Ist Linux per se nachhaltig oder kommt es darauf an, was wir daraus machen? MFTP32


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Linux ist nachhaltig. Das dürften die meisten irgendwie so sehen. Doch stimmt das eigentlich? Was genau macht Linux denn so vermeintlich nachhaltig? Genau darüber sprechen wir in dieser Podcast Folge.

Zunächst ist GNU/Linux, vereinfacht ausgedrückt, ein Betriebssystem wie Windows und macOS auch. Doch anders als die proprietären Betriebssysteme ist Linux einerseits frei und andererseits entstammt es keinem Hersteller. Natürlich gibt es Hersteller, die eine eigene Linux Distribution veröffentlichen. Vielleicht wird Dir hier Ubuntu einfallen oder auch Suse oder Red Hat. Das sind alles Firmen, die eine Linux Distribution veröffentlichen, aber nicht Linux. Das eine Linux gibt es nicht.

So kommt Linux nicht von einer Firma, die damit Geld machen möchte. Wobei zugegebenermaßen Microsoft und Apple ihre hauseigenen Betriebssysteme Windows und macOS auch längst nicht mehr als gewinnbringendes Produkt sehen, sondern dieses in eine Wertschöpfungskette einbanden. Doch ungeachtet dessen, ist Linux frei. Die meisten Linux Distributionen werden von freiwilligen Entwicklern herausgegeben und betreut. Viele machen das in Ihrer knappen Freizeit.

Somit verfolgt Linux zuerst keine monetären Absichten, wenn auch gleich die Entwickler oftmals um Spenden bitten, damit die Ausgaben vielleicht gedeckt werden können. Und bevor der eine oder andere von Euch jetzt sagt, dass es auch kostenpflichtige Distros wie z.B. die Pro Version von ZorinOS gibt, dann ja die gibt es aber sie sind an einer Hand zählbar. Es gibt hier immer auch eine kostenfreie Alternative dieser Distros. Also man hat die Wahl, ob man es kauft oder kostenlos nutzt. Niemand wird zu etwas gezwungen. Linux ist somit frei. Apropos frei. Bei Windows und macOS ist das Betriebssystem nicht frei. Man muss eine Nutzungslizenz erwerben. Bei Windows wird dies meist über einen vorinstallierten Computer gelöst. Bei macOS ist es mit den Macintosh Computern genauso. Unterschied ist aber, dass es macOS nur auf Apple Hardware gibt, während Windows auf den Rechnern aller PC-Hersteller wie z.B. HP, Acer oder Lenovo läuft.

Doch eine weitere Gemeinsamkeit haben Windows und macOS noch. Jede Version des Betriebssystems wird nur eine bestimmte Zeit unterstützt. Bei Mac Computern sind das in etwa 10 Jahre. Bei PCs ist dies gekoppelt daran, wie lange Microsoft die jeweilige Windows Verison pflegt. Konkretes Beispiel ist die TPM 2 Hardwareanforderung von Windows 11. Hast Du jetzt einen PC mit Windows 10 und dieser PC hat kein TPM2 Chip, dann kannst Du nicht auf Windows 11 wechseln und mit dem Supportende von Windows 10 im Jahre 2025 endet dann die vernünftige Nutzungszeit des PCs. Du wirst also bis zu einem gewissen Punkt zuverlässig versorgt und darüber hinaus stehst Du alleine da.

Bleiben wir bei Windows 11 bzw. Windows 10. Hast Du einen PC ohne TPM 2 Modul, dann musst Du Dir nach dem Supportende 2025 eine Lösung einfallen lassen, denn dann gibt es keine Sicherheitsaktualisierungen mehr für Dein Windows System. Möchtest Du bei Windows bleiben, steht dann ein neuer PC an. Stichwort Altgeräte, Elektroschrott usw.

Was kann Linux hier besser machen?

