Neptune 6.5: Gutaussehender und moderner Linux – Allzweckdesktop im Test

Neptune ist eine aus Deutschland stammende Linuxdistribution, die auf Debian aufsetzt. Der Schwerpunkt liegt auf dem Linux Desktop. So will Neptune da punkten, wo Debian angestaubt wirkt. Ob das gelingt, schauen wir uns an.

Über die Distribution

Wer auf dem hart umkämpften Umfeld des Linux Desktops punkten will, muß nicht nur früher als die anderen aufstehen, sondern auch etwas bieten, was die anderen nicht können. Neptune basiert auf der stabilen Edition von Debian und will sich mit neuerem Kernel und Anwendungen abheben. Das selbsterklärte Ziel von Neptune ist einen gutaussehenden Allzweck-Desktop mit vorkonfigurierten Multimediafeatures zu bieten. Mehr dazu hier.

Netpune 6.5 trägt den Codenamen „Jet“. Das Projekt besteht aus einem dreiköpfigen Team und finanziert sich nach Eigenangabe über Spenden. Das Projekt gibt einen groben Überblick wie sich die Aufgaben teilen. Insgesamt wirkt das sehr authentisch und ausgesprochen transparent.

Wie wir im Verlauf des Videos noch sehen, stellt Neptune zwei eigene Softwarequellen bereit. Mit der Hauptquelle werden die Neptune Konfigurationen, Artwork und Anwendungen ausgeliefert. Mit dem anderen Repo werden alle KDE Plasma und die dazugehörigen KDE Anwendungen ausgeliefert.

Mehr zum Thema:

Download

Ihr könnt Euch das 64-Bit ISO von der Neptune Projektseite herunterladen. Einfach oben rechts auf „Download“ und dann beispielshaft den DE Server wählen. Wenn die ISO Datei heruntergeladen wurde, könnt Ihr installieren. Ich habe in VirtualBox installiert.

Installation

Gleich zum Start hin können wir Neptune Live (Deutsch) auswählen. Danach fährt Neptune in einem Live-Modus hoch. Sobald wir auf Installieren geklickt haben, startet Calamares Installer mit einer freundlichen Begrüßung. Wir wählen Deutsch als Sprach und klicken auf Weiter. Als Zeitzone habe ich Berlin ausgewählt und weiter geklickt. Bei der Tastaturbelegung habe ich keine Sonderlocken ausgewählt und einfach Weiter geklickt. Bei der Partitionierung habe ich Festplatte löschen markiert und auf Verschlüsselung verzichtet, indem ich einfach auf Weiter geklickt habe. Anschließend dürft Ihr Euren Benutzer anlegen. Ich habe hier auch automatisches Einloggen und gleiche Passwort als Adminkonto angehakt. Ist ja nur ein VM System. Abschließend kommt noch eine Zusammenfassung und listet alle getroffenen Einstellungen auf. Mit Klick auf Installieren geht es los. Jetzt werden ein paar bunte Bildchen eingeblendet, die die Vorzüge von Neptune zeigen. Das ganze ist nett gemacht und selbst erstellt. Am Ende ist Alles erledigt und sofern ihr den Live-Modus nicht weiter testen möchtet, den Haken bei „Jetzt Neustarten“ gesetzt lassen und „Erledigt“ klicken.

Eckdaten: Auslastung Plattenplatz

Nach der Basisinstallation waren 8,4 GB der Platte belegt. Nachdem sich das System alle verfügbaren Aktualisierungen in den Bauch lud, lag die Plattenauslastung bei 8,9GB. Also solides Mittelfeld.

Eckdaten: Arbeitsspeicherverbrauch RAM

Der Konsum an Arbeitsspeicher fällt sehr positiv auf. Der initiale Benchmarkwert liegt bei 557 MB RAM und das bei einem KDE Desktop! Hier haben schon vermeidlich ressourcenschonende Desktops mehr für sich reserviert. Also ein klarer Daumen hoch!

Habt aber im Hinterkopf, daß das kein Alltagswert ist. Und fairer Weise muß ich darauf aufmerksam machen, daß im Rahmen meiner Testes von Kubuntu 20.04 und KDE Neon ähnliche Werte herauskamen.

Desktop

KDE Plasma kommt in Version 5.14.5.

Das ist dahingehend überraschend, als daß das keine LTS Version ist, sondern die KDE Version ist, die auch bei Debian Buster zum Einsatz kommt. Das muß jetzt nicht zwingend negativ sein aber damit ist KDE nicht mehr in neuester Version dabei, nicht mal in neuester LTS Version. Mehr zu den verschiedenen KDE Versionen.

Beim Arbeitsbereich-Design liefert Neptune dann angepasste Themen mit. Vorausgewählt ist Neptune Classic. Mit Dabei sind die Standard KDE Themen Breeze in heller und dunkler Variante. Neptune liefert noch Cupertine, diverse Neptune Themen und Netrunner Black und Blue X aus. Das United Thema ähnelt einem Ubuntu Thema auf den ersten Blick.

