Trisquel 10: Befreie Dich selbst – Ubuntu Fork mit ausschließlich Open Source Software


Trisquel ist eine an Ubuntu LTS angelehnte Linux Distribution, die ausschließlich mit freier Software daherkommt. Heißt proprietäre Software, Treiber oder Firmware sucht man, anders als bei Ubuntu, hier vergebens. Ob Trisquel vielleicht für den einen oder anderen von Euch eine interessante Alternative sein könnte, dem gehen wir in diesem Beitrag nach. Viel Spaß.

Die Distro Trisquel

Das Trisquel Project wurde 2004 initiiert und von Richard Stallman im Jahr 2005 offiziell vorgestellt. Die erste Version von Trisquel erschien im Jahr 2007. Das Triskel Logo steht vermutlich für den Weg des Lebens.

Kurz und gut kann man sagen, Trisquel ist ein Ubuntu ohne proprietäre Software. Und das war und ist mehr oder minder auch das Ziel der Distro. Es kommt mit allen Vor- und Nachteilen von Ubuntu aber besteht ausschließlich aus freier und quelloffenerer Software. Das geht soweit, dass auch Binärblobs aus dem Linux Kernel entfernt werden. Das Projekt ist gemeinnützig und spendenfinanziert. Die Free Software Foundation listet Trisquel als eine der wenigen Distros, die ausschließlich freie Software innehat.

Trisquel 10 basiert, obwohl noch gar nicht so alt, auf Ubuntu 20.04 LTS. Der Codename von Trisquel 10 LTS lautet Nabia. Trisquel 10 wird bis April 2025 Sicherheitsaktualisierungen durch den Ubuntu Unterbau erhalten.

Trisquel bietet vier Editionen an:

  • Trisquel: Standard Ausgabe mit MATE Desktop mit über 50 Sprachpaketen.
  • Trisquel Mini: Minimale Ausgabe mit Lxde Desktop nur in englischer und spanischer Sprache.
  • Trisquel Sugar Toast: Kommt für Schüler mit Sugar Lernumgebung
  • Trisquel Netinstall: Minimales ISO um den Rest über das Internet nachzuladen im Rahmen der Installation

Was ist neu?

Trisquel 10 basiert auf Ubuntu 20.04 und bietet alle damit einhergehenden Aktualisierungen der Pakete. Darunter u.a.:

  •     GNU Linux-libre 5.4 standardmäßig und alternativ 5.8 und 5.13
  •     Abrowser (Privatsphäre optimierte Firefox Version) 96.0
  •     Icedove (Privatsphäre optimierte Thunderbird Version) 91.5.0
  •     LibreOffice 7.1.7
  •     VLC video player 3.0.9.2
  •     Xorg 7.7
  •     GNU Libc6 2.31

Alle Details in der Ankündigung.

Distributionsmodell

Es handelt sich um eine LTS Distribution, die mit statischen Versionsständen kommt.

Architektur

Trisquel 10 bietet Unterstützung für 64-bit und ARM Architektur. Wer mit 32-bit Architektur Trisquel nutzen möchte, muss auf die Vorgängerversion 9.0.2 zurückgreifen, die dann noch mit Ubuntu 18.04 Stack kommt.

Paketverwaltung und natives Paketformat

Aufgrund der Ubuntu Basis kommt hier das Deb Paketformat zum Einsatz. Die Verwaltung findet via Synaptic Paketverwaltung statt.

Inbetriebnahme / Download von Seite

Du möchtest Trisquel selbst ausprobieren? Dann öffne einen Browser und geh auf die Seite von Trisquel. Gleich im oberen Bereich findest Du download oder Du klickst auf den blauen Download Trisquel 10.0 Knopf. Jetzt gilt es die passende Version zu wählen. Ich hatte die Vorauswahl mit MATE Desktop geladen. Hast Du Deine Wahl getroffen, dann unten auf ISO downloaden klicken und wenige Sekunden später springt das Fenster zum Runterladen auf.

Du solltest jetzt aber das Browserfenster noch nicht schließen, denn schau mal hin, an der Stelle werden die Checksummen für das ISO gelistet.

Diese benötigst Du um die Checksummen nachzuprüfen. Nur auf diese Weise kannst Du ausschließen, dass Du eine veränderte, manipulierte oder korrumpierte ISO Datei erhalten hast. Wie Du das nachprüfen kannst, hatte ich hier bereits demonstriert. Nimm Dir also besser die zwei bis drei Minuten Zeit und verifiziere dies. Es kann Dich vor manipulierter Software schützen.

