Deepin 20 getestet. Die hübsche Mitte zwischen Windows und macOS?

Deepin Linux 20 Community ist die neueste Ausgabe der chinesischen Linux Distribution Deepin. Einige sehen Deepin 20 als die Linux-Äquivalenz zu macOS Big Sur. Ob dies gerechtfertigt ist oder zu weit gegriffen ist, schauen wir uns an. Ebenso gehen wir kurz darauf ein, wie sich Deepin 20 im Vergleich zu Deepin 15 verändert hat. Viel Spaß wünsche ich Euch.

Über die Distribution

Deepin wird auf Distrowatch unter den Top 20 Distributionen gelistet und belegte je nach Vergleich immer eine Position so um den 10 Platz rum. Daher können wir davon ausgehen, daß sich Deepin einer gewissen Beliebtheit und Verbreitung erfreut.

Bildquelle: Distrowatch.org

Trotz Debian Unterbau konnte Deepin einen gewissen Beigeschmack nie abstreifen. Im Rahmen meines Deepin 15 Tests erwähnte ich die Benutzerfeedback Funktion, deren Nutzen mir unklar war. Nun ergänzt Deepin dies, daß einen das ermöglicht Probleme zu melden und sich mit anderen Deepin Anwendern auszutauschen. Klickt man drauf, landet man auf dem Deepin Forum. Was aus dem umstrittenen User Experience Programm wurde, ist unklar. Der Bereich Planning hat sich seither nicht geändert. Möglicherweise wurde es in der Form gänzlich eingestellt. Denkste!

In den Einstellungen unter Allgemeine Einstellungen findet sich Benutzererfahrungsprogramm. Die Teilnahme war bei mir standardmäßig aktiviert. Da freut man sich ja richtig. Immerhin kann man den Regler ausschalten. Hoffen wir, daß die Teilnahme am Benutzererfahrungsprogramm wirklich beendet ist. Obwohl ich hier den Netzwerkverkehr über meinen Debian DNS Server umleitete, konnte ich keinen Verbindungsaufbau feststellen nach manueller Aktivierung des Diagnoseprogramms.

Entweder sendet es in gewissen Intervallen oder ist nicht groß aktiv. Ich tippe auf Intervalle, konnte jedoch in meinen DNS Logs keine Einträge zu finden, sofern man dies seitens Deepin nicht mit statischen IPs in der Übermittlung versucht zu verhindern. Einen Wireshark Trace habe ich nicht gestartet.

Vorarbeiten, Inbetriebnahme & Systemvermessung

Um Deepin zu installieren, müßt Ihr zunächst das ISO Abbild herunterladen. Dazu navigiert Ihr zur deepin Projektseite und schaltet auf Englisch um. Dann oben auf „Download“ -> New Release. Ich habe via SourceForge geladen.

Danach geht es mit der Installation weiter. Der Installationsprozeß ist unkompliziert und führt einen sicher Schritt für Schritt durch. Bereits hier beginnt Deepin sehr deutlich seine Souveränität und Stärken in der Optik auszuspielen. Während der Installation werden sehr ansprechende Animationen eingeblendet. Das Ganze steht in einem optisch geschlossenen Gesamtkonzept und weiß durchaus zu gefallen.

Deepin belegt auf meiner Platte knapp 6GB. Das ist relativ sparsam in Anbetracht des sehr modernen Desktops. Weiter weiß Deepin auch beim Arbeitsspeicherverbrauch zu Glänzen. Obwohl ich Effektmodus aktiviert habe, werden nur 523 MB RAM allokiert. Da habe ich schon XFCE Oberflächen mit mehr Bedarf gesehen. Also ganz klar Daumen hoch!

Desktop & Programme

Das DDE sieht sehr modern aus. Während man zuvor meinte, daß es sich an macOS orientiert, mutiert es zunehmend zum Zwitter zwischen macOS Big Sur und Windows 10.

Das zeigt sich bei der unteren Leiste in den Optionen Leistungsmodus und Design Modus. Je nachdem was Euch besser gefällt, erinnert es an das eine oder andere Vorbild-Betriebssystem.

In den Einstellungen können wir unter Personalisierung das Thema fein einstellen. So können wir dauerhaft Hell oder Dunkel einstellen. Wer da etwas leidenschaftsloser ist, kann mit Automaitisch je nach Tageszeit sich das Thema automatisch umstellen lassen. Ferner können die Akzentfarben gesetzt werden, wie auch Fenstereffekte und Transparenz.