Wichtig beim Wechsel des Themas ist unten der Haken bei „Arbeitsflächen-Layout des Designs verwenden“.

Mitgeliefert werden zahlreiche Hintergrundbilder. Hier kristallisiert sich schon der Drang im Umfeld des Linux Desktops zu bestehen heraus. An der Stelle sollten einfach schön ansehnliche Pakete geliefert werden und hier patzt Neptune nicht.

Wer weitere Software installieren möchte, findet diese in Discover, dem vorinstallieren App Store. Hier könnt Ihr Anwendungen, Pakete und Programme finden, die einerseits aus den Debian Repos, andererseits aber auch aus den Neptune Repos kommen.

Das klassische KDE Desktop Konzept wird Windows 10 Wechsler ansprechen. Unten befindet sich eine Leiste die links das Startmenü bildet. Doch anders als z.B. beim normalen Debian oder bei Kubuntu oder KDE Neon kommt hier nicht das Kickoff Menü zum Einsatz, sondern das Excalibur Menü. Eine willkommene Abwechslung.

Neben dem Startmenü kommt der Arbeitsflächenumschalter, gefolgt von Schnellstartern, die beliebig an die Leiste angeheftet werden können. Rechts sind die traditionellen Steuerelemente. Unterm Strich ein klassisches Desktop Konzept, das mit punktuellen Verbesserungen gegenüber anderen KDE Distros daherkommt.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.6.0-0.bpo.2-amd64
  • Browser: Firefox 64.0 oder Chromium 83.0.4103.116
  • E-Mail Client: Thunderbird 68.10.0
  • Office: LibreOffice 6.4.5.2 40
  • Flatpak oder Snap: Neptune liefert weder Snap noch Flatpak standardmäßig mit aus.

Allgemein vorinstallierte Software:

Beim Durchblick der vorinstallierten Software fällt die Diversifizierung von Neptune auf. Man möchte ein vollumfänglicher Desktop sein und das Versprechen wird gehalten. Auch wenn einer wie ich da wieder Dinge findet, die ihm nicht gefallen. Ich kann es verstehen und halte mich trotz vorinstallierter Spiele zurück. Man kann das ja im Zweifelsfall löschen.

Besonderheiten

Neptune liefert Back in Time aus. Damit können wiederherstellbare Schnappschüsse erstellt werden. Dabei sieht es so aus als würden standardmäßig auch die Benutzerdaten mitgesichert.

Wem übrigens Discover nicht gefällt, findet auch die Muon-paketverwaltung vorinstalliert.

Weiter kann mit Persistent Creator ein persistentes Image für die Nutzung mit einem USB Live-Stick erstellt werden. Eine Übersicht über alle Besonderheiten findet sich hier: https://neptuneos.com/de/features.html

Fazit

Auf mich hat Neptune einen ziemlich positiven Eindruck gemacht. Das Projekt wirkt transparent und überschaubar. Das kann positiv sein, kann aber auch zu Problemen führen. Gerade bei einem Projekt, das auf drei Köpfen fußt, sehe ich das mit einem gewissen Maß an Sorge. Die erste Version von Neptune erschien laut Distrowatch im April 2017. Es hat also schon drei Jahre auf dem Buckel und ist damit nicht mehr taufrisch. Dennoch gemessen an anderen Distributionen ist es noch jung und muß sich vielleicht noch die Hörner abstoßen.

Die verfolgen Ansätze sind aller Ehre wert und machen einen guten Eindruck. Ob es hierfür gleich einer separaten Distribution bedarf, sei mal dahingestellt. Auch sehe ich eigene Repos immer mit scharfem Auge, speziell wenn eigene Kernel ausgeliefert werden. Das Debian Security Team reagiert sehr zeitnah auf bekannte Lücken und schiebt Kernelpatches rasch nach. Wie schnell Neptun seinen Kernel patched, wird sich noch zeigen müssen. Ebenso muß sich zeigen wie viel Ressourcen die Entwickler haben wenn größere Komponentenpatche anstünden.

Wer auf Neptune wechselt, lebt mit dem Risiko irgendwann vielleicht mal den Antergos-Effekt zu erleben. Dann stellt sich die Frage wie hoch der Aufwand ist die von Neptune eingepflegten Änderungen soweit abzuklemmen und zurück zur Debianquelle zu rudern. Zumindest besteht die Gefahr. Ich würde dem Projekt wünschen, daß es wächst und die Anzahl an Entwicklern steigt, sodaß die Last besser verteilt werden kann. Ansonsten bleibt festzuhalten, daß wir eine relativ junge Distribution mit interessanten Ideen und Ansätzen haben, die auf einer traditionellen und stabilen Debian-Basis fußt. Ich behalte Neptuen im Auge und werde den Verlauf des Projektes mit Interesse verfolgen.

Das zu diesem Artikel korrespondierende Video kann auf meinem YouTube Kanal hier angeschaut werden.

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