Fedora 36 – Alles, was Du wissen musst


Hallo Leute, die Linux Distribution Fedora ist die Upstream Distro im Hause Red Hat, bei der neue Technologien entwickelt und zur Marktreife gebracht werden. Mit Fedora 36 steht nun der nächste Schritt an und alles weitere, was Ihr über Fedora 36 wissen müsst, gibts jetzt im Beitrag. Viel Spaß.

Über Fedora

Fedora spielt in der Red Hat Wertschöpfungskette einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag. Zwar wird Fedora nicht durch Lizenzgebühren monetarisiert, doch setzen wir den Blickwinkel im richtigen Winkel an, so sehen wir, dass bei Fedora alles anfängt. Konkret wird hier die Entwicklung der ganzen Nahrungskette von Red Hat betrieben. Fedora darf experimentieren. Neue Technologien werden hier erprobt und könne auch einmal Regressionen mit sich bringen. Das ist kein Beinbruch. Immerhin ist Fedora genau dazu da, die Paketintegration an vorderster Stelle zu betreiben.

So kann Fedora nicht nur bei Entwicklern, sondern auch bei Desktop Anwendern zu gefallen wissen. Es bringt sehr neue Pakete und Technologien. Das ist für genannte Zielgruppen durchaus interessant. Im Umkehrschluss muss man jedoch regelmäßig Systemupgrades durchführen, denn bei Fedora kommen halbjährlich neue Versionen heraus und zeitgleich werden kurzzeitig drei Versionen gepflegt, wobei die älteste und die neueste Version nur kurzzeitig Support haben. Konkret werden mit der jetzigen Veröffentlichung von Version 36 die Lichter bei Version 34 bald ausgehen. Die Übergangszeit ist mit etwa einem Monat nur kurz. Wenn Du noch mit Version 34 unterwegs bist, musst Du entweder auf Version 35 oder gleich auf Version 36 gehen.

Der Vorgänger ist Fedora 35 und der Nachfolger wird Version 37 werden, die im Oktober 2022 planmäßig erscheinen wird.

Was ist neu?

  • Linux Kernel 5.17
  • Neue Desktops: Gnome 42, KDE Plasma 5.24, Xfce 4.16
  • Systemweiter Dark Mode
  • Leistungsverbesserungen in Mutter und Gnome Shell
  • Neue Texteditor App
  • Neue Screenshot App

Die offizielle Ankündigung gibt es hier.

Distributionsmodell

Fedora ist weder statisch noch rollend. Man könnte fast von semi-rollend sprechen, denn einerseits sind schon definierte Softwarestände, andererseits gibt es Komponenten, die z.B. der Linux Kernel, die fortlaufend aufgefrischt werden.

Architektur

Fedora 36 könnt Ihr sowohl für ARM (aarch64) als auch für klassische 64-bit Architektur (x86_64) herunterladen.

Paketverwaltung und natives Paketformat

Fedora nutzt als Paketverwalter DNF um RPM Pakete zu organisieren.

Inbetriebnahme / Download von Seite

Wenn Ihr bei Fedora einsteigen möchtet, müsst Ihr Euch das ISO Abbild herunterladen und auf ein USB Gerät oder DVD brennen. Ist das ISO vollständig heruntergeladen, solltet Ihr es verifizieren. Wie das geht, habe ich bereits in einem separaten Beitrag gezeigt. Einfach mal Reinschauen, sollten da Unklarheiten sein.

Inbetriebnahme / Installation

Ist das ISO auf der Platte und erfolgreich geprüft, kannst Du installieren. Um den Rahmen dieses Videos nicht zu sprengen, verweise ich auf meinen Test von Fedora 33, in dessen Rahmen die Installation dokumentiert wurde. Den Installationsprozess kannst Du Dir gerne einmal anschauen. Ich denke dadurch sollten alle Unklarheiten geklärt werden. Auch hier einfach mal einschalten, sollten da Unklarheiten sein.