Inbetriebnahme / Installation

Der Installationsprozess von Trisquel ist nicht allzu schwierig gestaltet. Ich blende ein paar Screenshots ein und wenn Du unsicher sein solltest, schau Dir gerne mal die Installationsvideos meiner Serie Wechsel zu Linux an. Ansonsten bitte ich um Verständnis, dass ich hier jetzt nicht näher drauf eingehe, um den Rahmen des Videos nicht zu sprengen.

Hacks und wichtige Befehle (Aktualisierung, Suchen etc)

Wenn Du das System aktualisieren willst, kannst Du das grafisch oder via Terminal machen. In der Konsole würde ich folgende wichtigen Befehle empfehlen:

Paketquellen auffrischen:

sudo apt update

Pakete aktualisieren:

sudo apt upgrade

Unnötige Pakete entfernen nach Aktualisierung

sudo apt autoremove

Flatpak Pakete auffrischen

flatpak update

Vollautomatisierte Aktualisierung:

sudo apt update && sudo apt upgrade -y && sudo apt autoremove -y && flatpak update -y

Die Kette kannst Du entweder regelmäßig ausführen oder packst sie in ein Script, welches via Cronjob ausgeführt wird. Allerdings würde ich es bevorzugen das nicht voll zu automatisieren, sondern stets einen Blick drauf zu haben.

Grafisch kannst Du mit Synaptic arbeiten. Drei Klicks sind nötig. Der erste Klick ist auf „Neu laden“ und der zweite Klick ist auf „Alle Aktualisierungen vormerken“ und der dritte im Bunde ist der Klick auf „Anwenden“. Das wars schon.

Zielgruppe

Trisquel möchte all diejenigen ansprechen, die großen Wert darauf legen, dass das Betriebssystem strikt aus freier und quelloffener Software besteht. Das vermutlich in Verbindung mit dem Bedürfnis ein auf Ubuntu aufsetzendes System zu bekommen. Für diese Bedingungen muss man jedoch, verglichen mit Ubuntu, ein paar Abstriche im Nutzerkomfort machen.

Performance, Desktop &, Programme

Systemvermessung

Meine Installation von Trisquel 10 mit Mate krallt sich 6,5 GB von der Platte.

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum liegt bei knapp 580 MB RAM.

Da ich Trisquel bislang noch nicht auf meinem Kanal testete, kann ich hier auch keine Vergleichswerte einer Vorgängerversion heranziehen. Doch wir haben einen Artverwandten anzubieten. Ubuntu Mate 20.04 und hier hatten wir seinerzeit 5,8 GB Plattenplatz belegt und 550 MB RAM in Beschlag. Jetzt kommt man fast ins Staunen wie ähnlich sich die Werte sind oder?

Desktop Oberfläche und Konzept

MATE-Arbeitsumgebung liegt in Version 1.24.0 bei. Auch diese Eigenschaft teilen sich Trisquel 10 und Ubuntu MATE 20.04 nebenbei bemerkt. Doch im Desktop Konzept scheidet es sich im erheblichen Maße.

Während Ubuntu MATE hier verschiedene Themen und Desktop Modi nachstellt, liefert Trisquel ein recht nacktes MATE Nutzererlebnis aus. Es sind wenige Anpassungen vorgenommen worden.

Das Konzept erinnert mich an die grauen Gnome 2 Zeiten oder ehr an sowas angestaubtes wie Windows XP aber ich glaube man möchte keine Windows Wechsler ansprechen, denn diese sind proprietäre Software gewohnt und hier möchte man genau Leute des anderen Lagers anziehen. Nichtsdestotrotz haben wir unten eine Leiste, die links mit Startmenü, gefolgt von Schnellstartern kommt. Geöffnete Fenster werden nicht gruppiert angeordnet, sondern geteilt in der Leiste. Das erinnert die dienstälteren Hasen vielleicht an frühere KDE Desktops. Rechts sind noch Systemindikatoren platziert.

Was ich vermisse, ist ein Suchfeld im Startmenü. Das gibt es hier bei MATE nicht, was ich persönlich als äußerst irritierend empfinde. Das sollte meines Erachtens nach im Jahr 2022 kein besonderes Extra mehr sein.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.4
  • Browser: Gnome Web Browser
  • E-Mail Client: Icedove
  • Büropaket: LibreOffice 7.2
  • Software-Container: nicht vorinstalliert

Allgemein vorinstallierte Software:

Die Auswahl an vorinstallierter Software ist für mein Geschmack nicht so glücklich getroffen. Es ist von allem irgendwas dabei und das recht inflationär. Wer sich einen minimalen Ansatz vorstellt, hier muss ich die Erwartungshaltung dämpfen.

