Sabayon Linux 19.0.3 – Kaltstart oder nutzerfreundlicher Einstieg ins Gentoo Universum?

Sabayon Linux ist keine Nachspeise, sondern eine auf Gentoo Linux basierende Linux Distribution, die federnführend aus Italien kommt. Besonderer Wert wird bei Sabayon auf eine sehr gute Hardwareerkennung gelegt, ebenso wie auf grafische Effekte. Alles soll direkt startklar sein. Klingt verheißungsvoll. Ob diese Versprechen auch gehalten werden, schauen wir uns an. Viel Spaß.

Über die Distribution

Sabayon wird manchmal auch als die Einstiegsdistribution in die Gentoo-Welt bezeichnet, da es ja direkt auf Gentoo aufsetzt. Meine ersten Berührungspunkte mit Sabayon hatte ich so zwischen 2005 und 2006, also schon eine verdammt lange Zeit her. Damals setze die Distro noch voll auf KDE. Heute werden auch Gnome, LXQt, MATE und Xfce unterstützt.

Das System ist rollend. Wir installieren also nicht wie bei Debian oder Ubuntu in gewissen Abständen neure Paketstände, sondern tagtäglich kommen neuere Pakete reingeflattert.

Sabayon hat seine Zielgruppe in diesen Spektren:

  • Heimanwender
  • Server
  • Zocker
  • Produktivität
  • Multimedia

Die Vorzüge von Sabayon stellt das Projkt wie folgt vor:

  • Rollendes Linux
  • Entropy Paket Manager
  • Neueste Pakete und Sicherheitsaktualisierungen
  • Wahlmöglichkeiten
  • Gentoo-Basis

Gentoo Anwender dürfte das kaum beeindrucken. Wer bislang noch keine Berührungspuntke mit Gentoo hatte, könnte jetzt aber schon etwas neugierig werden oder?

Download

Ausgangspunkt ist die Projektseite von Sabayon. Hier klicken wir oben auf Download und dann entweder auf Desktop oder unten auf Daily builds. Was genau es damit auf sich hat, darauf kommen wir noch zurück.

Installation

Direkt nach dem Start könnt Ihr zunächst wählen ob Ihr gleich installieren oder zunächst den Live-Modus starten möchtet. Ich habe erstmal den Live-Modus gestartet um einen ersten Eindruck gewinnen zu können. Hier klicken wir im Falle, daß wir noch installieren möchte auf Install Sabayon. Es öffnet sich Calamares. Die einzelnen Schritte der Installation schauen wie folgt aus: Im ersten Schritt wählen wir die Sprache aus, gefolgt von der Zeitzone, in der wir uns befinden. Danach können wir unsere Tastaturbelegung konfigurieren. Hier habe ich nichts gesondert gewählt. Bei der Partitionierung habe ich lediglich Festplatte löschen gewählt und weitergemacht. Der nächste Schritt bittet Euch einen Benutzer anzulegen. Ich habe unten noch den Haken bei Automatisches Einloggen gesetzt aber das ist nur eine VM. In einer echten Installation würde ich das nur bei aktivierter Festplattenverschlüsselung so setzen. Es kommt die letzte Zusammenfassung, die wir mit Installieren quittieren, wenn alles paßt. Die nun eingeblendeten Bilder stellen Sabayon und seine Vorzüge weiter vor. Das ist individuell erstellt und kann man sich gerne mal anschauen. Ist der Installer fertig, kommt „Alles erledigt“. Habt Ihr den Haken bei „Jetzt Neustarten“ gesetzt, klickt Ihr auf „Erledigt“ und in wenigen Augenblicken startet Euer System.

Nach der Installation öffnet sich der Begrüßungsbildschirm erneut. Dieser ist Wegweiser zu den wichtigsten Anlaufstellen wie Community Repositories, Paketlisten und die ersten Schritte. Weiter werden die üblichen Quellen für Support geführt wie z.B. Wiki, Forum oder IRC Chat. Ferner verweist man auf die Githubseite für Dinge wie z.B. Fehler zu melden. Als letzten Punkt können wir erfahren wohin wir Geld spenden möchten.

Bauchgefühl: Die Installation und das Einspielen aller verfügbaren Aktualisierungen brauchten gefühlt eine Ewigkeit. Oder anders ausgedrückt, dauerte es gefühlt länger als bei anderen Distros.

Eckdaten: Auslastung Plattenplatz

Nach der Basisinstallation krallte sich Sabayon direkt 8,6GB. Bei der vorausgegangenen Installation mit MATE Desktop waren es 6,1GB.

Eckdaten: Arbeitsspeicherverbrauch RAM

Der initiale Benchmark lag bei meiner Installation bei 609 MB RAM Verbrauch.

Desktop

Sabayon 19.0.3 liefert derzeit Gnome Shell 3.34.5 aus.

Die Anpassungen am Gnome Desktop sind marginal von kosmetischer Natur. Der Desktop kommt, wie von Gnome bekannt, mit einer Leiste oben. Ein Dock links oder unten wird nicht geliefert. Entsprechend kommt das puristische Bedienkonzept von Gnome mit. Oben Links findet sich eine gewisse Änderungen zu normalen Gnome. Wir haben hier Aktivitäten, was zunächst Gnome 3 Standard ist. Doch danach kommt das Anwendungsmenü, was ein Relikt von Gnome 2 ist. Orte, also Places wurde nicht aktiviert, sonst wäre es deutlicher an Gnome 2 angelehnt. Was optisch noch auffällt, die Schrift wurde verändert.