Unter Symbolthema könnt Ihr die Symbole anpassen. Insgesamt 5 Sets sind mit dabei.

Die Deepin ID erinnert stark an die Apple ID und auch optisch lehnt man sich stark am iCloud Design an. Außerhalb von China ist die ID nutzlos, daher habe ich sie auch nicht eingerichtet. Normalerweise soll sie dazu dienen Einstellungen etc in der Cloud zu speichern und beim Rechnerwechsel spielend wiederherzustellen.

Die Hintergrundbilder sind nach wie vor erste Sahne. Hier kleckert man nicht und liefert beste Qualität.

Der Desktop wirkt wie ein Mittelding aus macOS und Windows und kann mich nicht mehr so ganz überzeugen. Mir sagen die Änderungen in DDE 2 nicht so ganz zu aber das ist ja Geschmackssache. Hier würde mir mehr der Leistungsmodus zusagen. Was meint Ihr?

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.4.50-amd64-desktop (LTS Kernel)
  • Browser: Mozilla Firefox
  • E-Mail Client: Mozilla Thunderbird
  • Office: LibreOffice
  • Software-Container: Vorinstalliert ist weder Flatpak noch Snap

Allgemein vorinstallierte Software:

Deepin liefert einige Deepin Apps mit, hält sich aber insgesamt bedeckt was die vorinstallierte Software angeht. Auf Wunsch erhaltet Ihr Nvidia Treiber, also haben wir keine strikt quelloffene Distribution, was nicht als Kritik gemeint ist. Meines Erachtens nach sind die nötigen Programme dabei, sodaß man direkt loslegen kann wenn einem die installierten Apps zusagen.

Besonderheiten und Fazit

Was sind eigentlich die Neuerungen von Deepin 20?

Schauen wir mal hier nach. Dazu zählen u.a.:

  • Verbesserte grafische Oberfläche
  • Personalisierte Benachrichtigungen
  • Dual Kernel
  • Intuitiver Installer

Wie schon im Rahmen des Deepin 15.11 Tests erwähnt, der Deepin Store ist gut gefüllt und weiß auch optisch zu gefallen. Vorbild steht und stand der macOS App Store, das ist nur schwer zu bestreiten. Ihr bekommt dort offene und nicht quelloffene Software, das geht in meinen Augen in Ordnung.

Kommen wir zum Fazit

Deepin zeigt weiterhin, daß mit entsprechenden Ressourcen ein bildhübscher und technisch aufeinander abgestimmter Linux-Desktop entstehen kann. Das optische Konzept von Deepin kann überzeugen. Es sieht von den Animationen und eingesetzten Transparenteffekten sehr gut aus.

Weiter unklar ist das zugrunde liegende Geschäftsmodell. Die Frage, die ich im Rahmen des Deepin 15 Tests stellte, ist nach wie vor unbeantwortet. Sie lautete: Welche Firma würde hergehen und gewisse Ressourcen in ein Projekt stecken, das am Ende keinen Ertrag bringt? Also wie könnte dieses Unternehmen entsprechende Einnahmen generieren?

Die Herkunft einer Distro sollte sekundär sein, doch bei Deepin bleibt mit dem Sammeln von Diagnosedaten ein Beigeschmack in Verbindung mit einem unklaren Geschäftsmodell. Hier unterscheidet sich Deepin übrigens von Ubuntu, wo auch aktiv um Diagnosedaten gebeten wird. Das Geschäftsmodell bei Ubuntu ist klar, bei Deepin ist es nicht so greifbar.

Wenn Ihr damit kein Problem habt, erwartet Euch eine hübsche und moderne Distro. Du hast doch etwas Bauchschmerzen aber stehst auf DDE? Dann kannst Du die Oberfläche auch mit anderem Unterbau nutzen. EndeavourOS oder UbuntuDDE stünden als benutzerfreundliche Alternativen bereit.

Vielen Dank für die Zeit. Macht es gut. Bleibt gesund und bis bald! Habe die Ehre!

Das zu diesem Artikel korrespondierende Video kann auf meinem YouTube Kanal hier angeschaut werden.

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2 Kommentare

  1. Warum haben so viele Angst vor der China Distro? Aber mit Ubuntu und der Sammlung von Diagnosedaten weniger ein Problem?

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