Kein Bock auf elementary OS 6 zu warten? Pantheon auf Linux Mint oder Ubuntu installieren

Die Entwickler der Linux Distribution elementary OS befinden sich seit geraumer Zeit am Tüfteln der nächsten Version. Die derzeit aktuelle elemetnary OS 5 Version basiert auf Ubuntu 18.04, was an einigen Stellen langsam auch durch einen veralteten Paketstand auffällt. Wie Du den neuen Pantheon Desktop ausprobieren kannst ohne auf elementary OS 6 zu warten, das zeige ich Dir in diesem Video Schritt für Schritt. Nach dem kurzen Intro geht’s auch schon los. Bleibt dran.

Ausgangslage

Wie bereits dargelegt, basiert elementary OS auf Ubuntu. So kann man ganz vereinfacht sagen, dass elementary OS nichts anderes ist als ein Ubuntu mit einem speziellen Repository, das Pantheon bereitstellt. Ganz vereinfacht ausgedrückt. Nun basiert Linux Mint ja auch auf Ubuntu. Und ein PPA in Ubuntu ist schnell eingebunden.

So hatte ich zunächst ein Ubuntu 20.04 System mit minimaler Installation aufgesetzt. Anschließend habe ich die elementary PPAs eingebunden und Pantheon installiert.

Danach habe ich den Bogen noch etwas weitergespannt und ein Standard Linux Mint 20.1 System aufgesetzt. Auch hier hatte ich die elementary PPAs eingebunden und Pantheon installiert. Beides mit Erfolg. So obliegt es Dir welche Ausgangslage vorherrscht. Ubuntu mit minimaler Installation hat seinen Charme. Doch auch Linux Mint liefert interessante Features wie z.B. WebApps aus. So bist du also flexibel. Hast Du derzeit Ubuntu am Start, kannst Du Pantheon nutzen. Hast Du Linux Mint am Start, geht das genauso. Installierst Du neu, kannst Du anhand der mitgelieferten Programme etc entscheiden auf welcher Basis du aufbaust.

Mehr zum Thema: Linux Mint 20.1 Ulyssa im Test. Die Evolution des Linux Desktops?

Wichtig zu wissen ist, dass elementary OS 6 noch immer in Entwicklung ist. Das heißt, die Pantheon Oberfläche ist noch nicht soweit um elementary OS 6 freizugeben. Da elementary OS 6 auf Ubuntu 20.04 basieren wird, darf davon ausgegangen werden, dass es noch an Pantheon hängt und nicht am Ubuntu Unterbau. Damit will ich sagen, dass wenn Du die neue Pantheon Version einsetzt wie ich es zeige, noch Fehler darin enthalten sein könnten. Es handelt sich also derzeit um noch keine offiziell von den Entwicklern freigegebene Software.

Das ist ja bei Ubuntu mit Gnome und bei Linux Mint mit Cinnamon, Xfce oder Mate nicht so weil das ja schon freigegebene Editionen sind. Also wundere Dich nicht, wenn Pantheon an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch nicht ganz rund oder stabil läuft.

Wenn Dir das zu viel Bastelei ist, kannst Du ja auch zunächst elementary OS 5 einsetzen. Auch kann ich Dir anbieten, dass Du zunächst mal mein Test zu elementary OS 5 anschaust.

Aus Gründen der Sorgfaltspflicht möchte ich darauf hinweisen, dass die Installation der derzeit sich in Entwicklung befindlichen Pantheon Oberfläche auf Ubuntu 20.04 oder Linux Mint 20.1 ein Individualprotoyp ist und kein Standard. Aus dem Grund habe ich mich entschieden zunächst den Prototyp zu zeigen und erst wenn ihr das gesehen habt und weiter die feste Absicht hab das auch bei Euch zu installieren, die Installation beschreibe. Also nochmal ganz klar: Dies ist eine experimentelle Sache auf eigenes Risiko!

Test des neuen Pantheon Desktops

An der Stelle meine Erfahrungswerte. Auf den ersten Blick wird die neue Pantheon Version solide. Das Erscheinungsbild ist modernisiert und Abstürze oder dergleichen traten bei mir im Rahmen meiner Testphase nicht auf.