Bei den Themen wird Arc für die Anwendungen und Numix-Circle für die Symbole ausgeliefert. Keine schlechte Wahl aber im Jahr 2020 auch keine große Überraschung mehr. Die Kombination ist jedenfalls dahingehend konsistent getroffen, als daß beide Themen gut miteinander harmonieren. Darüber hinaus werden jedoch keine anderen Themen ausgeliefert als die Gnome Standardkost.

Der Desktop wird dem Anspruch, direkt nach Installation startklar zu sein, gerecht. Zwar gibt es Distributionen, die Gnome etwas mehr aufhübschen meiner Meinung nach aber das ist an der Stelle jetzt nichts Dramatisches.

Die mitgelieferten Hintergrundbilder sind an sich nicht schlecht aber locken keine Katze hinter dem Ofen vor. Ich wollte es nur mal kurz gezeigt haben, da es überschaubar ist und jetzt vermutlich auch niemand deswegen auf diese Distro wechselt.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.4.0-sabayon
  • Browser: Firefox 78.0.2
  • E-Mail Client: Evolution 3.34.4
  • Office: LibreOffice 6.4.4.2 40
  • Software-Container: Flatpak oder Snap sind beide nicht vorinstalliert

Allgemein vorinstallierte Software:

Die vorinstallierte Auswahl an Software ist vorbildlich. Es ist mehr an eine minimale Installation erinnernd. So haben wir z.B. mit einer MATE Installation nicht mal einen E-Mail Client dabei. Hier hätte ich mir gewünscht lieber einen E-Mail Client reinzupacken statt Hexchat und Transmission aber gut. Installiert Ihr wie hier Gnome Desktop, wird Euch Evolution als E-Mail Client mitinstalliert. Die restliche Auswahl ist minimal und es gibt in meinen Augen nicht viel zu meckern.

Besonderheiten

Ich habe Sabayon zweimal installiert. Einmal die normale ISO Datei mit MATE. Direkt nach der Installation wollte das System knapp 1000 Aktualisierungen reinfahren. Leider lief das nicht rund, weshalb das System mit Fehlern abbrach und danach auch nicht mehr grafisch starten wollte. Zwar konnte ich mich noch via Terminal anmelden und ein startx absetzen, doch das Ergebnis war alles andere als brauchbar.

Daher habe ich nochmal einen Anlauf gemacht mit einem Daily Build und Gnome.

Wie eingehend schon erwähnt, versucht Sabayon direkt nach Start ein fertiges und brauchbares Anwendererlebnis sicherzustellen. Entsprechend werden auch direkt nicht quelloffene Treiber mit ausgeliefert.

Sabayon Linux ist seit 2006 aktiv uns kann entsprechend Durchhaltevermögen attestieren.

Die Projektseite von Sabayon macht jedenfalls einen seriösen und modernen Eindruck. Das primäre Entwicklerteam schein aus neun Leuten zu bestehen.

Auch wenn der letzte Eintrag im Blog von Sabayon aus dem Januar 2018 ist, scheint das Projekt nicht eingeschlafen zu sein. Besser der Blog ist nicht so frequentiert, dafür aber der Paketbau-Betrieb bei Aktualisierungen als umgekehrt. Was jedoch etwas sauer aufstößt, Firefox schein im Repository veraltet zu sein.

Fazit

Sabayon ist eine einsteigerfreundliche Linux Distribution, das steht nicht zur Diskussion. Wer sich also die Installation bei Gentoo erstmal sparen und mehr oder minder unverbindlich reinschnuppern möchte in die Gentoo Welt, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Mir ist kein direkter Mitbewerber aus dem Gentoo Lager bekannt, der so weitreichende Wurzeln wie Sabayon hat. An der Stelle ein Kompliment.

Ihr dürft eine moderne Distribution erwarten, die mit aktueller Software stets am Leben gehalten wird. Upgrades in gewissen Intervallen gibt es hier nicht. Der Umgang mit proprietären Paketen darf Euch nicht stören, denn Sabayon macht in den Repos hier keine Unterschiede. Man liefert die Software und Treiber, die nötig sind um das beste Nutzererlebnis zu bieten. Ihr bekommt stets das Neueste vom Neuen. Kleinere Fehler können sich damit also einschleichen, da das Projekt nicht die Zeit hat alle Pakete möglichst optimal aufeinander abzustimmen um Fehler und im schlimmsten Fall Situationen mit Datenverlust zu minimieren. Das ist auch der Grund wieso ich nicht primär auf rollende Linux Distributionen setze.

Ich bin froh, daß diese auch etwas kleinere Distribution auch heute noch existiert. Als kleines Alleinstellungsmerkmal von Sabayon darf man die Gentoo-Basis durchaus erwähnen.

Nutzt von Euch jemand Sabayon? Wenn ja, lass uns doch mal Deine Erfahrungen in den Kommentaren da. Oder setzt jemand Gentoo noch ein? Falls ja, bitte auch mal melden und Eindrücke schildern. Herzlichen Dank.

Also gut wir sind dann durch. Ich hoffe Dir hat Sabayon Linux so gut wie mir gefallen. Wenn dem so ist, kannst Du meinen Kanal gerne abonnieren. Dann bekommst Du direkt Nachricht, wenn es hier Nachschub gibt und es unterstützt meinen Kanal mehr als Du vielleicht denkst. Den Bücherwürmern unter Euch möchte ich gerne noch meinen Blog michlfranken.de empfehlen. Dort publiziere ich immer einen Artikel zu jedem Video und noch vieles mehr.

Macht es gut. Paßt in leider weiterhin anhaltenden Corona-Zeiten gut auf Euch auf und bleibt gesund! Bis bald! Servus

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