MX Linux 19.2 KDE Desktop – konservatives Arbeitstier?

MX Linux hat kürzlich auf Wunsch der Anhängerschaft hin seine beliebte auf Debian aufsetzende Distribution mit KDE Plasma Desktop veröffentlicht. Wie sich das neue Duo aus MX Linux und KDE Plasma schlägt, dem gehen wir heute gemeinsam auf den Grund. Bleibt dran.

Über die Distribution

MX Linux eroberte die Herzen seiner Anhänger im Sturm. Die Basis von MX Linux ist Debian Stable, doch bessert MX Linux an verschiedenen Stellen entschieden nach und konnte sich so binnen kürzester Zeit eine beachtliche Reputation aufbauen. Doch hier ist noch nicht Ende der Fahnenstange. Die Entwickler hören allen Anschein nach auch die Wünsche der Gemeinschaft und stellten kürzlich die neueste Edition vor: MX Linux mit KDE Plasma statt Xfce oder Fluxbox. Dafür verdient das Projekt Respekt. Denn ohne eine Gemeinschaft im Rücken wird man auf Dauer nicht erfolgreich sein.

Der Architektur-Unterbau von MX Linux 19.2 ist Debian 10.5. MX Linux aktiviert jedoch das Repository „Advanced Hardware Support“ (AHS). Darunter dürft Ihr Euch in etwa ein Konzept ähnlich dem Hardware Enablement Stack bei Ubuntu vorstellen. Man möchte also frische Kernel und aktuelle Grafik-Stacks anbieten. Das klingt schon mal vielversprechend.

Download

Wir navigieren auf mxlinux.org und dann auf „Download“. Anschließend entweder auf „Direct Repo“ klicken oder via Klick auf „Mirrors“ einen Spiegelserver in der Nähe suchen. Ich habe dann mit VirtualBox weitergemacht und MX Linux 19.2 installiert

Installation

Der Installer führt ohne Probleme zur Installation auf die Platte. Hier konnte ich keine Probleme oder dergleichen erkennen. Da ich in einer VM installiert habe, habe ich direkt zum Beginn „Virtual Box Video“ ausgewählt. Installiert Ihr auf physikalischer Hardware, wählt Ihr natürlich MX-19.2 KDE, also den Eintrag darüber aus. Danach geht’s auch direkt weiter im Live Modus und ein Willkommensassistent begrüßt uns. Ich haben hier oben links direkt auf „Installer“ geklickt. Der MX Linux Installer hat mich sehr positiv überrascht. Es ist halt mal was anderes und er funktioniert wie geschmiert. Doch alles der Reihe nach. Zunächst wählen wir die Tastaturbelegung aus. Ich habe von US auf Deutsch umgestellt und Next geklickt. Bei der Partitionierung bin ich leidenschaftslos durch und habe die ganze Platte formatieren lassen und in dem Fall auch auf Verschlüsselung verzichtet. Es geht weiter mit Next und wir quittieren mit Yes, daß wir die ganze Platte formatieren und für MX Linux verwenden wollen. Nach einer kleinen Weile gelangen wir an diese Stelle, an der es von alleine zunächst nicht weitergeht. Oben steht ja auch, daß der Prozeß pausiert ist, da Eingaben erwartet werden. In diesem Zug habe ich bei der Installation vom Grub Bootloader nichts verändert und auf Next geklickt. Es geht weiter mit dem Computernamen. Hier dürft Ihr Euch kreativ austoben. Ist dies erledigt, geht es mit Next zum nächsten Schritt, in dem wir Angaben zur Zeitzone etc machen dürfen. Habt Ihr alles passend konfiguriert, geht es mit Next zur Benutzererstellung. Hier erstellt Ihr einfach den passenden Benutzer. Ich habe noch Autologin gewählt und danach auf Next geklickt. Jetzt kommen wir in die Endphase der Installation und nur wenige Augenblicke danach haben wir es geschafft. Ist der Haken bei „Automatically reboot“ gesetzt, wird nach Klick auf Finish der Live-Modus heruntergefahren und unsere installierte Instanz anschließend gestartet.

Das war eine durchaus nette Alternative zu Calamares und bis auf die Tatsache, daß der Installer zur Grub Konfiguration auf weitere Eingaben wartet, lief alles sehr gut. Im Prinzip ist das auch nicht weiter dramatisch, man muß ja nur lesen. Doch von Calamares ist man es halt anders gewohnt und so war das mal eine angenehme Abwechslung.