Apps scheinbar nicht weiterentwickelt werden. Die Musik App ist am 17. April 2019 veröffentlicht worden. Das ist nun knapp 2 Jahre her. Bei vergangen Tests fiel mir schon auf, dass Musik Probleme hat mit großen Bibliotheken via Sambalaufwerk. Noch ein Beispiel gefällig? Schauen wir mal auf Mail. Da ist der Zeitstempel auf 15.Oktober 2018 datiert. Ich denke das spricht für sich. Wem Mail gefällt würde ich dringend den Wechsel zu Geary nahelegen. Mail basiert auf Geary nur wird Geary weiterentwickelt. Was ist da nur los? Ist die Luft ausgegangen? Ich weiß es nicht. Das finde ich jedoch problematisch, wenn gute Ansätze dann auszutrocknen scheinen. Ansonsten bestätigt sich leider der Eindruck zu manchen der elementary OS Apps, der schon während meines Einsatzes von Hera entstand: Nette Ideen und Ansätze, die leider nicht konsequent weiterentwickelt werden.

Dennoch scheint es gewisse Pflege von Mail zu geben, was einerseits durch Aktualisierungen mit Unterversionen sich zeigt. Am Zeitstempel ändert sich dennoch nichts, was zumindest zu Verwirrung fürhren dürfte.

Mail bekommt noch Aktualisierungen

Doch zum Glück gibt es Alternativen. Für Musik kann man gut auf Rhythmbox ausweichen und als Mail Client könnte man auch Geary, Thunderbird oder Evolution einsetzen. Eine neue Version von Mail und der Task App wurde ursprünglich mal für Elementary OS 6 versprochen.

Zu den punktuellen Verbesserungen gehört nun, dass man in den Einstellungen die Arbeitsfläche feiner einstellen kann. So kann dort unter Erscheinungsbild nun der Stil zwischen hell und dunkel unterschieden werden. Auch bietet ein Zeitplan an das je nach Tageszeit automatisch umzuschalten oder man gibt statische Werte vor. Das ist klasse und modern. Auch können hier nun Akzentfarben gesetzt werden. Wer an einem 4K oder größer Monitor arbeitet, wird sich über die Einstellbarkeit er Textgröße freuen.  Was leider weiterhin den Umweg über die Tweaks erfordert ist das Abändern des Aussehens der Fensterbedienung. Das elementary OS Konzept ist nicht mein Geschmack und ich stelle hier auf OS X um.

Fensteraussehen wie macOS
Fensteraussehen wie Windows inkl. Aufzeigen aller Optionen
Fensteraussehen nach elementary

Neu ist meines Wissen nach auch die Option Firmware zu aktualisieren. Dazu in den Einstellungen unter System -> Firmware navigieren. Das könnte interessant sein, wenn Ihr auf einem Lenovo Notebook arbeitet. Ubuntu und Lenovo haben sich ja zusammengetan und Lenovo will für einige Geräte Treiber und Firmware liefern, was über diesen Weg dann auf das System käme. Das Prinzip hatten wir ja auch schon in ähnlicher Form im Rahmen meines Tests zu Pop!_OS 20.04 gesehen.

Was ich in meiner VM schlechter zeigen kann, ist die Verbesserung der Gestensteuerung mittels Trackpad. Hier soll Multitouch massiv verbessert werden.

Installation

Letztmalig die Warnung, dass das experimentellen Charakter hat und nicht für produktive Systeme empfohlen wird. Es spricht aber nichts dagegen das in einer virtuellen Maschine, die extra dafür aufgesetzt wurde, auszuprobieren. Ich demonstriere die Installation unter Linux Mint 20.1.

sudo add-apt-repository ppa:elementary-os/daily
sudo add-apt-repository ppa:elementary-os/os-patches

evtl gibts Problem emit elementary tweaks

sudo add-apt-repository ppa:philip.scott/elementary-tweaks

Paketquellen auffrischen und vorhanden Pakete auffrischen

sudo apt update && sudo apt upgrade -y && sudo apt dist-upgrade -y

Installation Pantheon

Pantheon-Desktop installieren

sudo apt-get install elementary-theme elementary-icon-theme elementary-default-settings elementary-desktop elementary-tweaks

Wenn Du in Ubuntu das durchführst, wirst Du gefragt ob Du GDM3 oder Lightdm nutzen willst. Ich bin bei GDM3 geblieben. Bei Linux Mint wird eh schon Lightdm verwendet.

