Hat sich das Linux Mint Projekt an Mozilla und Google verkauft? MFTP34 (Linux Podcast)


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Ihr erinnert Euch vielleicht noch an die Meldungen Anfang 2022, als eine Übereinkunft zwischen Mozilla und Linux Mint verkündet wurde. Inhalt waren Änderungen, wie Firefox seither bei Linux Mint verteilt wird. Bislang bauten die Linux Mint Entwickler selbst ein Firefox Paket im Debian Paketformat, passten dieses jedoch im geringen Umfang an. Zu diesen Anpassungen zählte eine fixe Startseite, Suche über Linux Mint Partner Yahoo oder DuckDuckGo. Dies änderte sich. Die Startseite wurde Mozilla Standard, die Standardsuchmaschine Google, Patches und Codeanpassungen seitens Debian oder Linux Mint wird es nicht mehr geben und die gesamte Konfiguration von Firefox ist Mozilla Standard.

Das könnte schon danach klingen, als hätte man sich von Mozilla und Google in gewisser Weise kaufen lassen.

Doch das ist nur eine Seite der Münze. Die andere Seite liegt in einer externen Entscheidung begründet. Nämlich bei Canonical als man entschied Firefox in das hauseigene Snap Format zu transformieren. Hintergrund dieser Operation war ein Ansinnen von Mozilla die Verteilung neuer Firefox Versionen zu vereinfachen und somit zu beschleunigen. Denn dann müsste für alle unterstützen Ubuntu Versionen nur ein Snap Paket gebaut werden, statt drei für aktuell unterstütze LTS Versionen zuzüglich der ESM Versionen und der derzeitigen Interimsversion. Mit der Umstellung auf Snap, was bei Linux Mint aktiv abgelehnt wird zu Gunsten des Mitbewerbers Flatpak, mussten die Linux Mint Entwickler also selbst Firefox Pakete bereitstellen.

Mit dieser Verantwortung räumte man sich auch das Recht der Anpassungen ein, wie auch Werbepartner entsprechend vordergründig zu positionieren. Dies war nach dem Übereinkommen alles Geschichte. Denn das Firefox Paket kommt im Debian Paketformat von der Mozilla-Quelle und nicht mehr von Ubuntu.

Das Ziel ist, dass das Firefox Nutzererlebnis auf allen Plattformen gleich ist. Da Linux Mint keine kleine Linux Distro ist, war es das Anliegen von Mozilla, dass auch bei Linux Mint das gleiche Nutzererlebnis kommt wie bei anderen Linux Distros, Windows oder macOS.

Ist die Partnerschaft nur technischer oder auch finanzieller Natur?

Die Antwort ist einfach, denn sie lautet: beides. Durch die Partnerschaft ist es für die Linux Mint Entwickler einfacher mit Mozilla zu kommunizieren. Auf die technischen Gründe der Partnerschaft bin ich ja schon eben eingegangen. Doch da ist auch der finanzielle Aspekt, der scheinbar einige zur Auffassung brachte, Linux Mint hätte sich an Mozilla und somit indirekt an Google als größten Sponsor der Mozilla Foundation verkauft.

Das kann ich so nicht sehen. Natürlich wird durch die Auslieferung von Google als Suchmaschine ein gewisser finanzieller Aspekt mitschwingen, doch zuvor erhielt Linux Mint Geld von Yahoo und somit indirekt von Bing bzw. Microsoft, wenn man es so weit spinnen will. Die Auffassung, dass im Linuxumfeld immer alles kostenlos sein muss, ist töricht und fehlplatziert. Wer professionelle Arbeit leistet, kann dies nicht in Vollzeit machen ohne monetären Ausgleich für seine Arbeitszeit. So kommt es auch, dass das Linux Mint Projekt einerseits Fixkosten decken muss und andererseits auch variable Kosten hat, die getragen werden müssen. Entwickler, die gute Arbeit leisten, haben Rechnungen zu bezahlen etc. Das kennen wir ja alles selbst. Ich gehe davon aus, dass die wenigsten von uns jeden Werktag einer sozialen Tätigkeit nachgehen, die ohne finanzielle Entlohnung einhergeht. Wer das tut, Respekt und Hut ab aber die meisten können das nicht machen. So sollte man Verständnis dafür haben, dass die Entwickler von Linux Mint sich nicht nur auf die technische Entwicklung konzentrieren, sondern auch allgemein um das organische Wachstum des Projekts im Allgemeinen im Blick haben und Zukunftschancen ergreifen.