Eckdaten: Auslastung Plattenplatz

Nach der Grundinstallation krallt sich MX Linux 19.2 mit KDE direkt 6,9 GB von Eurer Platte.

Sind Aktualisierungen etc drin liegen wir bei 7,1 GB. Das ist Mittelfeld und nicht weiter schlimm. Wir haben ja KDE als Desktop.

Eckdaten: Arbeitsspeicherverbrauch RAM

Der initiale Benchmarkwert liegt bei 661MB. Das ist ein normaler Wert. KDE ist hier mittlerweile ziemlich gut installiert aber meine Tests zu KDE Neon, Kubuntu oder Neptune zeigten ja, daß wir hier in einer normalen Größenordnung liegen. Da KDE sehr viele Effekte etc bietet, ist das eine gute Optimierung meiner Meinung nach.

Desktop

MX Linux 19.2 liefert KDE Plasma in Version 5.14.5

Damit verwendet MX Linux KDE Plasma aus dem Debian Repository, was für einige bedeutet, daß die Software nicht taufrisch ist. Dafür dürfen wir eine exzellente Stabilität erwarten.

Konzeptionell wird ein traditioneller Desktop ausgeliefert, in dem Umsteiger von z.B. Windows 7 sich sehr heimisch fühlen dürften. Wir bekommen unten eine Leiste mit einem Startmenü links, gefolgt vom Umschalter für die Arbeitsflächen. Danach kommen verschiedene vorkonfigurierte Schnellstarter wie z.B. Einstellungen, Dateibrowser und Webbrowser. Nachgelagert werden die geöffneten Fenster gezeigt. Im rechten Feld der Leiste sind Steuerelemente wie Systemlast, MX Updater, Netzwerk, Lautstärke, Uhr und ganz rechts kommt eine Schaltfläche zur Leisteneinstellung.

Im Bereich Arbeitsbereich-Design werden drei Themen mitgeliefert: Die Standard KDE Breeze-Themes für hell und dunkle, sowie das MX Thema, was genau genommen ehr wie eine feinabgestimmte Kombination aus beiden Breeze Themen ist. Beim Arbeitsflächen-Design wird nebst Breeze noch Air und Oxygen mitgeliefert. Wer farblich mehr feineinstellen möchte, kann im Bereich Farben sich nach Herzenslust austoben. Bei den Symbolen setzt MX Linux auf Papirus, liefert noch Papirus Adaptionen nebst Breeze, Adwaita und Gnome aus. Im Anwendungsstil können Bedienelemente und Fensterdekoration im üblichen Umfang angepaßt werden. Hier hat man sich nicht weit weg vom KDE Standard hinausgewagt, was dem Gesamtbild jedoch keinen Abbruch tat. Wer hier mehr erwartet hätte und entsprechend sich üppiger ausstatten mag, findet in KDE immer unten rechts die Schaltfläche wie z.B. beim Erscheinungsbild „Neues Erscheinungsbild holen…“. Da bekommt Ihr alles und noch mehr.

Bei der Sammlung an mitgelieferten Hintergrundbildern läßt man sich auch nicht lumpen. Was da mitkommt, sieht gut aus und dürfte alle Geschmäcker treffen.

Der Desktop ist insgesamt minimal angepaßt. Wir finden keine großartigen Spielereien und sind ehr mit konservativen Anpassungen versorgt. Das macht einen soliden Eindruck.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.6.0-2-amd64
  • Browser: Firefox 79.0
  • E-Mail Client: Thunderbird 68.11.0
  • Office: LibreOffice 6.1.5.2 10
  • Flatpak oder Snap: Snap ist nicht vorinstalliert, Flatpak ist in Version 1.2.5 mit an Bord.

Allgemein vorinstallierte Software:

MX Linux stellt die mitinstallierte Software mit einem gewissen Maß an Bedacht zusammen, das merkt man. So haben wir z.B. Midnight Commander mit dabei. So Schnitzer wie bei meinem Test zu MX Linux 19.1 XFCE mit vorinstallierten Adobe Flash Player konnte ich hier nicht feststellen. Gut, ob KPPP für Modemeinwahl noch dabei sein muß, ist strittig und die Spiele hätte ich weggelassen. Darüber hinaus sieht es sehr solide aus.

Obendrein haben wir eine große Anzahl an MX Tools dabei aber genau diese zeichnen diese Distribution auch aus, da es unzählig viele kleine Helferchen sind, die zusammen ein rundes Portfolio ausmachen.