Da Linux keine monetären Absichten verfolgt, folgt man hier einem anderen Paradigma. Es kümmert niemanden ob eine 32-bit Architektur durch eine spezielle Linux Distribution weiter unterstützt wird. Es stört auch niemanden, wenn Rechner ohne TPM 2 Schnittstelle nach 2025 noch mit zahlreichen Linux Distributionen unterstützt wird. Jeder 64-bit Rechner kann nach dem Windows 10 Supportende noch mit einer der zahlreichen, populären Linux Distributionen weiterbetrieben werden. Linux kennt für gewöhnlich kaum Supportzeiten. Linux kennt keine Aktionäre. Linux kennt keine Quartalszahlen und Gewinnprognosen. Wenn ein Bedarf sich abzeichnet, kann Linux diesen einfach lösen.

Gibt es noch eine unterstützte 32-bit Windows Version? Mhhh nein. Gibt es noch eine unterstütze 32-bit macOS bzw. OS X Version? Mhhh nein. Warum? Weil daran auch Hardware hängt. Also Umsatz der Hardwaresparte bei Apple oder bei den Hardwarepartnern von Microsoft. Alle verfolgen gewinnbringende Firmenpolitik. Jeder möchte Umsatz und Gewinn machen. Aus dem Grund gibt es höchstwahrscheinlich feste Zeiträume für die Produktpflege. Gut, 10 Jahre bei Apple sind für einen Computer eine lange Zeit. Aber nach 10 Jahren sind ältere Macs nicht zwangsläufig schlecht wenn sie noch laufen. Doch bevor wir den Faden verlieren. Gibt es noch 32-bit Linux Distros? Oh ja, die gibt es. Es gibt noch einige Linux Distributionen, die 32-bit Versionen anbieten. Den längsten Support bekommt Ihr noch mit Ubuntu 18.04 LTS. Hier läuft die LTS Zeit noch bis 2023 und danach kann man noch weitere 5 Jahre ESM Support kaufen und somit bis 2028 Aktualisierungen bekommen für den Rechner. Ob ältere 32-bit Kisten noch so lange laufen? Und möglicherweise gibt es nach 2028 sogar noch die eine oder andere Distro, die noch irgendwie weitermacht. Aber mit Ubuntu 18.04 LTS erhält man den längsten und planbaren Support für 32-bit Architektur.

Hast Du jetzt einen relativ aktuellen 64-bit Rechner, der kein TPM 2 Modul hat, kannst Du nach aktuellem Stand noch rund 10 Jahre mit Support rechnen. Wie das geht, fragst Du Dich? Ubuntu 22.04 LTS erhält fünf Jahre LTS und dann weitere fünf Jahre ESM Support also Pflege bis 2032. Wenn das nicht weit vorausschauend ist, weiß ich es auch nicht. Und ich kann mir vorstellen, dass es auch darüber hinaus noch Linux Distros gibt, die diese 64-bit Architektur unterstützen werden.

Also fragen wir uns jetzt, welches der drei Betriebssysteme ist nun das, was das Prädikat nachhaltig am ehesten für sich beanspruchen kann? Die Antwort ist ganz klar. Linux. Linux befeuert heute z.B.   in Entwicklungsländern so viele Rechner, die nach dem Windows XP und Windows 7 Support Ende noch sicher betrieben werden können. All die Kisten müssen nicht als Alteisen zum Schrottplatz. Die Rechner können noch einem guten Zweck dienen und belasten die Umwelt nicht unnötig vorzeitig. Und auch ältere Macs ohne macOS Support können heute dank Linux noch als z.B. Heimserver zuverlässige Dienste erweisen. Egal ob PC oder Mac. Wenn die Hersteller den Support beenden, ist Linux zur Stelle und kann Dir weiterhin einen sicheren Computer anbieten. Das ganze geht natürlich sehr zu Lasten von Firmen wie z.B.  Microsoft, Apple, Acer, Lenovo und HP doch im Umkehrschluss profitiert Mutter Natur davon. Jetzt kannst Du für Dich abwägen, was besser ist.

