Microsoft oder Apple? Wer macht mehr für FOSS & Linux? (Linux Podcast)


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Open Source Software steht heutzutage in einer weitaus besseren Wahrnehmung dar als noch vor 10 Jahren. Seinerzeit noch als unprofessionelle Hobbysoftware von Geeks und Nerds für Geeks und Nerds verspottet, wird heute ein Großteil aller relevanter Infrastruktur mit Open Source Komponenten betrieben. Das GNU/Linux Betriebssystem sei hier beispielshaft als Flaggschiff des Siegeszugs quelloffener Software erwähnt. Doch Linux ist ein Teil der FOSS Familie aber FOSS ist nicht gleich Linux. Genau wie jeder Dackel ein Hund ist aber nicht Nichten jeder Hund ein Dackel. So stellt Linux sicher einen großes Kuchenstück dar, aber es gibt noch viel mehr FOSS Projekte, die nicht weniger wichtiger oder relevant sind.

Doch falls Du Dich jetzt fragst, was FOSS überhaupt sein soll, hier ein kleiner Exkurs. FOSS ist eine Abkürzung aus dem englischen Sprachumfeld und steht ausgesprochen für Free and Open Source Software. Also freie und quelloffene Software. Das umfasst alle Software, deren Quellcode frei einsehbar ist und die durch speziell hierfür verfügbare Lizenzen auch weiterverarbeitet und wiederverwendet werden darf. Jeder kann auch mitmachen, sei es als Entwickler, Grafiker, Designer, Administrator oder sei es als Aushängeschild für die Projekte auf z.B. Veranstaltungen oder Messen. FOSS ist also ein Sammelbegriff für den Gesamtbestand freier und quelloffener Software.

Wer steht hinter den FOSS Projekten?

Das ist sehr unterschiedlich. Einerseits sind freiwillige Entwickler an Bord aber auch professionelle Entwickler, die in Vollzeit mitarbeiten. Manche Firmen stellen Mitarbeiter dafür ab oder frei. Andere Firmen stellen Mitarbeiter genau für diesen Zweck der Beschäftigung ein. Aber es ist auch nicht ein entweder oder also nicht entweder nur Privatentwickler oder Vollzeitentwickler. In vielen Projekten geht die Zusammenarbeit Hand in Hand weltweit. Die Entwicklung von Open Source Software kann aber muss nicht nach dem „Follow the Sun“ Prinzip erfolgen. FOSS Projekte werden teilweise von gemeinnützigen Organisationen betreut und verwaltet. Hier seien z.B. die Mozilla Foundation, die Firefox betreut oder die Signal Foundation, die den gleichnamigen, beliebten Signal Messenger entwickelt, genannt.

Es gibt allerdings auch Firmen, die z.B. die Linux Plattform mit nicht quelloffener Software unterstützen. Auch das ist ein Beitrag zu Linux, denn mit der Verfügbarkeit von gewisser Exklusivsoftware steigen auch die Attraktivität, die Machbarkeit und Praxistauglichkeit der Linux Plattform im Allgemeinen. Ein Beispiel hierfür ist die Verfügbarkeit von Microsoft Edge Browser für Linux zu erwähnen. Für viele Privatnutzer ein Ding der Unvorstellbarkeit sich einen Microsoft Browser auf dem Linuxsystem zu installieren. Verständlich, immerhin war die Beziehung von Microsoft und der FOSS Gemeinschaft in der Vergangenheit nicht immer von Harmonie getragen. Der damalige CEO von Microsoft, Steve Ballmer bezeichnete Linux seinerzeit sogar als Krebsgeschwür. Doch wie wir wissen, nicht jede Kerze auf der Torte brennt gleich hell. So folgt der derzeitige Microsoft CEO Stya Nadella einer vernünftigeren und weitreichender Sichtweise. Denn heute heißt das Credo „Microsoft loves Linux“. Und dass das nicht nur leere Lippenbekenntnisse sind, ist sichtbar. So stellt der Edge Browser vor allem im Business- und Enterprise Umfeld oftmals ein Eintrittsticket in die Microsoft Welt dar. Hier ist Microsoft mit Office 365, seinen Kollaborationslösungen wie SharePoint oder Teams nach wie vor unangefochtener Branchenprimus. Dank Edge für Linux können auch Linux Nutzer an dieser Welt teilnehmen, da Edge hierfür entsprechende Werkzeuge bietet. Wir erkennen bereits, dass das Engagement von Microsoft für FOSS und Linux im Allgemeinen sichtbar, wenn auch gleich der praktische Nutzen nicht vollumfänglich ist.