Besonderheiten

Im Rahmen der Installation erwähnte ich kurz den Willkommensassistenten, auf den ich jetzt kurz zurückkommen möchten. Dieser führt kurz zu den wichtigsten Zielen direkt nach dem Einstieg in MX Linux. Das gefällt mir konzeptionell gut, wenn auch gleich ich die Symbole nicht schwarz, sondern bunt halten würde. Dann sähe das frischer aus.

Doch was ich für eine ausgesprochen positive Seltenheit halte, ist die Tatsache, daß es im Willkommensassistenten ein Impressum gibt. Gut, das ist jetzt nicht so ganz umfangreich wie wir es in Deutschland von Internetseiten gewohnt sind, gibt aber grob eine Richtung vor, wohin man sich begeben muß.

Wem die KDE 5.14.5 Basis zu alt ist, braucht sich nicht zu sehr um alte Software zu sorgen. Im MX Paketinstaller stehen dank Backports, Debian Testing-Repo und Flatpak auch aktueller Softwarepakete bereit. Neben dem MX Paketinstaller könntet Ihr auch mit Muon Paketverwaltung arbeiten.

Fazit

MX Linux 19.2 mit KDE konnte auf mich einen ziemlich positiven Eindruck machen. Im Rahmen meines Tests der XFCE Version war ich nicht so ganz angetan. Warum also jetzt? Das liegt an verschiedenen Dingen. Einerseits gefiel mir bei der XFCE Ausgabe das Desktop-Konzept mit der Leiste links überhaupt nicht. Weiter war diese XFCE Anpassung auch überhaupt nicht mein Fall. Hier haben wir mit KDE einen ganz anderen Desktop am Start und das Konzept ist auch nicht so wie bei der XFCE Version seinerzeit. Das sind schon mal zwei Kriterien, die gleich beim ersten Eindruck positiv auffielen.

Was ich aber gesondert kurz anmerken wollte. Die Kritik auf meinen Test von MX Linux 19.1 XFCE war teilweise nicht wirklich positiv. Das ist grundsätzlich auch kein Problem. Es stört mich nicht im Geringsten auch mal ein Kontrapunkt zu sein. Doch ich lese Eure Kommentare sehr gründlich und nehme diese auch immer wieder gerne als Grundlage meine Bewertung zu reflektieren. Nicht in dem Sinne wie ich mir die Zuneigung der Kommentatoren erschleimen könnte, sondern was Euch bewegt das zum Teil so konträr anders zu sehen. Das ist echte Kritik, die sich dann auch für mich heilsam auswirkt. Während ich demnach den Mehrwert der ganzen Distribution beim Test von MX 19.1 mit XFCE nicht so ganz erkennen konnte, kristallisiert es sich nun besser heraus.

Wir haben eine unglaublich robuste und stabile Debian Basis, die selektiv mit neueren Paketen kommt. Obendrauf gibt’s als Schmankerl die ganzen nützlichen kleinen Helferchen. Als I-Tüpfelchen empfinde ich die Tatsache, daß die Entwickler auf Wünsche und Anregungen der Gemeinschaft reagieren und entsprechend mit dieser Ausgabe dieses Gemeinschaftsverständlich manifestierten.

Das alles scheint zu genügen, sodaß diese junge Distribution, die gerade mal drei Jahre auf dem Buckel hat, auf Distrowatch die Liste der beliebten Distros anführt. Das ist natürlich kein in Stein gemeißelter Beweis aber schon ein gewisser Indikator. Ein Teil der Entwickler hat ja zumindest mit MEPIS Linux schon Erfahrung im Distro-Bau gesammelt. Jedenfalls gefällt es unter Euch vielen was MX Linux macht und wie sie es machen und das trägt zum Bild ja auch ein Stück weit bei. Ich werde MX Linux im Auge behalten.

Fein, dann sind wir mit dem Test von MX Linux 19.2 durch. Ich hoffe ich konnte Euch die wichtigsten Dinge gut erklärt zusammenstellen. Wenn Du mir ein Kanal-Abo da lassen würdest, würde mich das sehr freuen und obendrein verpasst Du künftig keine Videos mehr auf meinem Kanal. Wer von Euch kann sich vorstellen auf MX Linux zu wechseln? Schreibt das doch bitte mal in die Kommentare rein. Auf meinem Blog michlfranken.de findet ihr immer den jeweiligen Artikel zum Video zur Nachlese.

Das zu diesem Artikel korrespondierende Video kann auf meinem YouTube Kanal hier angeschaut werden.

Also macht’s gut, bleibt gesund und bis zum nächsten Video. Ciao

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