Also können wir mit älteren bzw. gebrauchten Rechnern noch viel Sinnvolles anstellen. Wir können, sofern wir sie ersetzen, gebraucht weiterverkaufen, sodass sie jemand anders noch treue Dienste leisten. Auch hier sind Möglichkeiten gegeben. All das ist besser als Neukauf und die alten auf den Schrottplatz zu bringen.

Also abschließend können wir festhalten: Linux ist von den drei großen Betriebssystemen die Nummer 1, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Auch quasi uralt Rechner können dank Linux noch sicher gehalten werden und einen sinnvollen Zweck erfüllen. Hier kann Linux mit Abstand am hellsten glänzen. Natürlich können wir nicht so tun, als müsste nur die ganze Welt auf Linux umsteigen und schon wären alle Probleme gelöst. Das nicht. Aber wenn wir unsere Denkweise im Umgang mit Ressourcen prüfen und daraus abgeleitet unser persönliches Handeln entsprechend anpassen, dann ist der Sache durchaus gedient. Und wir müssen etwas ändern, denn ein weiter so wie bisher wird nicht klappen. Wir können unseren Planeten und seine Ressourcen nicht weiter selbstsüchtig ausbeuten und ruinieren. Wir müssen jetzt etwas ändern und eine längere Nutzungsdauer von Computern ist in der heutigen Zeit ein großer Schritt in die richtige Richtung.

Lasst es mich gerne wissen, wie Ihr das seht. Wenn Du auf YouTube den Podcast hörst, schreibe einfach einen Kommentar. Das geht auch auf meinem Blog. Bevor ich gehe, bedanke ich mich ganz herzlich bei meinen Zuhörern für die freundliche Aufmerksamkeit und insbesondere bei denen, die mein Projekt unterstützen.

Das war die heutige MFTP Ausgabe. Wenn Du über iTunes den Podcast hörst, freue ich mich über eine 5 Sterne Bewertung. Vielen Dank für die freundliche Aufmerksamkeit und bis zur nächsten Ausgabe. Ciao.

Der Podcast ist abrufbar auf allen gängigen Podcast Plattformen, u.a. auf:

Viel Spaß

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3 Kommentare

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  1. Da bin ich voll und ganz Ihrer Meinung. Ich habe ja selber noch ein altes Notebook vom 2008, wo ich dann Debian 11 draufgeschmissen habe. Der läuft dann bei mir im Netzwerk als Minecraft Server. 😉

  2. Linux ist schon toll. Mit Q4OS 32bit läuft selbst ein 18 Jahre alter Labtop (HP Pavilion zd8000) bis aufs WLAN (Modul wird erkannt, muss nur eingerichtet werden=umständlich) problemlos.

    ->Q4OS 4.8 Gemini, stable 05 April, 2022 32bit

    https://q4os.org/blog.html#news220405

    ———————-
    uwe@q4os-desktop:~$ inxi -S

    System:
    Host: q4os-desktop Kernel: 5.10.0-14-686-pae i686 bits: 32
    Desktop: Trinity R14.0.11 Distro: Q4OS 4.8.1-n2

    uwe@q4os-desktop:~$ inxi
    CPU: Single Core Intel Pentium 4 (-MT-) speed: 2992 MHz
    Kernel: 5.10.0-14-686-pae i686 Up: 1h 36m Mem: 940.1/2012.2 MiB (46.7%)
    Storage: 74.53 GiB (8.2% used) Procs: 160 Shell: Bash inxi: 3.3.01
    uwe@q4os-desktop:~$

    Selbst youtube (normaler Fenstermodus) ist damit machbar!
    cpu auslastung 96% Ramverbrauch ca 1gb

    …ich mag solche Basteleien!

  3. Danke für den Podcast! Ergänzend wäre noch zu sagen, dass auch die ganze Peripherie beim Kauf eines neuen Win-PC’s häufig getauscht werden muss. Die Treiber für alte Drucker fliegen einfach raus. Bei Linux kannst du jeden noch so alten Drucker betreiben.