JingOS: Linux Alternative zu iPadOS für Tablets

Linux auf Tablets fristet ein trauriges Nischendasein. Das möchte JingOS nun ändern. Die aus China stammende Linux Distribution tritt gegen Platzhirsche wie iPadOS und Windows 10 für Tablets an. Heute schauen wir uns einmal JingOS an, was derzeit noch nicht ganz fertig entwickelt ist aber schon eine klare Vorstellung der Gesamtlösung zeigt.

Über die Distribution

JingOS ist brandneu aus China und basiert auf Debian bzw. Ubuntu. Die Oberfläche basiert auf KDE Plasma. Unterstützt werden von der derzeitigen Entwicklungsversion Surface Pro 6 und Huawei Matebook 14.

Unterbau, Paketformat und Paketverwaltung

Wie eingehend schon erwähnt, JingOS basiert auf Ubuntu und dementsprechend liegt das DEB Paketformat vor, wobei als Paketverwaltung APT zum Einsatz käme. Gelöst wird das letzich über Discover.

Unterstützte Architekturen

Da JingOS den Fokus auf Tablets legt, wird hier auch eine ARM Architektur herauskommen, wobei die derzeitige Entwicklungsversion für 64-bit, also x86_64 verfügbar ist.

Zielgruppe der Distribution

Da der Fokus auf Tablet Computer liegt, will JingOS sich hier als die Alternative für iPadOS und Windows 10 etablieren.

Vorarbeiten, Inbetriebnahme & Systemvermessung

An der Stelle fassen wir uns etwas kurz, da es sich um eine neue Entwicklungsversion handelt.

Ich konnte das ISO File von einem Share laden, nachdem ich die URL via E-Mail erhielt. Und der Share war total überlastet, sodass ich mehrere Tage warten musste. Das ISO habe ich dann in VirtualBox eingebunden. Anlaufstelle ist die JingOS Projektseite.

Hier könnt Ihr zunächst mit dem Live Modus einen ersten Eindruck gewinnen. Möchtet Ihr installieren, müsst Ihr ein Terminal öffnen und folgenden Befehl eingeben:

sudo -E calamares

Dadurch startet Ihr den Calameres Installer. Da wir hier ein experimentelles Neuland betreten mit Tablet Linux, habe ich den Installationsprozess aufgenommen. Es ist eine normale Installation mit Calamares, wie andere Distros es auch realisieren. Keine großen Besonderheiten. Ihr müsst bei obigen Befehl nur aufpassen, dass Ihr eine englische Tastatur habt und das Minuszeichen anders positioniert ist. Viel mehr gibt es zur Installation eigentlich nicht zu sagen. Nach einem Neustart fährt das installierte System hoch und meldet rasch, dass Aktualisierungen anstehen. Diese würde ich auch unbedingt einspielen, da wir hier eine in Entwicklung befindliche Distro vorliegen haben.

Systemvermessung

Sind alle verfügbaren Aktualisierungen in den Bauch geladen, liegt die Plattenauslastung bei knapp 11 GB.

Der initiale Benchmark beim Arbeitsspeicherkonsum lag bei knapp 670MB. Das dürfte in Ordnung gehen.

Desktop & Programme

JingOS liefert in der Entwicklungsversion Stand Ende März 2021 KDE Plasma 5.20.2 aus.

Das Desktop Konzept ist klar auf Tabletbetrieb ausgelegt. So haben wir unten ein Dock und auf dem Bildschirmbereich App-Launcher. Das dürfte niemanden fremd sein. Die Entwickler haben nie ein Hehl daraus gemacht, dass sie sich von iPadOS haben inspirieren lassen. Das merkt man auch. Böse Zungen würden von einer China Kopie sprechen. Ich will dies nicht werten, sondern nehme das jetzt mal hin, wie es ist.

Es werden 2 Screens von Werk angeboten. Auf dem ersten liegen ein paar Anwendungsapps und auf dem zweiten System Apps von KDE.

Interessant ist das Kontrollzentrum oben rechts. Das müssen wir runterziehen und wer ein iPad sein Eigen nennt, dürfte mit solch einem Konzept vertraut sein.

Das Benachrichtigungszentrum bekommen wir wenn wir es von oben links herunterziehen.

Geöffnete Apps minimieren wir mit einem Klick auf den hellen Balken unten in der Mitte.

