Mythen rundum Linux - MFTP29


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In dieser Podcast Folge sprechen wir über Mythen rundum Linux.

Rundum das Millennium waren Diskussionen über Betriebssysteme oftmals Gegenstand überhitzter Diskussionen. Windows, OS X und Linux waren die Kontrahenten. Während einige schon damals auf den Durchbruch von Linux hofften, sie müssen sich auch heute noch gedulden, denn Linux dümpelt am Desktop weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich herum. Doch anders als am Desktop konnte Linux am Server durchaus zur Nummer eins aufsteigen, wo wir auch schon beim ersten Mythos sind.

Linux hat keine Relevanz

Was heißt Relevanz im Bezug auf ein Betriebssystem? Beim relativen oder absoluten Marktanteil? Wie könnte man diesen eigentlich zuverlässig messen? Gar nicht. Weder anhand von Verkaufszahlen von Computern, noch von Zugriffsdaten auf verschiedenen Webseiten. Wobei bei Zugriffen auf Webseiten ein einigermaßen repräsentatives Bild erstellt werden könnte, würde man auf sehr viele und thematisch sehr verschiedene Daten zugreifen können.

Am Desktop mag die Relevanz überschaubar sein. Am Server ist der Marktanteil von Linux jedoch führend.

Linux ist sicher

Auf alle Fälle ist sicher, dass Linux nicht per se sicher ist. Sicher ist auch so ein schwammiger Ausdruck, der je nach Standpunkt interpretiert werden kann. Je mehr Elektronik, die mit dem Internet verbunden ist, wir einsetzen, desto unsicherer wird es grundsätzlich. Doch jenseits von Aluhut und der gleichen kann man Linuxsysteme härten auf IT Sicherheit, ganz klar. Das geht aber grundsätzlich mit jedem Betriebssystem.

Der Angriffsvektor bei Linux ist geringer als bei Windows oder macOS. Das liegt daran, dass Linux eine ungeheure Fluktuation hat. Windows und macOS haben in der Regel eine führende, aktuelle Version und versorgen einen oder zwei Vorgänger-Betriebssysteme noch mit Sicherheitsaktualisierungen. Heißt es ist hier volle Konzentration auf das neueste Betriebssystem nötig um vermutlich den größtmöglichen Wirkungskreis aufzubauen. Wer Windows hackt, wird sich quantitativ weniger auf Windows 8.1 konzentrieren sondern ehr auf Windows 10 bzw. Perspektivisch auf Windows 11. Bei Linux kann jede Distribution eine andere Kernel Version einsetzen. Dazu eine beliebige Desktop Umgebung. So ist Ubuntu anders als Manjaro mit Xfce. Ein potenzieller Zero-Day Exploit, der auf den Ubuntu LTS Kernel abzielt, lässt Dich mit Manjaro der openSUSE vermutlich ziemlich kalt. Ebenso ist es umgekehrt wenn ein Debian LTS Kernel angegriffen wird, kann ein Ubuntu Anwender vermutlich dennoch ruhig schlafen. Da es das eine Linux Betriebssystem nicht gibt, ist der Vektor aufgrund der verschiedenen Konstellationen schwieriger zu finden. Man müsste demnach einen Linux Kernel Lücke finden, die sowohl in älteren LTS Kernel als auch in brandneuen Kerneln offen ist.

Linux ist Ubuntu

Es ist genau andersherum. Ubuntu ist ein Linuxsystem. Wenn auch gleich aufgrund der historischen Erfolge von Ubuntu für den Linuxdesktop bei einer gewissen Anwenderschicht vermutlich das Synonym dennoch zutrefflich sein wird. Wer sich dafür nicht groß interessiert und keine andere Distro kennt, für den hat das Gültigkeit. Aber generell ist Ubuntu ein Linux. Wie ein Dackel ein Hund ist aber der Hund ist kein Dackel.

