gerade diese Form der Toleranz ist unerlässlich, um respektvoll miteinander umzugehen. Willst Du als Linux Anwender ernstgenommen werden, behandele die anderen auch entsprechend und urteile nicht, schaue nicht von oben auf sie herab, nur weil sie z.B. noch nie Arch installiert haben.