Das war auch schon das Gröbste. Jetzt müssen wir uns abmelden und bei der Anmeldung Pantheon auswählen.

Aktuell wird darauf hingewiesen, dass die Early Access Build nicht zur vollen Version umgewandelt werden kann nachdem elementary OS 6 herauskam. Nach aktuellem Kenntnisstand gehe ich davon aus, dass es letztlich nur eine Paketquelle ist, die getauscht werden muss. Aber das ist nur Theorie. Ich denke, dass wenn elemementary OS 6 veröffentlicht wurde, man sich aus Pantheon abmelden muss und Gnome bzw. Cinnamon startet. Danch muss man alle Pantheon Pakete wie eben bei der Installation gezeigt, löschen. Ist das durch, muss die Paketquelle sudo add-apt-repository ppa:elementary-os/daily

 Durch sudo add-apt-repository ppa:elementary-os/stable ersetzt warden. Danach kann Pantheon wieder installiert werden wie eben gezeigt. Aber das ist aktuell nur Theorie und experimentell.

Nachsatz:

Wer auf das elementary-tweaks tool, so wie ich auch, nicht verzichten will, kann es auch selbst kompilieren. Wie das geht zeige ich in diesem Nachdreh:

Wir gehen auf die Github Seite des Tweaks Tools

Nun folgen wir den Schritten:

sudo apt install libgconf2-dev libpolkit-gobject-1-dev libswitchboard-2.0-dev elementary-sdk
meson build – prefix=/usr
cd build
ninja
sudo ninja install
io.elementary.switchboard

Fazit

Mir ist aktuell leider unklar warum sich die Entwicklung von elementary OS 6, das den Codenamen Odin tragen wird, so verzögert. Natürlich ist es besser erst dann zu veröffentlichen, wenn das Produkt fertig ist aber sind wir mal ehrlich: Ubuntu 20.04 kam im April 2020 heraus. Linux Mint adaptierte seine auf Ubuntu basierende Distribution und veröffentliche Linux Mint 20 im Juni 2020. Die Entwickler von elementary OS werkeln seither im stillen Kämmerchen und lassen ab und an über den Blog mal ein paar Infofetzen heraus.

Wer elementary OS 6 als Entwicklerversion testen will, darf das nur dann machen, wenn er zahlt. Das halte ich für äußerst kühn, wenn auch gleich das die Entwicklung unterstützt. Ob elementary OS über eine entsprechend zahlungswillige Nutzerbasis verfügt, kann ich nicht sagen. Ich persönlich mag elementary OS, weil ich den Pantheon Desktop sehr schätze und er in meinen Augen eins der interessantesten Konzepte im Linuxumfeld darstellt. Doch ich würde nicht zahlen wollen um eine Testversion zu bekommen. Ich habe ende 2020 Geld an das elementary OS Team gespendet. Dazu bin ich gerne bereit. Aber eine Testversion würde ich nicht behalten wollen. So sind wir an dem Punkt an dem Du entscheiden musst, wie Du dich aufstellst. Testest Du unverbindlich auf Basis von einem ursprünglichen Ubuntu und baust Pantheon selbst drauf oder bezahlst Du die monatlich rund 10 Euro um die Testversion offiziell zu bekommen? Schreib das doch mal in die Kommentare rein.

Ansonsten kann man sagen, dass das gezeigte von Pantheon durchaus Lust auf mehr macht. Ich finde es einerseits gut, dass kein unfertiges Produkt kommt. Doch wenn die Entwicklung schon so weit hinter dem regulären Ubuntu LTS Zyklus hinterherhängt, könnte das in Zukunft zu Problemen führen. Hier würde ich mir grob eine Orientierung am Zeitplan von Linux Mint wünschen. Das wäre in meinen Augen perfekt.

