Fedora 34 – Testbericht & schonungslose Meinung

Nach etwas Unruhe mit CentOS im RedHat Lager ist nun die neue Fedora 34 Version planmäßig erschienen. Was sich im Vorhof von RedHat Enterprise Linux (RHEL) so tut, das schauen wir uns heute zusammen einmal an. Ich wünsche viel Spaß.

Über Fedora

Einige sehen Fedora als Bastelbude für RHEL. Andere sehen darin ein Linux Desktop Gemeinschaftsprojekt. Wieder andere sehen darin weder das eine, noch das andere. Doch Fakt ist, Fedora ist eine gestandene Größe und darf durchaus als Upstream Projekt zu RHEL gesehen werden, denn in Fedora werden Dinge ausprobiert, die erst später den Weg in RHEL finden können. Doch Fedora ist mehr als nur eine Vorhof Distribution von RedHat. Es ist eine moderne Linux Distribution, die von einem der größten Linux Unternehmen unterstützt wird.

Alle 6 Monate gibt es eine neue Fedora Version gemäß Zeitplan. Das bedeutet im April und im Oktober. Da wir jetzt im April 2021 sind, wird es Zeit, sich mit Fedora 34 zu beschäftigen.

Unterbau, Paketformat und Paketverwaltung

Der RedHat Unterbau wird es den altgedienten Hasen schon verkünden, dass wir hier eine RPM Paket basierte Distribution am Start haben. Als Paketverwalter steht DNF zur Seite.

Unterstützte Architekturen

Fedora 34 könnt Ihr sowohl für ARM (aarch64) als auch für klassische 64-bit Architektur (x86_64) herunterladen.

Zielgruppe der Distribution

Fedora ist eine stabile Distribution, richtet sich aber nicht direkt an Neueinsteiger. Grund dürfte der Experimentierwille bei Fedora sein. Es werden durchaus neuere Technologien ausprobiert. Heißt nicht, dass Fedora nicht stabil ist aber es ist auf der anderen Seite definitiv nicht so feinabgestimmt wie klassische LTS Distributionen. Aufgrund der neuen Technologien und Pakete ist Fedora bei Entwicklern sehr beliebt.

Was ist neu in Fedora 34

  • Transparente Komprimierung für BtfFS
  • PipeWire ersetzt PulseAudio
  • Gnome 40
  • Verbesserte Speicherverwaltung in out of memory Situationen
  • Wayland Standard im KDE Spin

Vorarbeiten, Inbetriebnahme & Systemvermessung

Wenn Ihr bei Fedora einsteigen möchtet, müsst Ihr zunächst das ISO Abbild herunterladen und auf ein USB Gerät oder DVD brennen. Doch zunächst solltet Ihr das ISO Abbild nachdem es vollständig heruntergeladen wurde, verifizieren. Wie das geht, habe ich bereits in einem separaten Beitrag gezeigt. Einfach mal Reinschauen, wenn Du nicht weißt, wie das Verifizieren geht.

Ist das erledigt, könnt Ihr installieren. Der Fedora Installer ist verständlich aufgebaut und führt eigentlich direkt durch. Falls Du Fedora noch nie installiert hast und Dir das erst mal anschauen willst, kannst Du meinen Test vom Vorgänger, Fedora 33 anschauen. Da bin ich näher darauf eingegangen. In diesem Beitrag werde ich von daher die Installation von Fedora nicht näher beschreiben.

Systemvermessung

Installiert Ihr Fedora 34, dann sind etwa 8,6 GB von Euerer Festplatte belegt.

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum liegt bei knapp 1 GB, etwa bei 930MB. Damit liegt Fedora 34 über den Werten von Fedora 33.

Desktop & Programme

Der Gnome Desktop kommt in Version 40.0.0 zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags.

Fedora verzichtet darauf dem Gnome Desktop in irgendeiner Weise anzupassen. Es wird Vanilla Gnome ausgeliefert. So gibt es oben eine Leiste, die links Aktivitäten birgt. Mittig gibt es die Uhrzeit und rechts Systemindikatoren. Wer damit klar kommt, dürfte direkt zufrieden sein. Ich persönlich würde den Desktop mit Erweiterungen anpassen. Doch noch sind nicht alle Erweiterungen, also Gnome Extensions, für Gnome 40 angepasst. Ergo ist die Auswahl noch gering und die eine oder andere Erweiterung fehlt noch für Gnome 40.

Apropos Gnome 40. Das Launchpad von Gnome wurde ja überarbeitet. Klickt Ihr auf Aktivitäten, zeigt es sich in überarbeiteter Gestalt. Doch halt mal, was hat sich eigentlich geändert? Jetzt gibt es die Favoriten unten als Dock statt links. Die Arbeitsflächen werden nebeneinander angezeigt. Das ganze mit runden Fenstern. Sieht schon mal nicht schlecht aus, hat in der Praxis nur leider wenig Nutzen. Auf dem blanken Desktop müsste man ohne Erweiterungen jedes Mal über die Aktivitäten gehen, um Programme zu öffnen oder zu suchen. Da fühle ich mich nicht so gut abgeholt und würde auf die Erweiterungen warten bzw. diese installieren sobald sie verfügbar sind.

