Linux Distros – Ein Überblick


Hallo und willkommen. Es freut mich dieses Jahr erstmalig auch bei der Kielux dabei sein zu können. Unter all den spannenden Themen habe ich mir ein Thema herausgesucht, zu dem ich auch immer viele Nachfragen bekomme, aka Welche Distro soll ich nehmen. Aus dem Grund nehme ich Euch heute mit zu einem Überblick über verschiedene Linux Distributionen, wobei wir hier klar sagen müssen, es geht um die wichtigen oder relevanten Distros. Ich wünsche uns allen viel Spaß.

Was ist Linux?

Linux ist ein Betriebssystem. Doch Linux ist zunächst eigentlich nur der GNU/Linux Kernel. Eine Linux Distribution nimmt den Kernel, der nichts anderes macht, als Hardware-Ressourcen zu verwalten. Der Kernel wird ergänzt um Softwarepakete, die das restliche Betriebssystem ausmachen. So schnürt jede Linux Distribution ihr jeweiliges Paket und das verpackte Paket ist das eine Linux Distribution. Linux hat sogar ein eigenes Maskottchen, den freundlichen Pinguin, der auch Tux genannt wird. Ein recht sympathisches Kerlchen, wenn Du mich fragst.

Worin unterscheiden sich Linux Distributionen

Wir können uns zu Beginn gleich zwei ganz eindeutige Unterscheidungsmerkmale anschauen. Das wäre zum einen das Paketformat und zum anderen das Distributionsmodell. Klingt staubig aber die Erklärung ist ganz einfach.

Es gibt im Softwaredistributionsmodell unter Linux verschiedene Paketformate. Das ist anders als bei Windows, wo es Exe oder MSI Installer gibt, ebenso wie bei macOS, wo es das IMG Format gibt. Bei Linux gibt es folgende drei Paketformate mit der größten Verbreitung: DEB, RPM, Tar. Es gibt natürlich noch weitere Formate aber die werden dann meist bei kleineren Distros eingesetzt, die über eine überschaubare Verbreitung verfügen. Nehmen wir als Referenz zur ganz groben Orientierung mal Distrowatch her, dann werden wir noch erkennen, dass alle Distros der vorderen 20 Plätze eines der drei eben genannten Paketformate zum Einsatz bringen.

Neben dem Paketformat ist auch das Distributionsmodell entscheidend. Hier gibt es grundsätzlich drei Modelle, wobei eines mehr ein Nischenmodell ist.

Folgende drei Modelle sind verbreitet: Statisch, Semi-Rollend, Rollend

Statisch bedeutet, dass die Distribution von Zeit zu Zeit Ausgaben veröffentlicht und im Rahmen der Ausgaben recht aktuelle Softwarepakete reinpacken. Innerhalb des Unterstützungszeitraums einer statischen Distro gibt es schwerpunktmäßig nur Sicherheitsaktualisierungen und Korrekturen nur dann, wenn sich daraus keine Regressionen auf andere Pakete ableiten lassen. Statische Distros sind oftmals auch sogenannte LTS Distros mit Langzeitpflege.

Semi-Rollend heißt die Distro bringt von Zeit zu Zeit Ausgaben, jedoch werden im Unterstützungszeitraum einer Ausgabe auch Paketstände von höherer Quantität verändert. Heißt es gibt immer wieder neue Softwarepakete.

Rollend heißt, dass die Distro stets die neueste Software sofort bereitstellt und veröffentlicht. Rollende Distros zeichnen sich durch top aktuellen Kernel, Treiber und Softwarepaketständen aus.

Überblick zu den Linux Distributionen

Nachdem wir nun die groben Unterschiede zwischen den Linux Distributionen kennengelernt haben, können wir nun dazu übergehen dieses Wissen als Basis für die weitere Diversifizierung der Linux Distributionen heranzuziehen. Der Vollständigkeitshalber werde ich auch hier einerseits das Paketformat und andererseits das Distributionsmodell zugrunde legen.

Linux Distros nach Paketformat

Paketformat DEB:

Bekannte Distributionen, die das Debian Paketformat einsetzen sind u.a.

Debian, Ubuntu, alle Ubuntu Flavours, Linux Mint, Pop!_OS, Zorin OS, KDE neon oder Elemetnary OS.

Das Debian Paketformat ist das quantitativ am meisten verbreitete Paketformat. Das liegt daran, dass viele Distributionen auf Ubuntu aufbauen und Ubuntu selbst auf Debian aufbaut. Aufgrund dieser familiären Situation besitzt das DEB Paketformat die meiste Verbreitung.

Paketformat RPM

Das RPM Paketformat kommt bei zwei der größten Enterprise Distributionen zum Einsatz. SUSE und Red Hat. Damit kommt es auch bei Distributionen, die darauf aufbauen zum Einsatz wie z.B. openSUSE, Fedora, AlmaLinux oder RockyLInux.

Paketformat TAR

TAR ist letztlich nur ein Archivformat, das eigentlich zum Packen von Paketen zum Einsatz kommt. Doch Distros mit TAR Format sind sehr schnell bei der Installation dieser. Folgende Distributionen setzen auf diesem Format auf: Arch und Slackware. Da Arch aber selbst auch Basis viele anderer Distros ist, kommt es auch bei Manjaro, EndeavourOS, Garuda oder Archcraft zum Einsatz. Slackware ist übrigens die älteste noch aktive Linux Distribution, wenn auch gleich Slackware nicht Basis vieler darauf aufbauender Distros ist.