Doch was treibt eigentlich Apple im Hinblick auf FOSS? Immerhin ist Apple ebenfalls ein großer Softwarehersteller z.B. mit den iOS, iPadOS oder macOS Betriebssystemen. Auch Apple ist nicht gänzlich untätig, wenn auch gleich die Sichtbarkeit und die daraus resultierende Wahrnehmung sich anders gestaltet.

Apple ist nicht gänzlich unbetreut mit FOSS, wenn auch gleich eben genannte Betriebssysteme proprietäre Software darstellen. An anderer Stelle wie z.B. bei der Programmiersprache Swift oder die Rendering Engine von Safari, WebKit sind durchaus größere und bekannte Produkte, die Open Source sind. Die Beteiligung von Apple scheint subtiler auszufallen als die von Microsoft.

Welches Engagement hat Microsoft im FOSS Umfeld?

Microsoft loves Linux. Dieses Credo verkündet bereits, dass Microsoft mit Linux ein großes FOSS-Kuchenstück im Blickfeld hat. Open Source Software wird von Microsoft heute als wichtiges Element und bedeutender Innovationstreiber für die IT angesehen. Die Microsoft Cloud-Plattform Microsoft Azure wird weitreichend im Hinblick auf die Workloads von Open Source gestützt. Alle Produktentwicklungen innerhalb von Azure unterstützen Linux und Windows gleichermaßen. Durch die Übernahme von GitHub möchte Microsoft sein Vertrauen in die Entwicklung von Open Source Softwareprojekten attestieren, indem die Plattform dafür übernommen wurde. Microsoft selbst betreibt eine Übersicht an Features Projects, wie es so schön heißt. Darunter u.a. Azure SDKs, Visual Studio Code, TrueScript, Windows Terminal, PowerShell oder .NET.

Welches Engagement hat Apple im FOSS Umfeld?

Wie schon kurz angerissen, Swift und WebKit sind Apples Vorzeigeprojekte, entstammen sie doch der eigenen Feder. Die bekannten Betriebssysteme von Apple sind dank dem sogenannten Darwin Unterbau ebenfalls zu Teilen als quelloffene Software aufgestellt. Heißt ein Teil des Fundaments von z.B. macOS, iOS und iPadOS ist ebenfalls als FOSS veröffentlicht. Doch eben nicht alle Komponenten sind frei. Was nicht im Rahmen des Darwin Unterbaus freigegeben ist, bleibt vollständig unter Apples Kontrolle. Apple unterhält aber nicht nur FOSS Projekte, sondern unterstützt auch durch Mitarbeit andere Projekte wie z.B. Kubernetes, die Datenbank Apache Cassandra, die Compiler-Architektur LLVM/Clang, Apache Spark, Netty und Apache Solr.

Verhältnismäßigkeit investieren in FOSS und profitiere von FOSS

Die Verhältnismäßigkeit zwischen Geben und Nehmen ist schwer zu ermitteln, ohne den kompletten Quellcode inkl. aller Zusatzkomponenten analysiert zu haben. Fakt ist die proprietären Betriebssysteme Windows und macOS sind nicht frei von Open Source Software. So nutzt macOS z.B. den XNU-Kernel aber auch Webkit, die Datenbank FoundationDB, sowie Apache, OpenLDAP, OpenSSH, OpenSSL oder CUPS. Für Windows hingegen wären u.a. die plattformübergreifende Entwicklungsumgebung. NET, den Edge Browser, der auf der quelloffenen Renderengine von Chromium aufbaut oder Powershell zu nennen.

Ob die beiden Unternehmen nun mehr von anderen FOSS Projekten in ihre Betriebssysteme aufnehmen als sie inform von Patches und dergleichen zurückgeben, kann von außen nicht qualifiziert bewertet werden. Dies hängt vielleicht auf vom Einzelfall ab. Beispielshaft könnte es sein, dass das Entwicklerteam von Powershell oder Visual Studio mehr gibt als nimmt als z.B. das Windows Kernel Team. Eine gesicherte Information ist dies nicht, sondern nur eine Annahme. Beantworten könnten das nur Microsoft und Apple.

Hand aufs Herz, derzeit macht es den Anschein, als sei Microsoft mehr bei der Stange als Apple, was das Zurückgeben zu FOSS im Allgemeinen angeht. Apple ist weiterhin bestrebt seine lukrative Produktpalette weiterhin als möglichst geschlossenes Ökosystem zu halten. So gibt es z.B. iTunes weiterhin nur für Windows, nicht für Linux. Unter macOS längst aufgelöst und die Funktionen auf verschiedene andere Apps wie Finder oder Musik aufgeteilt, dümpelt iTunes auf Windows-Basis weiterhin hinterher. Für Linux scheint Apple hier nichts übrig zu haben. So kann man sein iPhone oder iPad auch weiterhin nicht mit Linux sichern oder synchronisieren. Safari gibt es ebenfalls nicht für Linux. Apples ehem. iWork Office Suite ist exklusiv für macOS und iOS/iPadOS verfügbar. Final Cut Pro nur für macOS, Motion nur für macOS. Das sind nur einige Beispiele. Apple Musik Client für Linux? Fehlanzeige. Während Apple selektiv FOSS Projekte unterstützt, wird Linux von Apple links liegengelassen.