Den Mail Client Icedove kennen einige von Euch vermutlich noch von Debian. Hintergrund war hier eine markenrechtliche Auseinandersitzung mit Mozilla, die aber seit 2017 aus der Welt geräumt ist. Wieso Trisquel nicht Thunderbird, sondern Icedove, also auch den Fork, anbietet, konnte ich nicht finden. Zwar gibt es im Trisquel Forum eine ähnliche Frage aber ganz klar beantwortet wird es nicht. Nur so der Hinweis, dass dies ein komplexes Thema, welches noch nicht voll geklärt sei. Wer dazu detaillierte Infos hat, bitte in den Kommentaren ergänzen.

Besonderheiten und Fazit

Trisquel gibt an, dass bis April 2025 Sicherheitsaktualisierungen zugesichert werden für Trisquel 10. Wer jetzt denk, dass das einfach, wie bei den meisten anderen Forks über die Ubuntu Paketquellen realisiert wird, irrt schwer. Trisquel setzt vollständig auf eigene Paketquellen und hat formal keine Ubuntu Paketquellen im Bauch. Sicher werden die irgendwie das Ubuntu Repo mit ihrem eigenen mergen aber zunächst mal greift Dein System vollständig auf Trisquel Paketquellen zu. Heißt wenn Trisquel hal hobs geht, dann wirst Du Dich nicht auf den Ubuntu Paketquellen ausruhen können und benötigst eine andere Distro und das kurzfristig. Doch sind wir ehrlich, danach sieht es aktuell nicht aus. Trisquel existiert schon einige Jahre und allen Anschein nach verfügt man dort über die nötigen Ressourcen das System aufzubauen und zu pflegen. Dennoch solltet Ihr über die Zusammensetzung der Paketquellen grob Bescheid wissen.

Gibt es vielleicht bessere Alternativen als Trisquel, wenn man strikt auf freie und quelloffene Software setzen will? Kommt auf Deinen Blickwinkel auf die Dinge an. Gemäß der Free Software Foundation kämen hier nur 8 Distros in Betracht. Darunter sind auch Distros, die mir noch nie in der Praxis über den Weg liefen. Und nein, Debian wird hier nicht gelistet. Debian bietet zwar in der Standardinstallation dank Main Paketquelle nur freie und quelloffene Software an, durch die restricted und non-free Paketquellen können hier aber auch nicht freie Softwarepakete installiert werden. Das scheint der Grund zu sein, wieso Debian nicht in der Liste dabei ist. So würde ich die Frage, ob es bessere Alternativen gibt, mit einem klaren Ja, Nein äh ich meine Jein beantworten. Wenn Du eingefleischter FOSS Purist bist, dann gibt es keine Alternative. Nimmst Du es nicht so streng und möchtest weitgehend mit freier Software unterwegs sein und nur in Einzelfällen auf proprietäre Pakete zurückgreifen, dann könnten andere Distros Dir besser gefallen. Ich denke hier vordergründig an proprietäre Treiber, denn dieses dürfte in den meisten Fällen der Knackpunkt sein. Ich schätze was die Software angeht, könnten viele mit den FOSS Alternativen gut leben. Aber bei den Treibern merkt man doch Unterschiede. Stichwort Nvidia und Nouvou Treiber. Im Office Desktop Bereich vielleicht egal aber beim Zocken dürften die Gamer unter Euch verstehen, was ich meine. Die Grafikperformance ist merklich unterschiedlich bei genannten Treibern. Die quelloffene Nouvou Treiberalternative kann mit dem proprietären Nvidia Treiber leider nicht mithalten. Also ist es Deine Entscheidung ob Du jetzt lieber für das gute Gewissen den offenen Nouvou Treiber verwendest oder stattdessen lieber für maximale Performance den Nvidia Treiber installierst.

Fazit

Trisquel ist eine gute Anlaufstelle für FOSS Puristen. Es kommt diesem Anspruch nach und wird nicht enttäuschen. Laut der Free Software Foundation ist Trisquel auf kleine Unternehmen, Privathaushalte und Bildungseinrichtungen ausgerichtet. Mir ist kein Unternehmen bekannt, welches Trisquel einsetzt. Damit sei nur gesagt, dass es meiner Meinung nach für Unternehmen besser ausgerichtete Distros gibt. Liegt möglicherweise auch daran, dass Unternehmen gewinnorientiert arbeiten und dahingehend oftmals mehr Interesse darin haben den bestmöglichen Funktionsumfang zu haben statt den maximalen ethischen Anspruch gerecht zu werden.