Linux Distros nach Distributionsmodell

Statisch

Die bekanntesten statischen Linux Distributionen dürften sein: Debian, Ubuntu, openSUSE Leap, SUSE und Red Hat. Dazugehörig natürlich alle Abkömmlinge von Ubuntu wie die Flavours, also z.B. Kubuntu, Ubuntu Mate, Xubuntu usw, wie auch alle Forks wie z.B. Linux Mint, Zorin OS, Pop!_OS oder Elementary OS.

Semi-Rollend

Dieses Modell ist ein bisschen der Exot. Es gibt eine Distro, die hier aktiv ist und selbst über Relevanz verfügt. Die Distro ist Fedora.

Rollend

Die bekanntesten rollenden Distros dürften sein: Arch und openSUSE Tumbleweed. Ähnlich wie bei Ubuntu zählen natürlich alle Arch Abkömmlinge wie z.B. Manjaro, EndeavourOS oder Garuda hier auch mit rein.

Eingrenzung auf die großen Distros

Bei Linux sind Grenzen oftmals schwimmend, da viele Distros auf andere aufsetzen. Eingrenzen könnte man es jedoch vereinfacht auf folgende Linux Distros:

Debian, Ubuntu, SUSE Linux, Red Hat, Fedora, Arch und openSUSE. Es ist bewusst so gewählt, dass Red Hat und Fedora, wie auch SUSE und openSUSE getrennt sind. Denn es werden verschiedene Zielgruppen angesprochen, was bedeutet, dass es verschiedene Distributionen und Belieferungen sind.

Da wir wissen, dass Distros nach Paketformat und Distributionsmodell unterschieden werden können, grenzen wir es wie folgt ein:

  • Debian -> Deb Paket -> Statische Version
  • Ubuntu -> Deb Paket -> Statische Version
  • Red Hat -> RPM Paket -> Statische Version
  • Suse Linux -> RPM Paket -> Statische Version
  • openSUSE Leap -> RPM Paket -> Statische Version
  • Fedora -> RPM Paket -> Statische Version und Semi Rollend
  • openSUSE Tumbleweed -> RPM Paket -> Rollend (getestete Point Releases alle paar Tage)
  • Arch Linux -> Tar Paket -> Rollend (Bleeding Edge – das neueste vom neuen sofort)

Der aufgearbeiteten Liste können wir entnehmen, dass wir 5 statische, 1 Semi rollend und 2 rollende Distributionen haben. Von den Statischen Distros fußen Ubuntu, Suse Linux und Red Hat im lukrativen Bereich der Enterprise Distros. Heißt diese richten sich an Unternehmen im Server- und Cloudumfeld schwerpunktmäßig. Privatkunden sind bei Suse Linux und Red Hat nicht die Zielgruppe. Bei Ubuntu ist es etwas anders. Ubuntu ist zwar auch eine Enterprise Distro, allerdings werden der Ubuntu Desktop und Server nicht so strickt getrennt zwischen Enterprise und Privatkunden wie es bei Red Hat und Suse der Fall ist. Bei Red Hat spricht Fedora und bei SUSE spricht openSUSE Privatkunden an. Fedora und openSUSE sind aber eigene Projekte, losgelöst von der Firma aber dennoch in gewisser Abhängigkeit und Symbiose mit den Unternehmen dahinter. Debian ist ein Gemeinschaftsprojekt, das als universelles Betriebssystem überall punkten kann, also bei Privat, als auch im Business. Als letzter Kandidat bleibt noch Arch Linux, was sich bei einem Nischenpublikum großer Beliebtheit erfreut aber über diesen Anwenderkreis nicht hinauskommt. Lediglich der Abkömmling Manjaro kann ebenfalls über eine gewisse Nutzerschaft und Teilerfolge verweisen.

Kurzvorstellung der Distros

Debian

Debian ist die zweitälteste Linux Distro nach Slackware, die noch aktiv ist. Hinter Debian steht keine Firma, sondern es handelt sich um einen Verbund freiwilliger Entwickler, die im Rahmen der Mitarbeit an Debian einen Gesellschaftsvertrag unterzeichnen müssen, um die Bedingungen anzuerkennen. Debian agiert dabei wie eine gemeinnützige Organisation. Zu jederzeit gibt es bei Debian drei Ausgaben: Stable, Testing und Sid. Stable ist die empfohlene Ausgabe für alle. Testing ist ein Testzweig, der aus Sid abgekoppelt wurde und die kommende Stable Version wird. Sid ist ein experimenteller Zweig und trägt auch den Beinamen unstable, weil hier Dinge ausprobiert werden. Testing und Sid können zwar verwendet werden, Debian selbst empfiehlt es jedoch nicht offiziell. Eine Debian Stable Version erscheint in etwa alle zwei Jahre, wobei eine Stable Version insgesamt rund 5 Jahre Sicherheitsaktualisierungen bekommt. Debian Stable gilt als sehr robust, was als Vorteil zu verstehen ist. Der Nachteil dieser Stabilität ist die zunehmende Veraltung der Softwarepakete, denn diese bekommen vom Debian Security Team nur dann Sicherheitsaktualisierungen, wenn sie aus der „Main“ Paketquelle heraus stammen. Debian richtet sich nicht an Neueinsteiger und erfordert insgesamt etwas fachliches Wissen im Linux Umfeld. Debian bietet eine breite Palette an Desktops an, darunter u.a. Gnome Shell, KDE Plasma, Cinnamon, Xfce und Mate.

