Linux Lite 5.0 – „einfach – schnell – frei“ oder einfach sinnfrei?

Hey Leute, Linux Lite ist eine aus Neu Seeland stammende Linux Distribution, die auf Ubuntu LTS Unterbau aufsetzt. Mit hübscher XFCE Oberfläche möchte Linux Lite als benutzerfreundliche und einfach zu benutzende Alternative auffallen. Was Linux Lite auszeichnet oder ob wir hier nur den Fork vom Fork abfrühstücken, das schauen wir uns heute mal näher an. Bleibt dran.

Über die Distribution

Linux Lite baut auf Ubuntu 20.4 LTS auf und kommt mit XFCE Oberfläche. Den Anspruch benutzerfreundlich zu sein haben viele Linux Distributionen. Vielen gelingt das zwar schon, doch verschwindet zunehmend die Diversifizierung zwischen den Distributionen. So stellt sich die Frage was Linux Lite besser machen möchte als Xubuntu oder Ubuntu oder Debian.

Linux Lite möchte sowohl zuhause, bei der Arbeit, im Büro und beim Spielen das Betriebssystem der ersten Wahl sein. Hier wird der Anspruch für Leute, die neu sind in der Linuxwelt, eine Anlaufstelle zu bieten. Weiter möchte man schnell und einfach in der Handhabung sein.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Videos und Blogartikels wird Linux Lite auf Distrowatch auf Platz 24 geführt.

Download

Über die Projektwebseite linuxliteos.com könnt Ihr das ISO Abbild herunterladen. Einfach oben auf Download, dann Download. Nun können wir die 64bit Edition von Linux Lite 5.0 herunterladen indem wir „Download 5.0 ISO“ anklicken.

Installation

Zunächst starten wir in den Live Modus. Kurz darauf geht es los und ein Willkommensbildschirm begrüßt uns. Auf dem Desktop habe ich auf „Install Linux Lite“ geklickt. Wir wählen zunächst Deutsch als Sprache aus, gefolgt von der deutschen Tastaturbelegung. Leider war keine minimale Installation möglich. Ich habe die Aktualisierungen hier nicht ausgewählt, habe lediglich die Drittanbieterpakete installieren lassen. Die ganze Platte löschen habe ich gewählt und auf „Jetzt installieren“ geklickt. Die Frage nach Formatierung etc habe ich mit weiter bestätigt. Im nächsten Schritt wählen wir unsere Zeitzone aus. Nun erstellen wir uns unseren Benutzer. Danach klckt Ihr auf weiter. Die Bildchen sind ganz informativ und gut gemacht. Lohnt sich anzuschauen. Sobald die Installation abgeschlossen ist, könnt ihr Live weiter spielen oder ihr klickt wie ich auf „Jetzt neu starten“.

Hier sollten alle ans Ziel kommen. Der Installer ist klar und verständlich. Nach dem ersten Start fragte mich das System ob ich die Ordner im Heimverzeichnis auf Deutsch übersetzen lassen will. Das habe ich mit Update Names durchgeführt. Danach landen wir beim eigentlichen Willkommensassistenten, der unter Start here sehr sinnvolle Punkte zusammenfasst.

Eckdaten: Auslastung Plattenplatz

Nach der Basisinstallation sind 7,7 GB der Platte belegt. Nachdem nun alle Aktualisierungen in den Bauch geladen sind, liegt die Auslastung bei 8 GB.

Eckdaten: Arbeitsspeicherverbrauch RAM

Der initiale Benchmarkwert liegt bei 515MB und ist damit ziemlich im vorderen Bereich. Beachtet aber, daß wir hier von einem idealen Wert sprechen. Habt Ihr Programme auf, steigt der bedarf an Arbeitsspeicher.

Desktop

Linux Lite liefert XFCE 4.14.3 (xfce-panel –version) aus.

Das Konzept ist so gesetzt um Wechsler aus dem Windowslager einen einigermaßen vertrauten Desktop anzubieten. Doch wer von Windows 10 kommt, wird sich ehr in einer Windows 7 vergleichbareren Oberfläche wiederfinden. Doch alles der Reihe nach. Wir haben unten eine Leiste, vergleichbar der Taskleiste, die links das Startmenü birgt. Daneben kommt die Funktion den Desktop anzuzeigen, also alle geöffneten Fenster zu schließen, gefolgt von Programmschnellstartern, die frei konfiguriert werden können. Mittig sind die geöffneten Programmfenster. Auf der rechten Seite kommen zunächst die Arbeitsflächenumschalter gefolgt von Steuerelementen, was mit der Uhr ganz rechts endet.

Transparenzeffekte finden wir selten. Lediglich im Terminal fiel es mir auf.

Beim Erscheinungsbild wird auf Adapta und Adapta-Nokto für hell und dunkle Akzente gesetzt. Dazu gibt es noch Adwaita und Graybird, jeweils auch für hell und dunkel. Analog dazu werden bei den Symbolen die Papirus-Adapta und Parirus-Adapte-Nokto Symbole zum Einsatz gebraucht. Es gibt noch weitere Abwandlungen von z.B. Papirus oder Gnome.

Insgesamt werden 22 Hintergrundbilder mitgeliefert, die zumindest für den Start genügen. Versteht mich nicht falsch, sie sehen schon gut aus, zumindest die 14 Stück, die nicht mit dem Linux Lite Logo daherkommen.

Insgesamt wird ein arbeitsfähiger Desktop geliefert, dem es aber gerade für Einsteiger an Anpassungsmöglichkeiten und Feineinstellungen für Individualisierung fehlt.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.4.0-45-generic
  • Browser: Firefox 80.0.1
  • E-Mail Client: Thunderbird 68.10.0
  • Office: LibreOffice 6.4.5.2 40
  • Software-Container: Flatpak und Snap sind nicht vorinstalliert.