Mögliche Alternativen könnten sein:

  • Wenn Du gerne quelloffene Software magst: Debian Stable
  • Wenn Du gerne Ubuntu basierte Distros mit Mate magst: Ubuntu Mate oder Linux Mint Mate
  • Wenn Du eine Distro für Unternehmen suchst: openSUSE Leap, elementaryOS, Linux Mint, ZorinOS oder Ubuntu

Du hast eine bessere Alternative? Dann ab damit in die Kommentare.

Bevor ich gehe, möchte ich mich bei allen Unterstützern ganz herzlich bedanken.

Bei Dir möchte ich mich für die freundliche Aufmerksamkeit bedanken. Deine Meinung kannst Du gerne in den Kommentaren hinterlassen, entweder auf YT oder auf meinem Blog. Wenn Dir das Video gefallen hat, dann abonniere gerne meinen Kanal. Mit dem Daumen kannst Du zeigen, wie es Dir gefallen hat und die Glocke informiert Dich sofort, wenn ich Nachschub an neuen Videos veröffentlichte. Es lohnt sich.

Bleibt gesund, passt weiterhin gut auf Euch auf und bis zum nächsten Mal. Bis dahin. Macht es gut. Ciao, Euer Michl aus Franken.


3 Kommentare

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  1. Hei, wieder ein sehr gutes informatives Video, danke. Ein Wort zu den Hardwaretreibern, bei der Installation in VirtualBox alles ok (netzwerk-Internetverbindung) nur bei der direktem Installation auf dem Testlaptop … keine WiFi-Kart unterstützung. Bei der Hilfe nur ein verweis (Link) zu einem (US)Onlineshop mit unterstützten USB WiFi Karten (35Euro) – tut mir leid aber da verging mir die Lust – auch mit einer eventuellen manuellen installation. Vor 20 jahren habe ich extra ein von Linux unterstütztes Modem gekauft das war zu dieser Zeit voll OK. Also wer Interesse hatt an Trisquel (keltisches Symbol) nicht nur in VB testen.

  2. >”Was ich vermisse, ist ein Suchfeld im Startmenü. Das gibt es hier bei MATE nicht..”

    Ich benutze Ubuntu Mate 20.04 Vanilla
    habe testweise beide “Standardmenüs” aktiv.(“Brisk Menü Starter” und “Advanced Mate Menu”)
    Bei beiden steht der Cursor nach Öffnen des Menüs direkt in einem Suchfeld.
    Sind das dann extra Anpassungen seitens Ubuntu oder Martin Wimpress die nicht in Mate enthalten sind?

  3. Trisquel habe ich testweise laufen gehabt.
    Das hat mich aber nicht wirklich überzeugt.
    Sparky find ich einfach besser:
    —————————
    uwe@intel:~$ inxi -Fz
    System:
    Kernel: 5.16.0-5-amd64 x86_64 bits: 64 Desktop: LXDE 0.10.1
    Distro: SparkyLinux 6.2 (Po-Tolo)
    Machine:
    Type: Desktop Mobo: MICRO-STAR model: MS-7211 v: 1.00
    serial: BIOS: Phoenix v: 6.00 PG date: 01/12/2006
    CPU:
    Info: single core model: Intel Pentium 4 bits: 64 type: MT cache:
    L2: 1024 KiB
    Speed (MHz): avg: 2994 min/max: N/A cores: 1: 2994 2: 2994
    Graphics:
    Device-1: NVIDIA G73 [GeForce 7600 GT AGP] driver: nouveau v: kernel
    Display: x11 server: X.Org v: 1.21.1.3 driver: X: loaded: nouveau
    unloaded: fbdev,modesetting,vesa gpu: nouveau resolution: 1920×1080~60Hz
    OpenGL: renderer: NV4B v: 2.1 Mesa 21.3.7
    Audio:
    Device-1: C-Media CMI8738/CMI8768 PCI Audio driver: snd_cmipci
    Sound Server-1: ALSA v: k5.16.0-5-amd64 running: yes
    Sound Server-2: PulseAudio v: 15.0 running: yes
    Network:
    Device-1: Realtek RTL-8100/8101L/8139 PCI Fast Ethernet Adapter
    driver: 8139too
    IF: eth0 state: unknown speed: 100 Mbps duplex: full mac:
    Drives:
    Local Storage: total: 55.9 GiB used: 22.56 GiB (40.4%)
    ID-1: /dev/sda vendor: Kingston model: SV300S37A60G size: 55.9 GiB

    2x1GB DDR-Ram
    ———-
    -für den Alltags (Offlinebetrieb) völlig ausreichend
    -Internet möglich (sonst wär ich nicht hier)
    -null Probleme mit Multimedia-Anwendungen (Codecs)

    Ansonsten: Ein klasse Video,so wie gewohnt ! 😃 😃