Hacks und wichtige Befehle (Aktualisierung, Suchen etc)

Folgende Befehle sind für mich die wichtigsten bei Fedora:

System aktualisieren

sudo dnf update

Nur Security Patches einspielen

sudo dnf check-udpate --security

Flatpak auffrischen

sudo flatpak update

Vollautomatisierte Kette:

sudo dnf update -y && sudo flatpakt update -y

Hinweis: Das Einspielen von nur Security Patches ist bei CentOS oder RHEL besonders interessant, da deren Fokus auf Stabilität im Serverumfeld ist. Bei Fedora ist der Fokus ein anderer, daher würde ich hier nicht dazu raten nur Sicherheitspatches einzuspielen, sondern alle Pakete auf neuesten Stand zu halten, wie Fedora es anbietet. Wenn Dir die Frequenz bei Fedora zu hoch ist, ist diese Distro vermutlich über kurz oder lang nicht die beste Distro für Dich.

Zielgruppe

Fedora ist besonders interessant für Entwickler, die die neuesten Schnittstellen etc benötigen aber auch für gewöhnliche Desktop Anwender, denen die Paketstände anderer LTS Distros wie Ubuntu oder Debian zu alt sind.

Performance, Desktop &, Programme

Systemvermessung

Nach dem Einspielen aller Aktualisierungen liegt bei meinem System die Plattenplatzauslastung bei 4,6 GB.

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum lag bei mir bei etwa 930 MB RAM.

Vergleichen wir kurz mit Fedora 35: Hier kralltes ich das System 4,6GB von der Platte und etwa 970MB RAM. Wow jetzt könnte man ja fast staunen, denn wir haben fast eine Punktlandung.

Anzahl installierter Pakete nach erstem Start

Bei der normalen Installation mit Gnome Desktop sind bei mir 1798 Pakete vorinstalliert.

Das findest Du heraus mit diesem Befehl: sudo rpm -qa | wc -l

Desktop Oberfläche und Konzept

Wie bei Fedora üblich, kommt die neueste, verfügbare Gnome Version mit. So wird hier die brandneue Gnome 42.0 Version ausgeliefert.

Fedora 36 mit Gnome 42.1

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit der Beta-Version von Fedora 36 erstellt. Zum damaligen Zeitpunkt war Gnome 42.0 vorinstalliert. Mit der Finalversion wurde u.a. Gnome 42.1 ausgeliefert.

Und auch hier grüßt täglich das Murmeltier, denn Fedora führt die Tradition mit Vanilla Gnome fort. Was das heißt? Nun man verzichtet auf Anpassungen am Desktop bzw. System. Lediglich Hintergrundbilder werden mitgeliefert, ansonsten nichts. Keine Addons oder sonstige Modifikationen.

Dich erwartet also ein leerer Schreibtisch ohne Leiste oder Startmenü und dergleichen. Liegt daran, dass Gnome sich gerne über Touchgesten bedienen lässt. Da ich diese nun schlecht demonstrieren kann, beschränken wir uns auf die gute alte Desktop Bedienung, wie es alle anderen Desktop Betriebssysteme auch tun. Um also eine Reaktion auszulösen, musst Du oben links auf „Aktivitäten“ klicken, um entweder nach etwas zu suchen oder unten im Dock eins der Favoritenprogramme zu starten. Auch gibt’s unten rechts im Dock die 9 Punkte. Klickst Du da drauf, dann kommt das Gnome Launchapd, wo eine Übersicht über alle installierten Apps angeboten wird.

Hier könnte Dir bereits die Diskrepanz mit Gnome aufgefallen sein. Wenn Du kein Notebook mit Touchpad hast, bist Du quasi schon ausgeschieden, denn Du kannst keinerlei Touchgesten ausführen, wenn Du kein externes Touchpad hast. Selbes gilt, wenn Du Dein Notebook mit Docking Station betreibst und es vielleicht platzsparend zugeklappt betreibst.