Bei den Themen bleibt Gnome weiterhin beim Adwaita Thema. Die Vorgabe ist die helle Nuance. Habt Ihr Fedora 34 installiert, prüft mal im Bereich Datenschutz ob alle voreingestellten Parameter für Euch so passen. Z.B. Sind Kamera und Mikro standardmäßig an.

Der Vollständigkeit halber zeige ich kurz die mitgelieferten Hintergrundbilder. Hier gibts immer 1-2 neue, der Rest ist eine Sammlung aus den Vorgängerversionen. Geht in Ordnung und reicht fürs Erste. Aber die meisten von Euch haben ja eigene Bilder. Von daher gehts auch schon weiter.

Fedora 34 täte gut daran den Gnome Desktop etwas mehr anzupassen und damit mehr seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Gut, das sagte ich so auch schon im Rahmen meines Testberichts zu Fedora 33 aber da sich hier nichts tat, ist die Kritik noch konkret. Auf mich wirkt Gnome 40 insgesamt leider recht ideenlos. Letztlich wurden geringfügige Konzeptänderungen optisch etwas aufpoliert und das sind auch schon die Meilensteine. Irgendwie hätte ich mir das anders vorgestellt aber gut, das sehen andere anders. Auch unter Euch gibt es ja Anhänger des Vanilla Gnomes. Von daher seht meine Kritik an Gnome 40 bitte nicht als persönlichen Angriff. Ich würde mir lediglich mehr Impulse und Innovationen wünschen. Dies einerseits bei Gnome, andererseits aber auch bei Fedora insbesondere, als dass das hier ein Fedora und kein Gnome Testbericht ist.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.11
  • Browser: Firefox (Alternativ Gnome Web)
  • E-Mail Client: nicht vorinstalliert
  • Büropaket: LibreOffice
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

Fedora 34 führt das minimale Softwarekonzept, das schon seine Vorgänger pflegten, fort. Das finde ich auch gut so. Lediglich einen E-Mail Client würde ich mitliefern. Aber gut, Thunderbird, Geary oder Evoluttion sind schnell nachinstalliert. Darüber hinaus gibt’s wenig Grund zu meckern.

Besonderheiten und Fazit

Meine gedämpfte Auffassung zu Gnome 40 brachte ich zum Ausdruck. Auch dies zur ausbleibenden Anpassung von Gnome durch Fedora. Da Fedora BtrFS einsetzt, stünde theoretisch mit Timeshift eine einfache Möglichkeit Schnappschüsse zu erstellen offen.

Dummerweise wird bei Fedora BtrFS Schemakonfiguration ohne sogenannte Wurzelunterlaufwerke (Subvolumes) ausgerollt. So könnt ihr zunächst nur rsync verwenden aber erstmal ohne die Option der rückrollbaren Schnappschüsse. Hier müsste man im Rahmen der Installation ganz anders ansetzen. Da ist bei Fedora also noch Luft nach oben. Alternativ könnt Ihr jedoch Snapper verwenden. Mit

sudo dnf install snapper && "snapper -c root create-config / 

seid Ihr am Start. Danach könnt Ihr manuell mit

sudo snapper create  

Schnappschüssen anzeigen:

sudo snapper list

Schnappschüsse erstellen. Ganz so komfortable wie bei openSUSE ist das hier aber leider nicht, da openSUSE Snapper von Werk an mit ausliefert zum Sichern und Fedora leider nicht. Auch kann Snapper hier nicht so einfach wie bei openSUSE direkt nach dem Start aufgerufen werden. Bei Fedora gibt es aber einen Rescue Eintrag, der eine Art Rettungssystem startet. Aber die Option einen Schnappschuss zunächst im Lesemodus zu starten und dann zurückzurollen, gibt es bei Fedora leider nicht so wie wir es von openSUSE kennen.

Mehr zum Thema: openSUSE – Schnappschüsse via Snapper. Gefahrloser Betrieb für Leap und Tumbleweed?

Fedora 34 reiht sich bei seinen Vorgängern ein. Es ist eine zielstrebige Fortsetzung der klaren Fedora Linie. Punktversionen zweimal im Jahr, die einen auf den aktuellen Stand bringen. Ob man nun das mit den zwei Versionen im Jahr oder ein rollendes Linux bevorzugt, ist persönliche Präferenz. Letztlich liefert Fedora frische Software aus, die halt mit den Monaten nicht mehr ganz so frisch ist wie bei Arch oder openSUSE Tumbleweed aber dennoch frischer als bei einem Debian oder Ubuntu LTS System ist. Es ist so ein bisschen die Mitte dazwischen. Man könnte es auch etwas mit den Ubuntu Versionen vergleichen, die nicht LTS Versionen sind. Neue Software, nicht ganz so fein abgestimmt, Problemchen am Anfang können noch aufkommen aber unterm Strich nicht instabil oder unbrauchbar. Fedora hält die Versionen auch immer aktuell. Also kein LTS Kernel, sondern regelmäßig kommt der neueste Kernel zum Update dazu. Hier also durchaus mehr Bewegung drin als bei den Ubuntu Zwischenversionen.

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2 Kommentare

  1. Mir ist der Mehrwert dieser Distribution für User nicht klar. Bastelbude trifft es ziemlich gut wenn ich 2 mal jährlich ein Upgrade machen soll. Nein danke. Da nehme ich bei Ubuntu LTS lieber ältere Software in Kauf.

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