Linux Mint finanziert sich über Spenden der Nutzer und durch die Einnahmen durch die Suchmaschine. Ein Zwang Google als Suchmaschine in Firefox zu nutzen ist nicht gegeben. Jeder kann eine Alternative wie DuckDuckGo, Startpage, MetaGer oder Qwant einstellen. Die meisten werden dies jedoch aus Bequemlichkeit heraus nicht tun.

So kann ich abschließend keinen Verkauf von Linux Mint an Mozilla oder Google erkennen. Ob es ethisch die beste Entscheidung war sich auf Google einzulassen, mag streitbar sein. Doch ist Google hier anders einzustufen als Yahoo bzw. Bing? Also diese argumentative Grundlage kann ich nicht erkennen. Weiter ist es Mozilla, die sich von Google mehrheitlich bezahlen lassen und entschieden haben, dass Google die Standardsuchmaschine in Firefox ist. Wäre dem nicht so, würde die Knete auch nicht in dem Maße fließen. Linux Mint reicht dies dann letztlich nur durch, indem es durch die Partnerschaft mit Mozilla den Firefox Browser nach deren Vorstellung ohne eigene Anpassungen ausliefern.

Resümieren lässt sich, dass das Abkommen clever war für Linux Mint. So kann Firefox weiterhin als Debian Paket ausgeliefert werden und man muss nicht auf Flatpak ausweichen. Google und Yahoo dürften sich im Sinne des Datenschutzes nicht viel geben, daher ist der Wechsel von Yahoo zu Google keine Verschlechterung, sondern ehr Status Quo. Eine Anpassung von Firefox durch den Anwender ist weiterhin gegeben. So überwiegen die Vorteile die eventuellen Nachteile. Linux Mint ist weiterhin unabhängig und hat sich somit weder an Mozilla noch an Google verkauft.

Wie seht Ihr das? Wenn Ihr dazu etwas zu sagen habt, dann könnt Ihr das gerne in der Kommentarfunktion entweder auf YouTube, Odysee oder meinem Blog kund tun.

Das war die heutige MFTP Ausgabe. Wenn Du über iTunes den Podcast hörst, freue ich mich über eine 5 Sterne Bewertung. Vielen Dank für die freundliche Aufmerksamkeit und bis zur nächsten Ausgabe. Ciao.

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6 Kommentare

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  1. Ich finde es völlig OK wenn man über Google das Geld bekommt, wenn man es ändern kann. Irgendwoherr muss das Geld halt kommen.

  2. Stimme dir voll und ganz zu. Ich dachte nur, dass der Hinweis, dass mensch Firefox frei konfigurieren kann in der Linux-Community überflüssig sei. Ich war der Meinung das gerade DAS Standard bei Linux sei… das scheint davon zu kommen, dass ich nach über 10 Jahren Pause wieder bei Linux eingestiegen bin. Nun es hat sich einiges verädert.
    Sehr wichtig finde ich auch deinen folgenden Hinweis :
    “Die Auffassung, dass im Linuxumfeld immer alles kostenlos sein muss, ist töricht und fehlplatziert. Wer professionelle Arbeit leistet, kann dies nicht in Vollzeit machen ohne monetären Ausgleich für seine Arbeitszeit.
    DAS scheint heute (noch) weniger Leuten klar zu sein als noch am Anfang des Jahrtausends.

  3. @alexander:
    Genau aus dem Grund bringe ich solche Hinweise in unregelmäßigen Abständen. Einfach um darauf aufmerksam zu machen.

  4. …Bislang bauten die Linux Mint Entwickler selbst ein Firefox Paket im Debian Paketformat, passten dieses jedoch im geringen Umfang an. Zu diesen Anpassungen zählte eine fixe Startseite, Suche über Linux Mint Partner Yahoo oder DuckDuckGo. …

    Genau das hat mich genervt!

    ….So kann Firefox weiterhin als Debian Paket ausgeliefert werden…

    So solls sein!

    Hier mal der Direktlink dazu:

    https://pkgs.org/download/firefox

    Daumen hoch.

  5. Warum kann man Firefox nicht einfach als Flatpak anbieten? I mean, es ist doch einfacher als jedes mal ein .deb Paket zu bauen. Und die Flatpak Version wird doch eh von mozilla bereitgestellt. Und Flatpaks sind aus User Sicht einfacher zu managen, da man für das installieren und updaten keine sudo Berechtigungen braucht.