Wie auch immer, bei Fedora mit Vanilla Gnome wird für mich die immer breiter werdende Kluft mit Gnome deutlich sichtbar. Gnome entwickelt sich ganz klar weg vom klassischen Desktop mit Mausbedienung. Wenn Du ein einigermaßen brauchbares Desktop-Erlebnis bevorzugst, bist Du auf mehrere Erweiterungen angewiesen, die zum Teil aber noch nicht für diese neue Gnome 42 Versionen verfügbar sind. Ergo bist Du dann aufgeschmissen und solltest noch etwas Zeit mit Fedora 35 aussitzen, zumindest bis die Entwickler Deiner benötigten Erweiterungen aus der Hose kamen und diese an Gnome 42 anpassten. Doch dazu kann natürlich Fedora per se nichts. Sie liefern dieses Nutzererlebnis jedoch aus, daher erwähne ich es fairerweise an der Stelle, schreibe es aber nicht auf deren Sollseite der Rechnung.

Generell lässt sich die Gnome Bedienung und der Desktop nicht mehr gleichsetzen mit Windows oder macOS. Eigentlich keine schlechte Entwicklung, würde man sich nicht nur auf Touch-Bedienung konzentrieren respektive der Tatsache, dass es keinen Massenmarkt für Linuxtablets gibt.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.17
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: nicht vorinstalliert
  • Büropaket: LibreOffice 7.3
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

Kurz und gut, es ist ein minimales Paket für den Desktop mit dabei. Ein Mail-Client fehlt weiterhin. Leider hören die Entwickler von Fedora nicht auf kleinere YouTuber, denn dies vermisste und adressierte ich auch schon bei den Vorgängerversionen. Nun gut, da muss man sich halt nachinstallieren, was man mag, wie z.B. Thunderbird. Die generelle Vorauswahl ist für meinen Geschmack völlig in Ordnung.

Ach ja, solltest Du Software im App Store vermissen, hast Du evtl bei der Ersteinrichtung die Verwendung von proprietären Drittanbietern nicht zugestimmt. In dem Fall musst in Gnome Software auf oben rechts auf die drei Striche und dann bei Softwarequellen unten bei RPM Fusion einschalten, was Du brauchst.

Besonderheiten und Fazit

Fedora bekommt mit einem relativ überschaubaren Entwicklerteam hin, woran andere Distro zu kämpfen haben. Einen progressiven Desktop Ansatz, der regelmäßig aktualisiert und dann jeweils top aktuell daherkommt. Doch so schön das klingt, es gibt auch Bereiche, die Fedora völlig außen vorlässt. Dazu zählt, dass man auch keine Lösung für Sicherungen bzw. Backups mitliefert. Fedora setzt ja schon seit geraumer Zeit auf das Btrfs Dateisystem, verpasst es aber Timeshift für Schnappschüsse mitzuliefern. Schlimmer noch, seit Version 35 besteht ein Problem mit den Subvolumes in Verbindung mit Timeshift. Man muss Subvolumes selbst anlegen, also die passenden Subvolumes am besten gleich bei Systempartitionierung anlegen, damit alles passt. All das ist natürlich wieder mit Gefummel verbunden aber hey, Entwickler sind das scheinbar gewöhnt in den Augen von Fedora oder wie erklärt sich das, dass dieser Umstand seit Version 35 anhält? Bei Fedora 34 ging das noch klaglos und mit Version 35 wurde dieser Fehler m.W.n. auch gemeldet. Lösungsvorschlag Fehlanzeige. Ausgesprochen schade.

Fedora ist dennoch eine spannende Linux Distro, die aus einem gut gesitteten Haus kommt und seine Zielgruppe zu begeistern weiß. Ich persönlich hatte im letzten Jahr 3-4 Monate Fedora als Hauptdistro benutzt oder dies groß kund zu tun um einfach die Schlagkraft zu ermessen. Mir fiel in diesem Rahmen auf, dass es kein Äquivalent zu Synaptic bei Fedora gibt. Zwar gibt es Dnfdragora, doch ist man mal Synaptic gewohnt, holst Du mit Dnfdragora keine Katze hinterm Ofen hervor. Das ist langsam, fehlerbehaftet und stürzt auch gerne einfach mal ab. Alles andere als brauchbar. Gnome Software ist für mich auch kein echter Ersatz. Also hier sehe ich Luft. Aber wenn Du eingefleischter Fedora Anwender bist und einen Tipp hast, dann freue ich mich, wenn Du diesen in die Kommentare reinschreiben würdest.