Das kommt einem gewöhnlichen Tabletbetrieb schon sehr nahe. Inwiefern die KDE System-Apps hier ohne weitere Anpassung helfen oder ehr Verwirren, muss sich zeigen. Ich meine Windows 8 war zu Beginn auch noch mit so Mischapps aus Windows 7, die im Touchmodus nicht optimal betrieben werden konnten, bestückt.

Wenn Ihr mehr Apps wollt, könnt Ihr Discovery nehmen. Darüber werden auch die Aktualisierungen verteilt.

Das ganze wirkt aktuell noch nicht fertig, was in Anbetracht des Versionsstands auch nicht verwundert. Es ist noch viel Arbeit nötig aber der erste Eindruck ist gut. Daraus könnte etwas werden.

Besonderheiten und Fazit

Wie das so ist mit Linux Distributionen aus dem Reich der Mitte könnten sich auch hier Vorbehalte bilden. Deepin kämpft auch mit diesen. Ich will diese nicht schüren. Ehr im Gegenteil. Wenn bei einer Entwicklungsversion Diagnose- oder Analysedaten geteilt werden würden, könnte ich das verstehen. Aber aufgefallen ist mir nichts.

Der Ersteindruck ist schon mal nicht schlecht. Es bleibt aber noch viel Arbeit übrig. Einerseits wie die KDE System Apps ans Touchinterface angepasst werden, andererseits wie über Discovery geladene, ganz normale Linux Apps für den Desktop umgesetzt werden. Nicht alle Entwickler werden ihre Programmoberflächen an eine einzelne Distro anpassen. Ob JingOS hier einen Wrapper oder sowas schafft, muss sich zeigen. Aber an dem Punkt entscheidet sich ob solch ein ehrenwerter Ansatz Erfolg bei der Massen haben kann oder nicht. Wenn die Benutzeroberfläche nicht stimmig wirkt, wird es vermutlich nicht überzeugen und droht zu scheitern. Es sind am Markt schon anderer Schwergewichte mit konsistenter Betriebssystemoberfläche gescheitert. Hallo Blackberry 10, hallo Windows Phone, hallo Palm und HP WebOS usw.

Also geben wir dem Projekt Zeit sich zu finden, sowie fertig zu entwickeln und kommen darauf ggf zum späteren Zeitpunkt nochmal zurück.

Das zu diesem Artikel korrespondierende Video kann auf meinem YouTube Kanal hier angeschaut werden.

Folgt mir gerne auch auf:

Um unabhängig von großen Plattformen zu sein, benötige ich Deine Unterstützung. Dies geht via:

Alle Details zu hier.

Du möchtest mehr über Linux lernen?

Hinweise:

  • Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen
  • Ich besitze eine legale Lizenz von Final Cut Pro X, die die kommerzielle Verwendung von lizenzfreien Inhalten in FCP abdeckt
  • Die Beiträge von MichlFranken stellen grundsätzlich eine unverbindliche Demo dar. Nachstellung auf eigene Gefahr. Es können bei unsachgemäßer Nachstellung negative Folgeeffekte wie z.B. Datenverlust oder Systemausfälle auftreten. Jede Form der Gewährleistung ausgeschlossen. Im Zweifelsfall bitte eine virtuelle Maschine aufsetzen und testen aber nicht auf einem produktiven System nachstellen.

1 Kommentar

  1. Ich verstehe den Sinn hinter diesen Tablets, egal mit
    welchem OS nicht :

    -zu klein, um die 10 Zoll
    -keine vernünftigen USB-Schnittstellen
    -keine Tastatur, da zu winzig
    -Speicherkapazitäten (Karte, nicht mal wechselbare SSD) von 32 oder 64 GB sind ein Witz!
    -RAM, meist minimalistische 4GB

    Kosten für sowas,laut Googlesuche,in etwa ab mindestens 250,-€
    Ab 12 Zoll wird`s dann preislich ganz finster und technisch auch nicht besser.

    Dann besser in ein gebrauchtes 13 Zoll-Laptop
    (i5+SSD+32-GB-Ram+FHD) investieren.
    Linux OS nach Belieben.

    …meine Meinung.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


Alle Kommentare werden moderiert. bitte beachtet die Regeln. Vielen Dank!