Microsoft schlug hier vor einiger Zeit einen deutlich abweichenden und Linux freundlicheren Kurs ein. Natürlich gibt es nicht alle Microsoft Apps für Linux. Auch wurde mit dem Ende von Teams für Linux scheinbar eine Kehrtwende vollzogen, doch wie wir wissen, mag der Anschein bislang durchaus trügerisch sein. Denn statt Teams für Linux auszuschließen, wurde die Teams PWA (das steht für progressive Web App) vorgestellt. Über den Microsoft Edge Browser kann somit Teams als nahezu native App benutzt werden und das mit einem besseren Funktionsumfang als die bisherige Teams App. Fairerweise muss man aber auch erwähnen, dass die Teams PWA auch für Google Chrome unterstützt wird, also nicht Edge exklusiv. Aber Microsoft unterstützt nicht nur verschiedene FOSS Projekte, sondern tut auch merklich etwas für Linux. Denn Linux als Desktop Lösung erhält somit erstmalig die Möglichkeit vollumfänglich in den Microsoft Cloud Kosmos einzusteigen. Bei Unternehmen ist die Microsoft 365 Lösung oftmals der Standard. Dank Edge für Linux wird nicht nur Teams unterstützt, sondern auch das Cloud Office von Microsoft und somit auch die Kollaborationsmöglichkeit auf Basis der Microsoft Cloudumgebung. Office Dokumente können nun auch mit Linux Nutzern geteilt und von ihnen über das Onlineoffice in Echtzeit zusammen bearbeitet werden. Vielleicht für Privatanwender mit LibreOffice uninteressant aber für Firmen mit Linux Desktop durchaus ein Game-Changer.

So kommen wir am Ende dieser Podcast Folge zu der Frage, ob Microsoft nicht vielleicht mehr Respekt für seine Unterstützung für FOSS und Linux verdient als Apple. Wir wollen nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, dennoch überragt das Engagement von Microsoft das von Apple für mich als Linux Nutzer deutlich. Der Beitrag von Apple zu verschiedenen FOSS Projekten ist löblich und gut. Doch Microsoft hat Linux weit mehr im Fokus als Apple und hier besteht für Apple z.B. mit dem fehlenden iTunes oder Apple Musik für Linux noch deutlich Luft nach oben. Aber gut, Android Hersteller freuen sich wenn Linux Nutzer ihre Geräte kaufen und Spotify ebenfalls über Abonnenten mit Linux Betriebssystem, denn da gibt’s dann halt auch den passenden Desktop Client für Linux. Es gibt für alles eine Alternative und wie wir eben sahen, oftmals ist damit nicht mal ein Abstrich einhergehend.

Festzuhalten bleibt, weder Apple noch Microsoft sind Open Source Unternehmen. Auch haben beide Firmen nur noch teilweise sich überschneidende Geschäftsfelder mehr. Ja wir sind nicht mehr in den 80ern. Der Beitrag von Microsoft im FOSS Umfeld und Linux ist auch nicht aus Warmherzigkeit, sondern um die eigene Produktpalette zu stärken. Das ist für ein Unternehmen nichts Unübliches. Die Linux Plattform partizipiert mit der Verfügbarkeit von Microsoft Edge lediglich von Microsofts Wertschöpfungskette. Es ist somit für Linux Nutzer möglich Edge z.B. im Schul- oder Firmenumfeld zu installieren und zu nutzen. Für Privatanwender sieht es mit der Notwendigkeit hierfür gleich anders aus. Es gibt verschiedene Alternativen, die auf die Ansprüche datenschutzsensibler Nutzer besser zugeschnitten sind. Mozilla Firefox, LibreWolf oder UngoogledChromium dürften hier ehr die Wahl sein. 

Tut Microsoft mehr für FOSS und Linux als Apple und verdient damit mehr Respekt oder seht ihr das generell als Gefahr? Lasst es mich gerne wissen, wie Ihr das seht.

Das war die heutige Podcast Folge. Wenn Du über iTunes zuhörst, freue ich mich über eine 5 Sterne Bewertung. Vielen Dank für die freundliche Aufmerksamkeit und bis zur nächsten Ausgabe. Ciao.

Der Podcast ist abrufbar auf allen gängigen Podcast Plattformen, u.a. auf:

Viel Spaß

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