Als letzten Punkt will ich noch kurz auf die Ausgangsbasis eingehen. Hier würde ich Ubuntu mit minimaler Installation empfehlen und nicht Linux Mint, weil bei der regulären Linux Mint Installation mehr Software mitinstalliert wird als bei der minimalen Ubuntu Installation. Pantheon installiert ja auch nochmal seine Programme. Das solltet Ihr ggf berücksichtigen. Wer meine Videos regelmäßig schaut, weiß, dass man Pantheon auch unter Debian Buster installieren kann. Doch im direkten Vergleich würde ich in dem Fall ehr zur Ubuntu Basis raten. Das elementary OS Projekt baut selbst auch auf Ubuntu auf und liefert Pantheon als PPA aus. Die Adaption von Pantheon für Debian kommt zwar auch von einem Repo, doch nicht offiziell von den ElementaryOS Entwicklern. Das ist ein Unterschied, den es nicht zu vernachlässigen gilt. Denn bei Debian steht im Sommer eine neue Version an und ich persönlich vermute, dass es dann erstmal keine Pantheon Version für Bullseye geben wird.

Und? Was sind Eure Eindrücke dazu? Sieht sich jemand motiviert das am eigenen System auszuprobieren? Schreibt Eure Meinung dazu oder es Euch allgemein gefallen hat doch mal in die Kommentare rein. Da bin ich mal gespannt.

Das zu diesem Artikel korrespondierende Video kann auf meinem YouTube Kanal hier angeschaut werden.

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3 Kommentare

  1. Der im Text erwähnte Mail-Client Geary wird in Version 6 durch Evolution ersetzt, deshalb wird da keine Zeit mehr investiert.

    Als so kleines Team ist die Frage, ob nur den (hervorragenden) Desktop zu entwickeln besser wäre als Ubuntu zu forken. Andererseits hasse ich Snaps und bin über die Entscheidung bei elementary auf flatpak zu setzen recht glücklich 🙂

  2. Ehrlich gesagt halte ich ElementaryOS für überbewertet, denn es gibt zu viele Einschränkungen. So können sich z.B. Messenger nicht in die Leiste ablegen. Der One-Click-Dateimanager nervt und dass Startmenü kann man nicht manuell bearbeiten. Abenteuerlich wird es, wenn man Programme installieren will, die es weder im Paketmanager noch als flatpak gibt. Man bekommt es vielleicht noch installiert, aber ein Eintrag im Startmenü? Keine Chance!

    Zugegeben, der Elementary-Desktop sieht richtig schick aus. Aber mit ein paar Klicks bekommt man den auch mit anderen Umgebungen eingerichtet und braucht sich dann nicht mehr mit den Sonderlocken der Entwickler abplagen. Bei MATE ist es ganz einfach, denn dort gibt es in den Tweaks ein elementary Theme. Der Budgie-Desktop kommt auch recht nah dran und mit KDE kann man es einfach nachbauen.

    Daher als Beispiel mein mit KDE nachgebauter Elementary-Desktop (Fedora 33 KDE-spin mit 21:9 Display):
    https://pasteall.org/media/9/7/97cbacde9a0ace467ea41611f65e6f4f.png

  3. Hey Mike,

    die wahre Stärke vom Pantheon Desktop liegt im sogegnannten “Workflos”, also dem Arbeitsablauf in Verbindung mit einer einheitlichen Oberfläche. Das können KDE und Gnome nicht mit Themens nachbiegen. Zugegeben, manche Vorgaben sind überarbeitungswürdig aber im Großen und Ganzen schlummer in Pantheon m.M.n. mit das größte Potential wenn es darum geht Linux einem normalen Anwender zu zeigen. Budgie und Cinnamon sind auch solche Kandidaten. Ich denke irgendwie sind KDE und Gnome als alte Garde irgendwann mal obsolet. Glabue da wird von der Codebasis etc mittel- und langfristig zuviel Ballast angestaut haben, sodass das Verhältnis irgendwann mal kippt. Ich sage das feststellend, nicht wertend. Kann aber auch ganz falsch liegen. Schau mer mal 😉

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