Ubuntu

Ubuntu basiert auf Debian und trat seinerzeit mit dem Anspruch an, das bessere Debian zu werden und dabei sowohl benutzer- als auch einsteigerfreundlich zu sein. Hinter Ubuntu steht das Unternehmen Canonical, was Ubuntu finanziell trägt und federführend entwickelt. Dabei werden von Canonical auch kontroverse Entscheidungen umgesetzt, die von der FOSS-Gemeinschaft zum Teil kritisiert und abgelehnt werden. Alle neun Monate erscheint eine neue Ubuntu Ausgabe. Jede vierte ist eine LTS Version, die fünf Jahre Langzeitpflege bekommt. Die anderen Ausgaben sind sogenannte Interimsausgaben, die lediglich neun Monate gepflegt werden und zum Testen und Experimentieren verwendet werden. Hier bringt Canonical neue Technologien im Ubuntu Umfeld an den Start mit der Absicht diese bis zur nächsten LTS Version zu Marktreife zu bringen. Die Ubuntu LTS Versionen gelten als sehr robust und stabil. Ubuntu ist eine einfach zu installierende und zu bedienende Distro, weswegen sie als einsteigerfreundlich gilt. Ubuntu erscheint mit Gnome Desktop. Für andere Desktops gibt es die Ubuntu Flavours wie z.B. Kubuntu, Ubuntu Mate oder Xubuntu.

Red Hat

Das Unternehmen Red Hat bietet Linux Unternehmenslösungen an. Ein wichtiges Produkt hierbei ist Red Hat Enterprise Linux (RHEL), ein Serverbetriebssystem. Eine RHEL Version wird an die 10 Jahre unterstützt und regelmäßig werden Point Releases bereitgestellt. Red Hat gehört derzeit zu IBM und auf RHEL basieren weitere Server Betriebssystem Distros wie CentOS, AlmaLinux oder Rocky Linux. Auch Oracle Linux basiert auf RHEL. RHEL ist für Privatkunden wenig geeignet und eine Lizenz kostet Geld. Privatkunden sind bei Fedora gut aufgehoben, wozu wir jetzt kommen.

Fedora

Fedora ist in der RHEL-Wertschöpfungskette ein wichtiges Bindeglied, denn hier werden neue Technologien ausprobiert und über CentOS zur Marktreife gebracht, bis sie schließlich in RHEL landen. Fedora darf dabei bewusst experimentieren und liefert dabei aktuelle Kernel und Software aus. Alle neun Monate erscheint eine neue Fedora Version, wobei zeitgleich drei Versionen unterstützt werden, jedoch nur über einen kurzen Zeitraum. Bei Fedora ist es mehr oder minder beabsichtigt die Anwender stehts zum Upgrade zu animieren. Jede Fedora Version wird etwa 13-14 Monate unterstützt. Eine neue Version heißt neue Features und Technik und für gewöhnlich nutzt man auch nur dann Fedora, wenn man das auch so haben möchte. Will man dies nicht, ist eine LTS Distro die bessere Wahl. Fedora erfordert etwas Fachwissen, weswegen ich Fedora nicht pauschal als einsteigerfreundliche Distro deklarieren würde. Fedora erscheint mit Gnome Desktop. Für andere Desktops gibt es, wie bei Ubuntu auch, spezielle Editionen, die hier Spins heißen.

SUSE Linux

Das Unternehmen SUSE bietet Linux Unternehmenslösungen an. Ein wichtiges Produkt hierbei ist SUSE Linux Enterprise, welches es u.a. als Desktop (SLED) und Server (SLES) gibt. SLES ist ein relevantes Produkt bei SUSE. Eine SLES Version wird mehrere Jahre unterstützt und dank LTS Support kommt man fast an die 10 Jahre von RHEL und Ubuntu heran, erhält jedoch ebenfalls über den Unterstützungszeitraum hinweg Point Releases. SUSE gehört derzeit zum schwedischen Finanzinvestor EQT Partners von Micro Focus. SLE ist für Privatkunden nicht geeignet und eine Lizenz kostet Geld. Privatkunden sind bei openSUSE gut aufgehoben, wozu wir jetzt kommen.

openSUSE

Bei openSUSE handelt es sich teilweise um das Äquivalent zu Fedora. Doch anders als bei Fedora dient openSUSE nicht direkt als Upstream Projekt. Vielmehr gibt es bei Ausgaben von openSUSE: Leap und Tumbleweed. Leap ist eine statische Version, die zu SLE binärkompatibel ist und Tumbleweed ist eine rollende Distro, die im Gegenzug zu Arch nicht bleeding edge rolling ist, sondern alle paar Tage Schnappschüsse mit neuen Paketen ausliefert. Dies auch nur dann, wenn sie fehlerfrei getestet sind. So möchte Tumbleweed ein Spagat zwischen Aktualität und Stabilität leisten. Eine Leap Version adaptiert die Unterstützungszeiträume von SLE. Wo wird jedes Point Release in etwa 12 Monate unterstützt, bis man auf den Nachfolger wechseln sollte bzw. muss. Eine Leap Hauptversion bekommt 3-5 Jahre Pflege. Tumbleweed kennt keine Versionsstände, kennt auch keinen Unterstützungszeitraum. Einmal installiert, wird das System fortlaufend durch Aktualisierungen auf neuesten Stand gehalten. OpenSUSE bietet eine breite Palette an Desktops an, darunter u.a. Gnome Shell, KDE Plasma, Cinnamon, Xfce und Mate.