Allgemein vorinstallierte Software:

Hier glänzt Linux Lite. Es sind für alle Bereiche die nötigsten Werkzeuge dabei aber nicht mehr als nötig. Keine Spiele oder sonstiger Schnickschnack. Sehr gut.     

Besonderheiten

Linux Lite hat eine sehr vorbildliche Dokumentation aufgebaut, die bebildert auch Neueinsteiger sehr gut helfen dürfte.

In den Einstellungen von XFCE finden wir zahlreiche Lite Programme unter System. Das sind kleinere Helferchen, die recht selbsterklärend sind. Lite Tweaks ist in meinen Augen das interessanteste Werkzeug, denn es bietet die Option der Reparatur von z.B. Bootup fix oder Kernel Installer oder zur Konfig von TLP. Auch die zRAM Speicherverwaltung können wir auf Knopfdruck aktivieren. Lite Welcome kann hier auch nochmal nachträglich aufgerufen werden.

Linux Lite unterstützt auch HiDPI Einstellungen.

Die Firewall Konfiguration kann nur die Firewall starten, stoppen oder Status zeigen. Wo bitte ist hier die Option Regeln zu setzen? Leider bekleckert man sich hier nicht mit Ruhm, wenn Linuxanfänger FW Regeln via Terminal setzen sollen. GUFW als Helfer löst dies besser.

Linux Lite unterhält ein eigenes Repository. Wie wir via Synaptic Paketverwaltung sehen können, sind dort derzeit nur lite Tool Pakete drin. Also keine kritische Komponenten.

Fazit

Linux Lite ist eine einsteigerfreundliche Linux Distribution. Doch warum ich mir Linux Lite installieren sollte, wenn ich doch Debian, Ubuntu oder Xubuntu oder eine andere Distro mit XFCE installieren könnte, erschließt sich mir leider nicht. Versteht mich nicht falsch, die Ansätze, vor allem mit der Dokumentation, sind wirklich sehr gut. Doch muß ich für jede kleine Idee eine eigene Linuxdistribution aus dem Boden stampfen? Ich denke nicht. Linux Lite hat unbestreitbar ein paar sehr interessante Impulse mit den Lite Tools. Hätte man diese in Xubuntu intergieren können, wäre das für alle vermutlich besser gewesen.

So zeigt sich meiner Meinung nach auch die negative Schattenseite der Linux-Streuwiese. Es entstehen kleinere Distributionen, die zum Teil auch gute Ideen verfolgen. Doch ob diese jemals zu einem größeren Verbreitungsgrad kommen werden, halte ich für unwahrscheinlich. Hier gibt es bereits Alternativen, die sich selbst keine Fehler leisten.

So komme ich zu dem Ergebnis, daß Linux Lite kaum einer Empfehlung wert sein dürfte. Zu wenig Impulse, die eine eigene Distribution rechtfertigen. Oder anders gesagt: Das, was Debian und Ubuntu scheidet, vermisst man hier zwischen Linux Lite und Xbubuntu. Ferner ist mir auch schleierhaft wie diese Distro auf Distrowatch den Platz 24 für sich heimsen kann. Klar ist Distrowatch nicht wirklich repräsentativ aber ein gewisser Indikator ist es schon.

Sofern dem Projekt eines Tages die Puste ausgehen sollte, erlebt man vermutlich nicht den Antergos Effekt, da im Lite Repo kaum etwas relevantes oder sicherheitskritisches drin ist. Im Zweifelsfall erhält man die Aktualisierungen über die standardmäßig eingebundenen Ubuntu Repositorys.

Alternativ würde ich als einsteigerfreundliche Distribution mit XFCE Desktop Xubuntu oder Linux Mint XFCE, Manjaro XFCE oder eine andere, größere Distro mit XFCE nutzen aber ich würde Linux Lite nicht empfehlen.

Hoffentlich bin ich jetzt niemanden mit Linux Lite im Einsatz auf die Füße getreten. Ich bin zu diesem Ergebnis feststellend und nicht wertend gekommen. Also seht es mir einfach nach, wenn ich ggf zu einer anderen Meinung komme als manche von Euch. Falls Dir meine Videos gefallen und Du Lust auf mehr hast, kannst Du gerne ein Abo meines Kanals hier lassen. Wer von Euch auch gerne Artikel liest, findet auf meinem Blog michlfranken.de immer den Artikel zum Video und noch vieles mehr. Falls Du Anregungen hast, in den Kommentaren ist Platz dafür. Ansonsten bleibt mir nur noch einen schönen Tag zu wünschen. Machts gut Leute. Bis bald und bleibt gesund.

Das zu diesem Artikel korrespondierende Video kann auf meinem YouTube Kanal hier angeschaut werden.

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3 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Artikel.
    Ich habe Lite seit 1.06 laufen. Die positiven Seiten sind ausführlich beschrieben. Wer das Terminal gern meidet, ist mit den Werkzeugen, die Lite bietet gut bedient. Jedoch, wer ins Forum schaut, weiß, es hängt alles an Jerry.

  2. @Linuxkumpel: Was macht das Projekt und was machen die Nutzer wenn Jerry vom Fahrrad fällt und sich beide Arme bricht? Das ist für mich immer der Knackpunkt bei kleineren Distributionen. Da kann Ruckzuck das Licht ausgehen oder der Antergos-Effekt eintreten ohne das jetzt beschwören zu wollen.

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