Linux schützt meine Daten

Das ist ein Mythos, der mehr oder minder gefährliches Halbwissen ist. Denn der Schutz Deiner Daten auf Deinem Rechner ist total für die Füße, wenn Du alles in OneDrive oder iCloud synchronisierst. Denn damit speicherst Du sie, vereinfacht ausgedrückt, auf der Festplatte von jemand anders und weißt nicht, wie der damit umgeht. Dann bringt Dir auch Festplattenverschlüsselung an der Stelle rein gar nichts. Dann ist es auch egal ob Du Windows, macOS oder Linux einsetzt.

Gleichwohl bringt die Festplattenverschlüsselung Dir aber was wenn Du Dein Notebook mal verlieren solltest oder es Dir geklaut wird. Dann hat der Dieb, je nach Betriebssystem, entweder Datenmüll oder unzählig viele Versuche via Brute Force Attacke die Verschlüsselung zu knacken. Aber wenn Du ein Kandidat für solch einen Aufwand bist, dann hast Du andere Dinge ausgefressen und benötigst vermutlich tiefergehende Methoden als ich sie hier nun beleuchten werde. Ungeachtet des Betriebssystems solltest Du die Festplattenverschlüsselung grundsätzlich immer aktivieren.

Per se schützt Linux Deine Daten jedoch nicht mehr oder weniger als andere Betriebssysteme dies gut oder schlecht tun.

Linux erhöht meine Privatsphäre

Auch hier kommt es auf den Fall an. Wenn Du Linux installierst, dann aber alle möglichen Datenkraken Zugriff auf Deine Platte oder Nutzungsdaten gewährst, dann ist nicht mehr allzu viel mit privat. Aber generell bist Du mit Linux für gewöhnlich privater unterwegs wenn es darum geht, dass sowohl Windows als auch macOS Verbindungen nach Hause aufbauen, wie meine Beiträge zum DNS Tracing ja einwandfrei zeigten. Wenn Du das nicht willst, dann wird Linux Dir an der Stelle die gewünschte Privatsphäre bieten können, denn dann denke ich auch nicht, dass Du auf allen erdenklichen Datenkraken tanzt.

Linux ist kompliziert

Linux ist nicht mehr oder weniger kompliziert wie Windows oder macOS. Unter der Haube sind alle drei sau kompliziert. Auf der Anwenderebene ist es auf Windows und macOS nur geordneter, da es eben auf das jeweilige Betriebssystem gemünzt eine einheitliche Oberfläche gibt. Bei Linux ist das nicht so. Es gibt als Oberfläche z.B. Gnome, KDE Plasma, Cinnamon, Mate, DDE, Pantheon Desktop, Xfce, Lxqt und noch viele weitere. Auch mir fällt es an der Stelle nicht leicht eine vollständige Liste abzugeben. Aber ab einem gewissen Punkt stütze ich mich auch auf gewisse Relevanzkriterien. Und selbst wenn man nur 3 oder 4 Desktops da eingrenzen würde, wäre das dennoch weitaus umfangreicher als bei den anderen beiden Betriebssystemen.

Also ja, Linux ist noch etwas komplizierter für Neueinsteiger. Man muss erstmal durch die Distros sich durchbeißen und dann unter Umständen durch die Desktop Oberflächen.

Linux benötigt das Terminal

Je nach Distribution stimmt das oder auch nicht. Einsteigerfreundliche Distributionen kommen auch ohne Terminalnutzung aus. Wer es nutzen will, kann dies tun, muss es aber nicht. So obliegt es letztlich Dir was Dir besser gefällt. Der Umgang mit dem Terminal erfordert etwas Einlernzeit aber ist, wie schon erwähnt, nicht zwingend nötig aber optional schon empfohlen. 

Linux ist nur etwas für Geeks

Das war auf alle Fälle mal so und bei Distros wie Arch oder Gentoo könnte man das möglicherweise auch heute noch so sehen. Aber bei den Mainstream Distros wie z.B. Ubuntu, Linux Mint, ZorinOS, elementary OS oder Manjaro ist das nicht zutreffend.