Arch

Die Linux Distro Arch macht sich das KISS (Keep it simple, stupid) Prinzip zu eigen. Arch liefert keine Grundkonfiguration aus, sondern jeder baut sich sein System nach eigenem Ermessen und kann das System beliebig erweitern. Die Installation muss vollständig manuell erfolgen. Es gibt keinen Live-Modus und keinen Installer, wie andere Distros es im Rahmen einer grafischen Installation anbieten. Lediglich ein Installationsscript, welches bei den einzelnen Schritten assistiert, gibt es offiziell. Arch Linux ist ein rolling Release Linux System nach bleeding edge Prinzip. Heißt es wird nicht wie bei openSUSE Tumbleweed erst getestet und dann ausgerollt, nein, die Software wird sofort gepackt und bereitgestellt. So ist Arch noch schneller als Tumbleweed, wenn auch gleich die Lücke nur wenige Tage ausmacht.

Aufgrund der manuellen Schritte erfordert Arch ein recht umfangreiches Wissen und ist für Anfänger ehr ungeeignet. Arch wird vorzugsweise von Puristen eingesetzt, denen die anderen Systeme von Grund auf zu viel unnötige Pakete mitliefern. So kann man sich bei Arch sein individuelles und schlankes System bauen. Dafür muss man auch alles selbst machen. Arch bietet eine breite Palette an Desktops an, darunter u.a. Gnome Shell, KDE Plasma, Cinnamon, Xfce und Mate.

Firma oder Gemeinschaft hinter der Distro

Ein oftmals angeführtes Argument bei der Wahl der Distro ist der Hintergrund der Distro. Also wer sie herausgibt und betreut. Es gibt pro und contra für beide Varianten.

Firmen können Entscheidungen selbst treffen und umsetzen. Das kann einen Prozess ungemein vereinfachen und Innovationen beschleunigen. Das „einfach machen“ kann durchaus ein Segen sein. Allerdings wird hiermit keine Gewähr vor Nonsens Entscheidungen gegeben. Wenn also eine Firma Entscheidungen zur Stärkung der eigenen Wertschöpfungskette trifft, dann ist das grundsätzlich völlig in Ordnung und das gute Hausrecht. Ob man die Entscheidung der Firma dann begrüßt oder nicht, ist eine andere Sache.

Beispiel hierfür ist Ubuntu mit Snap. Ubuntu wird von Canonical federführend entwickelt. Die Entscheidungen, was in Ubuntu aufgenommen wird, welche neuen Technologien reinkommen etc. trifft letztlich Canonical. Das jüngste Beispiel hierfür ist der Aufbau der alternativen Container-Software Lösung Snap. Diese steht in direkter Konkurrenz zu Flatpak, was bei den meisten anderen Distributionen als Software-Container Lösung zum Einsatz gebracht wird. Ein weiterer Kritikpunkt dabei ist, dass die Snap Infrastruktur Backend-seitig nach aktuellem Wissensstand nicht quelloffen ist. Heißt nur Canonical hat hier ein Auge drauf und kann völlig frei agieren. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass proprietäre Softwarelösungen in einem Open Source Unternehmen mit einer eigenen Linux Distributionen Zündstoff für erhitzte Diskussionen darstellen. Völlig anders mag das aussehen, wenn Du auf eine Software angewiesen bist, die nur via Snap angeboten wird und/oder Flatpak aus verschiedenen Gründen ablehnst. Dann dürfte Snap für Dich eine gute Sache sein.

So haben wir nun gesehen, dass eine Firma hinter einer Linux Distro Vor- und Nachteile haben kann. Nun begutachten wir das Szenario mit einer Community Distro.

Gemeinschaftsprojekte können da Punkten, wo Firmen Abgabefristen oder fixe Termine haben. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Version bei Veröffentlichung noch Fehler beinhaltet, sehr unwahrscheinlich. Schließlich besitzt man das Recht die dann zu veröffentlichen, wenn sie fertig ist. Allerdings kann die konstitutionelle Situation auch lähmend sein, wenn endlose Grundsatzdiskussionen über essenzielle Entscheidungen zu treffen sind.