Ansonsten sehe ich Fedora fast auf Augenhöhe mit openSUSE Tumbleweed. Beide sind die Speerspitze der RPM Distros und haben nicht nur ein hohes Maß an Substanz, sondern auch Tradition und Erfahrung. Beide sind Urgesteine und ich finde es super, dass es diese beiden noch gibt. Tumbleweed ist jedoch eine voll rollende Distro, die keine Versionen mehr herausbringt. Bei Fedora kommen ja halbjährlich Versionen heraus, die ein Upgrade benötigen. Das ist bei Tumblweed obsolet.

Fazit

Wo wir schon eben bei Tumbleweed waren, das wäre der schärfste Konkurrent zu Fedora in meinen Augen, wenn Dir bei Fedora etwas nicht gefällt, Du aber RPM Paketformat am Start haben magst. Wenn Du Gnome magst aber am Desktop das Vanilla Paket, wie ich, abwinkst, dann könnte auch Ubuntu 22.04 für Dich interessant sein.

Ich würde Fedora übrigens nicht als Einsteiger Distro bezeichnen, da es doch hier und da Stellen gibt, an denen man nur dann klarkommt, wenn man ein gewisses Wissen aufgebaut hat. Fedora ist aber gut geeignet für Entwickler und fortgeschrittene Desktop Anwender, die Ubuntu, Debian oder openSUSE Leap für zu langweilig empfinden. Mit Fedora bekommt Ihr halbjährlich frische und neue Technologie serviert, müsst Euch aber um ein paar Dinge selbst kümmern. Das nehmen andere Distros wie openSUSE Leap oder Ubuntu etwas einfacher ab. Speziell openSUSE bringt mit Snapper alles mit, um das Potential von btrfs und Schnappschüssen direkt von Start an voll auszukosten.

Also ganz deutlich, Fedora ist interessant und spannend aber sicher nicht perfekt und wie wir mit Timeshift sahen, ist grundsätzlich auch hier noch Luft nach oben. Wer Fedora einsetzt, wird auf den neuesten Stand gebracht und nimmt mit Gnome 42 einen größeren Technologiesprung einfach mal so mit. Da könnt Ihr Euch freuen. Und wenn nicht, dann wird Fedora 35 noch bis etwa Mai 23 unterstütz. Aber bis dahin müsst Ihr eine Entscheidung getroffen haben, denn mit der Freigabe von Fedora 37 im April 23 wird bei Fedora 35 das Erlöschen der Lichter eingeläutet. Ein Verweilen auf dem gehabten gibt es hier nicht, da es keine LTS Distro ist. Es gibt kein Zurück, nur die Flucht nach vorne.

Bevor ich gehe, möchte ich mich bei allen Unterstützern ganz herzlich bedanken.

Bei Dir möchte ich mich für die freundliche Aufmerksamkeit bedanken. Deine Meinung kannst Du gerne in den Kommentaren hinterlassen, entweder auf YT oder auf meinem Blog. Wenn Dir das Video gefallen hat, dann abonniere gerne meinen Kanal. Mit dem Daumen kannst Du zeigen, wie es Dir gefallen hat und die Glocke informiert Dich sofort, wenn ich Nachschub an neuen Videos veröffentlichte. Es lohnt sich.

Bleibt gesund, passt weiterhin gut auf Euch auf und bis zum nächsten Mal. Bis dahin. Macht es gut. Ciao, Euer Michl aus Franken.


5 Kommentare

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  1. @Christian: oh man blöde Autokorrektur. Danke für den Hinweis. Ich korrigiert. 🙂

  2. Ich habe jetzt Fedora 36 KDE installiert und mich damit erstmalig vom Dualboot mit Windows gelöst. Bis jetzt macht es einen sehr guten Eindruck, nur der Installer… Oh man… Sollten sie mal überarbeiten oder auf Calamaris umstellen.

  3. Hallo Michl!
    Eine Frage zu den Backups mit Timeshift. Ich habe mein Fedora mit Netinstall installiert und eine manuelle Partionierung durchgeführt. Was muss ich denn machen, damit ich diese Backups machen kann?
    Ich bekomme nur meine gesamte SSD als ganzes angezeigt und Timeshift sagt, es wäre keine BTRFS-Partition vorhanden.