Linux bietet meine gewohnten Programme nicht

Das kann sein. Muss aber nicht zwingend sein. Es kommt darauf an, was Du verwendest. Microsoft Office gibt es nicht. Microsoft Teams oder Edge gibt es aber durchaus auch für Linux. Das sind nur spontane Beispiele. Es ist also nicht so, dass es unter Linux ausschließlich völlig neue Programme gibt. Natürlich gibt es auch Firefox, Chrome, Spotify, Zoom, Jitsi uvm auch für Linux.

Linux braucht kein Mensch

Das gilt vielleicht ehr für die, die mit solchen Pauschalisierungen hantieren. Sachlich ist das aber nicht dingfest zu machen.

Linux ist nicht besser als Windows oder macOS

Absolut nicht. Linux ist ein Betriebssystem wie macOS und Windows. Was für Dich die beste Wahl aus den Lösungen ist, musst Du für Dich ausmachen. Eine generelle Aussage lässt sich nicht machen, denn das wäre unseriös.

Linux ist uncool

Für die, die immer neue Features wollen und dann Debian Stable serviert bekommen, zweifelsohne. Aber dann dürften auch macOS und Windows relativ unspektakulär sein. Ist halt die Frage, was man mit dem Rechner machen möchte. Wer darauf angewiesen ist, wird eine LTS Distro verwenden. Ist bei Windows mit den Enterprise Builds ja auch ähnlich.

Bestimmt gibt es noch andere Vorbehalte, die hier nicht aufgeführt sind.

Linux ist quasi ein Betriebssystem wie jedes andere auch. Nur wenige nehmen diese Betriebssysteme als Instrument aus Ihrer Blase heraus der Irrelevanz zu entgehen. Mir sind diese Diskussionen ob eins davon das beste ist, mittlerweile zu blöd. Das macht keinen Sinn. Wichtig ist nur ob Dich das Betriebssystem weiterbringt, indem es den Betrieb für Deinen Rechner zu Deiner Zufriedenheit sicherstellt. Unter dem Gesichtspunkt heraus gehe ich an die Sache heran. Deshalb bekomme ich auch kein Blitzherpes oder dergleichen wenn jemand auf mich zukommt und noch Windows oder macOS einsetzt. Also von daher alles locker.

Konstatieren lässt sich, Linux ist nur ein Betriebssystem. Ob Du Linux gut oder schlecht findest oder wie ich das sehe, ist an der Stelle nicht von Relevanz. Das Linux Betriebssystem hat zweifelsohne seine Stärken aber auch Schwächen. Was aus Deiner Sichtweise Stärken sind, könnte für mich Schwächen sein und umgekehrt. Das ist nicht weiter schlimm. Schlimmer sind aber die Mythen, die, wie wir sahen, oftmals ohne Substanz daherkommen. Vielleicht ist es auch nur Unterhaltung für die, die wenig Ahnung haben. Wer weiß schon von solchen Dingen.

Für mich geht es an der Stelle um Wissen und Informationen. Ich entzerre das lediglich. Was Du aus den Informationen machst, welche Schlüsse Du daraus zeihst, das steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber dann kannst Du allerdings auch nicht mehr sagen: Das hatte ich gar nicht gewusst. Ich bin nicht dazu da Dir zu sagen, was Du wie interpretieren sollst. Du solltest aber in einer ruhigen Minute mal hinterfragen und prüfen, ob Dein bisheriges Szenario wirklich das Beste für Dich ist.

Lass es mich gerne wissen wie Du das siehst. Wenn Du auf YouTube den Podcast hörst, schreibe einfach einen Kommentar. Das geht auch auf meinem Blog. Bevor ich gehe, bedanke ich mich ganz herzlich bei meinen Zuhörern für die freundliche Aufmerksamkeit und insbesondere bei denen, die mein Projekt unterstützen.

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Ein Kommentar

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  1. Ich bin vor 2 Jahren von Ubuntu auf macOS gewechselt und habe seither nicht einmal zurückgeschaut. Von daher fehlt der Mythos ob macOS nicht das bessere unixoide Betriebssystem ist 😉