Beispiel hierfür ist Debian mit der Entscheidung, ob die stabile Ausgabe künftig im ISO Image auch die non-free Sourcen aktiv haben soll oder nicht. Der Hintergrund der Geschichte ist, dass das normale Debian Installations-Image ausschließlich mit quelloffener Software aus der „Main“ Paketquelle kommt. Installierst Du Debian auf einem Notebook z.B. mit Broadcom Wlan Chip, dann wirst Du dieses wlan Karte zunächst nicht in Betrieb nehmen können. Hintergrund ist, dass ohne proprietäre Treiber die Hardware nicht konfiguriert werden kann. Ergo würde man nach der Installation ein Lan Kabel benötigen um die non-free Sourcen mit dem proprietären Treiber für die wlan Karte zu aktivieren, den Treiber zu installieren und die Wlan Karte dann einzurichten. Ein Neueinsteiger wird nach der Installation von Debian dann ernüchtert feststellen, dass wlan nicht geht und wird aller Voraussicht nach an dieser Hürde scheitern und sich von Debian verabschieden. Daher diskutiert man bei Debian derzeit ob und wie man diesen Umstand lösen könnte. Dabei gibt es drei Vorschläge von der Bandbreite zart bis hart, die jetzt erörtert werden bis ggf abgestimmt und somit eine richtungsweisende Entscheidung getroffen wird. Die Mühlen in den Debian Gremien mahlen langsam. Das behütet vor dämlichen Schnellschüssen oder Alleingängen, bremst aber auch triviale und essentielle Entscheidungen über unglaublich lange Zeiträume aus.

Ich möchte mit den Beispielen nicht den Eindruck erwecken, dass es bei Linux Projekten nur ein „entweder … oder“ gibt. Die Beispiele sind bewusste Grenzgänger, die Extrema aufzeigen sollen. Um bei unserer Selektion zu bleiben, bildet z.B. Fedora als Projekt einen sehr ausgewogenen und ausbalancierten Kompromiss zwischen beiden Extremen. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass keine pauschale Aussage für oder wider der einen oder anderen Konstellation zu treffen ist. Die jeweiligen konstitutionellen Varianten haben Stärken und Schwächen und diese wollte ich herausstellen.

Wieso gibt es so viele Linux Distributionen

Es gibt unzählig viele Motive eine eigene Linux Distribution zu veröffentlichen. Rein rechtlich gesehen könntest du ein Ubuntu LTS System hernehmen, änderst das Standard-Hintergrundbild des Gnome Shell Desktops, packst das in ein neues Image und bietest es unter Deinem Fantasienamen an. Rein rechtlich gesehen ist das eine sichere Sache und in trockenen Tüchern.

Wenn Dir unter Fedora der DNF Paketverwalter nicht gefällt und Du lieber Zypper einsetzen magst, kannst Du unter Fedora zypper installieren, klemmst DNF ab und bringst die Distro unter dem Namen Zypperdora – fertig. Das geht theoretisch auch.

Jenseits dieser sinnfreien Motivationen gibt es aber auch Ansätze, die ehrenwert sind aber auch anders hätten gelöst werden können.

Werfen wir einen Blick auf substanziellere Fälle.

Elementary OS ist eine Linux Distro, die auf Ubuntu LTS aufsetzt aber mit Pantheon Desktop einen eigenen Ansatz für den Linux Desktop auf Gnome-Basis verfolgt. Wer mich kennt und meinen Kanal oder Blog verfolgt, weiß, dass ich elementary OS seit langer Zeit als Hauptdistro einsetze. Das aus zwei Gründen: Ich mag den Pantheon Desktop sehr und Ubuntu LTS Basis für Sicherheitsaktualisierungen. Dennoch kommen in mir mehr und mehr Zweifel auf, ob elementary OS heute in einem Jahr noch existent sein wird. Hintergrund dessen sind interne Streitereien, die dazu führten, dass die Firma hinter Elementary OS jetzt eine Einzelkämpferunternehmung ist, die durch das Engagement einiger freiwilliger Entwickler gestützt wird. Doch darum soll es jetzt nicht gehen. Der Pantheon Desktop ist ein durchaus interessantes Projekt, welches mittlerweile auch auf Basis von Fedora oder openSUSE und auch in der Arch-Welt angekommen ist. Heißt, der Desktop ist mittlerweile gestreut in den Paketquellen andere Distros. Die Frage ist, hätte sich elementary Inc nicht gleich darauf beschränken können einen neuen Desktop für die gängigen Distros anzubieten und sich dann voll und ganz nur darauf zu konzentrieren? Soweit ich durch meine Nutzungszeit und Recherche Einblick darin habe, war das jedoch kategorisch ausgeschlossen, da Elementary Inc mit Gewinnabsicht gestartet wurde. Man wollte also nicht direkt mit elementary OS Geld verdienen, sondern ehr durch Hardware-Partnerschaften und Merch Verkauf. Ein weiteres Kuchenstückchen hätte vermutlich eine Provision bei Erlösen im App Store nach dem „Zahle-was-du-willst“ Prinzip.

So startete elementary OS mit einem durchaus gut durchdachten Konzept. Der Verlauf war jedoch holprig und an einigen Stellen wirkt das Projekt strümpfig aufgestellt. Im Prinzip kommen neue Versionen immer stark verzögert hinter Ubuntu LTS heraus. Die Kommunikation via monatlichen Newsletter ist zwar grundsätzlich begrüßenswert, doch lastet derzeit zu viel Last auf einer Person. So erschien der letzte Newsletter mit ca 2 Wochen Verzögerung aufgrund einer Covid-19 Erkrankung von Danielle Fore. Es ist verständlich, dass wenn man von einer Covid-19 Erkrankung niedergestreckt wird, alle mal ruht. Doch wenn eine einzelne Person so weitreichende Folgewirkungen hat, ist das eine gefährliche Gesamtsituation. Wie sich sowas bei kritischen Sicherheitslücken in Pantheon auswirken würden, möchte man sich an der Stelle gar nicht ausdenken, denn das wäre nicht durch die Ubuntu Sicherheitsaktualisierungen gedeckelt. Es bleibt die Hoffnung, dass wenn Elementary Inc den Bach runter gehen sollte, der Pantheon Desktop durch die FOSS Gemeinschaft betreut und somit weiterleben könnte.

Linux Mint ist eine Distro, die auf Ubuntu LTS aufsetzt aber mit dem Cinnamon Desktop ebenfalls einen eigenen Ansatz für den Linux Desktop auf Gnome-Basis verfolgt. Anders als aber bei Elementary OS ist Linux Mint breiter aufgestellt. Einerseits wirken mehr Entwickler an Linux Mint mit, andererseits betreut Linux Mint mit den XApps auch eigene Apps, die Linux Mint abrunden sollen.

Dennoch musste Linux Mint in den vergangenen Jahren auch Abgänge federführender Entwickler verkraften. Obwohl der Hauptentwickler Clem weiterhin als Kapitän das Schiff sicher führt, hängt viel an ihm.

Linux Mint ist mit so manchen Besonderheiten von Ubuntu nicht im Einklang und unternimmt mit LMDE einen Versuch stets unabhängig von Ubuntu zu bleiben. Ob Cinnamon dabei tatsächlich eine eigene Distro benötigt hätte, sei dahingestellt. Immerhin unterhält das KDE Projekt mit KDE neon ja auch eine eigene Distro für den eigenen KDE Desktop. Dennoch bereichert Linux Mint mit dem Cinnamon und den Xapp auch andere Linux Distros denn alle Projekte von Linux Mint sind nicht exklusiv, sondern auch bei den anderen Distros zu haben.

Devuan ist eine Abspaltung von Debian. Das primäre Ziel der Distro ein eine Variante von Debian anzubieten, die ohne die Komplexität und Abhängigkeit von Systemd, einem ursprünglich von Red Hat entwickelten und später von den meisten anderen Linux übernommenen Init-System- und Dienstmanager Verteiler. Die Diskussionen über Systemd haben sich allgemein gelegt, dennoch waren sie nicht weniger intensiv. Nach dem Motto gefällt mir nicht, was Du machst, dann mach ich mein eigenes Ding. Ich möchte jetzt nicht in die Diskussion zu Systemd einsteigen, sondern es nur als Beispiel heranziehen.

Die Beispiele zeigen, dass Linux ausgesprochen flexibel ist wenn es darum geht etwas neues zu starten. Das kann total substanzlos sein, aber auch gute Gründe haben. Letztlich kann man den Standpunkt vertreten, dass jede neue Linux Distro die Entwicklerressourcen streckt und somit schwächt. Anderenfalls könnte man auch meinen, dass genau dadurch die Schlagkraft von Linux gestärkt ist, denn man kann auf jede beliebige Situation flexibel reagieren. Auch können Projekte, die aufgrund von getroffenen Fehlentscheidungen scheiterten, so weiterleben oder im Nachhinein unter anderer Flagge zu einem Erfolg werden.

Die Flexibilität bringt aber auch eine gewisse Intransparenz mit. So ist es schlicht unmöglich dauerhaft einen validen Gesamtüberblick zu haben. Das ist bei Linux, anders als bei Windows oder macOS schlicht ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Flexibilität ist bei Linux gleichzeitig Stärke und Schwäche.

Hilfestellung bei der Wahl eines Linux Systems am Anfang

Hier gehen die Meinungen weit auseinander. Aus meiner Erfahrung heraus steigt die Akzeptanz von Linux, wenn es grob dem gewohnten Betriebssystem ähnelt, zumindest in der Bedienweise. Die beste Erfahrung sammelte ich mit Ubuntu und Systemen, die auf Ubuntu aufbauen. So verwundert es nicht, dass ich Neueinsteigern entweder Ubuntu selbst oder Linux Mint oder elementary OS empfehle. Linux Mint für Windows Wechsler, die am Paradigma festhalten möchten und selbst gilt für macOS Wechsler und elementary OS.

Mein Tipp ist stets mit einer dieser Distros zu starten und erste Erfahrungen zu sammeln. Wer nach einer gewissen Einarbeitungszeit sich bereit fühlt für eine andere Linux Distribution, kann wechseln oder experimentiert mit diesen im Rahmen von virtuellen Maschinen. Doch den meisten Anwendern mit Fokus auf „Der Rechner soll gut laufen“ dürften diese drei Distros gute Dienste leisten.

Ferner ist der oftmals suggerierte Drang im Linux Umfeld, man müssen zwangsweise früher oder später weg von Ubuntu, Mint oder generell einer Einsteigerdistro, letztlich unhaltbar. Es gibt keinen vernünftigen Grund ein gut laufendes System zu verändert. Läuft also Ubuntu oder Linux Mint oder elementary OS gut, dann gibt es logischerweise auch wenig Grund wechseln zu müssen.

So lautet mein Ratschlag stets: Einfach mit einer diesen Distros starten und sehen, wohin die Reise geht. Ich persönlich habe mit Linux im Jahr 2003 angefangen und habe im Laufe der Zeit eine hohe zweistellige Zahl an Linux Distros getestet, ausprobiert und verwendet. Am Ende des Tages habe ich aber auch heute noch immer Ubuntu und Distros auf Ubuntu Basis im Einsatz. Warum? Weil sie einfach gut laufen, und das ist mein Anspruch. Ich experimentiere aus Zeitgründen größtenteils mit VMs und hat man sich darauf einmal eingelassen, dann läuft es auch richtig gut.

Eine pauschale Empfehlung ist subjektiv und schwierig. Wer Informatik studierte, hat eine andere Ausgangslage und Affinität zur Sachlage als jemand, der sich nur in seiner Freizeit damit beschäftigt und beruflich wo ganz anders unterwegs ist. Ungeachtet dessen können alle aber mit einsteigerfreundlichen Distros arbeiten, was eint. Was scheidet ist der überzogene Ehrgeiz, man müssen früher oder später zwangsläufig bei Arch oder rollenden Distros landen, weil nur das die persönliche Entwicklung und Kompetenz widerspiegele. Totaler Käse in meinen Augen. Setzt die Distro ein, die gut zu Euch passt und Euch am besten gefällt. Der Rest ist Schall und Rauch.

Meine persönliche Präferenz lässt sich wie folgt dingfest machen:

Keine Experimente oder Hobbyprojekte als Hauptsystem. Heißt kleinere Distros beobachte ich zwar aber ich setze darauf nicht. Mir liegt viel daran, dass dem Herausgeber der Distro das Thema IT-Sicherheit etwas bedeutet. Aus dem Grund folgender vereinfachter Dreisatz:

  • Ubuntu
  • Fedora
  • openSUSE Tumbleweed

Diesen drei Distros gemein ist, dass dahinter eins der drei großen Linux Enterprise Unternehmen steht. Canonical hinter Ubuntu, Red Hat hinter Fedora und Suse hinter openSUSE. Da die drei Unternehmen mit ihren Produkten Geld verdienen, sind sie stets in der Pflicht den Business Kunden stets zeitnah Sicherheitsaktualisierungen zu liefern, was letztlich dann auch den Distros der Gemeinschaftsprojekten zugute kommt, wenn auch gleich bei Ubuntu Desktop nicht unterschieden wird. Ferner geht Ubuntu mit der Ausnahme einher, dass damit auch Derivate wie Linux Mint oder Kubuntu gemeint sind.

Ubuntu und Co empfehle ich Neueinsteigern und all denen, die ein einfach laufendes System haben möchten ohne sich zu sehr mit dem System selbst beschäftigen zu müssen, da es ja einfach laufen soll. Wer Ubuntu selbst einsetzt, muss auch nicht zwingend auf den LTS Versionen verweilen, sondern kann jederzeit auch auch auf den Zweig der Interimsversionen wechseln und erhält somit alle 9 Monate frische Softwarepakete.

Fedora empfehle ich denen, die ein sicheres System aber neuere Software haben möchten und das in kürzeren Intervall als bei Ubuntu. Fedora beliefert, anders als Ubuntu, auch neue Software während eines Versionszyklus. Bei Ubuntu wird das üblicherweise nicht gemacht, sondern die Softwarestände sind zum Release festgelegt. Fedora weicht das etwas auf ohne selbst so viel Bewegung wie rollende Distros zu haben.

openSUSE Tumbleweed empfehle ich all denen, die ein sicheres rollendes System haben möchten und damit nicht nur getestete Software, sondern für den Fehlerfall dank Snapper und BtrFS auch ein Auffangnetz haben möchten. Geht mit einer Aktualisierung mal etwas schief, so kann einfach der letzte valide Schnappschuss zurückgerollt werden und das System ist in wenigen Minuten wieder da.

Mein Fokus liegt also ganz klar auf wenigen Distros, die aus einem professionellen Umfeld kommen. Hobbyprojekte lehne ich ab. Im Laufe meiner Zeit mit Linux habe ich schon einige Distros kommen und gehen sehen. Zweimal war ich auch selbst mit dem Scherbenhaufen einer gestorbenen Distro konfrontiert. Und das muss man m.E. nach nicht haben. Falls Du jetzt irritiert bist, wieso Arch oder Arch-basierte Distros hier völlig rausfielen, dann liegt das einerseits am KISS Prinzip, andererseits an der Konstitution von Arch. Ich muss nicht mehr alles selbst aufbauen. Wenn ich minimal mag, dann reicht mir z.B. die minimale Installation von Ubuntu. Im Alter wird man vielleicht etwas fauler und konzentriert sich nicht mehr bis auf das allerletzte technische Detail, sondern ehr auf das Große und Ganze. Hinter Arch, Manjaro, EndeavourOS oder Garuda stehen nun mal keine Enterprise-Unternehmen. Und daher kommen sie für mich nicht in Frage. Das kann bei dir anders sein. Von daher alles gut.

Standesdünkel und Umgangsformen

Lass Dich auch nicht beirren, wenn Du 3 Leute fragst und 5 Antworten bekommst. Das ist der ganz normale Wahnsinn. Doch was mich oftmals etwas stört, ist eine gewisse Form von Standesdünkel. Die begegnete mir in meiner Laufbahn sowohl bei Mac- als auch bei Linux-Anwendern. Und zwar ein elitärer Anspruch, der mit der getroffenen Wahl einhergeht.

Bei Apple Kunden mag das das Statussymbol sein, was jeder sehen kann, sofern das Objekt der Begierde mit einem Apfel geziert ist. Bei Linux Anwendern fiel mir das in einer anderen Form auf. Hier wird es oftmals durch das süffisante „BTW I use Arch“ ausgedrückt. Was soll man dazu dann großartig sagen? Ich denke Arch Nutzer werden quantitativ gesehen nicht den dominanten Teil unter den Linuxnutzern ausmachen. Dennoch sind sie bestrebt die Sichtbarkeit von Arch überproportional auszudrücken. Hier frage ich mich manchmal schon ob es Geltungsdrang ist oder was dahintersteckt. Ich sage mir dann immer, dass wer die Arbeit sich Arch einzurichten auf sich nimmt, dann sicher stolz auf sich ist und lediglich das mitteilen will. Liest man dann aber weiter, drängt sich einem der Eindruck auf, es handele sich doch tatsächlich um ein elitäres Denken. Immerhin ist man im erlesenen Kreis der Befähigten oder so? Ich weiß es nicht. Für mich ist Arch eine tolle Distro, die vor allem dann voll durchschlägt, wenn man Lernen oder Wissen auffrischen möchte. Das möchte ich betonen, denn es soll nicht der Eindruck entstehen, dass ich Arch durch den Kakao ziehe. Aber für Praxistauglich hat es sich bei meinen Tests für mich nun mal nicht. Und was und wen ich so im Linuxumfeld kenne, ja da ist Arch nicht mit bei der Wahl der Distros dabei. Zufall oder nicht ist irrelevant. Ich besitze nicht den Geltungsdrang aller Welt proaktiv mitteilen zu müssen, welche Distro ich nutze. Von daher irritiert mich das immer bei manchen Archnutzern.

Fernab vom elitären Standesdünkel ist mir manchmal der Umgangston zwischen Linuxnutzern etwas ungehobelt oder roh. Liegt vielleicht auch Stück weit daran, dass alles virtuell läuft und Menschen bei virtuellem Umgang dazu neigen weniger Hemmschwellen zu haben als im Rahmen eines persönlichen Gesprächs. Ja ich weiß, wenn man im Forum von einem Neuanfänger zum hundertsten Mal dieselbe Frage gestellt bekommt und genau weiß, dass der Pappenheimer zu faul war sich durch bisherige Themen zu lesen, dann ist das nicht aufbauend. Aber muss man es jedem dann gleich unfreundlich um die Ohren hauen? Ist ein generelles Problem mit Diskussionen im Internet, die von vielen noch gefühlt anonym ablaufen. Ich beobachte hier oftmals einen ziemlich respektlosen Ton, was für mich auch der Grund ist an gewissen Stellen nicht präsent zu sein. Ich hatte das früher. Ich war in verschiedenen Foren auch mal als Moderator unterwegs, auch mal Admin. Ich kenne das. Es ist ein altes Lied und wird auch nie enden, wenn wir nicht mit dem inneren Schweinehund hart ins Gericht gehen.

Also daher mein Appell: Geht respektvoll miteinander um, auch bei kontroversen Meinungen. Auch wenn man nicht der Meinung des anderen ist, kann man das diplomatisch mitteilen und muss ihn nicht durch den Dreck ziehen. Ich beziehe mich hier nicht auf spezielle Einzelfälle, sondern als pauschalen Aufruf. Ich bin froh, dass die Diskussionen auf meinem Blog und auf meinem YouTube Kanal doch ziemlich gepflegt und sachlich laufen. Das freut mich. Doch ist das nicht repräsentativ. Aber trotzdem aktuell.

Also egal ob Du Debian, Ubuntu, Manjaro, Garuda, Kubuntu, Tails oder Slackware nutzt, ist alles gut und wenn Dir Dein System gefällt, was willst Du dann mehr? Das ist der ideale Punkt und ich hoffe Du hast ihn gefunden. Linux darf man nicht als ein ganzes verstehen, sondern jede Distro ist ein Teil von einem Großen und Ganzen. Ich könnte auch gut leben gäbe es nur 20 oder 30 Distros aber hey…. Ich werde es verkraften, wenn es mehr gibt. Nicht jede Raupe wird ein Schmetterling. So wird auch nicht jede Distro ewig unter uns verweilen. Hält man sich an die größeren und älteren Distros, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit eines unangenehmen Endes ganz rapide. Das noch als kleiner Tipp am Schluss.

Ich hoffe mit diesem Beitrag konnte ich die relevanten Linux Distributionen und die Themen um diese sortieren. Dies ist übrigens nur der erste Teil einer Zweiteilerserie. Den zweiten Teil gibt es planmäßig zu den Tux Tagen 22, also im November. Dort schauen wir uns dann die verschiedenen Desktops an. Vielen Dank für die freundliche Aufmerksamkeit und noch viel Spaß auf der Kielux.

Macht es gut. Euer Michl aus Franken vom Kanal MichlFranken.


2 Kommentare

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  1. Eine echte Doku über Linux! Top!
    Das video ,44 min , die sind wie im Flug vergangen. Unterhaltsam, erkenntnisorientiert und toll gemacht.

    Danke Michel, hat mir sehr gefallen! 🤩

    beste Grüße