Fedora 37 Workstation – Ein Sprung nach vorne

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Servus und willkommen zurück. Mein Name ich Michael und in diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die neue Fedora 37 Version. Warum diese Ausgabe in meinen Augen ein Sprung nach vorne darstellt, all das gehen wir jetzt durch. Bleibt dran.

Das ist Fedora

Fedora leistet im Red Hat Kosmos einen durchaus wichtigen Beitrag. Zwar wird Fedora nicht durch Lizenzgebühren monetarisiert, doch setzen wir den Blickwinkel im richtigen Winkel an, so sehen wir, dass bei Fedora alles anfängt. Alles, was Du in ein paar Jahren bei RHEL finden kannst, wird hier an den Start gebracht und ausprobiert. Die Paketintegration hat bei Fedora hohe Priorität.

So kann Fedora nicht nur bei Entwicklern, sondern auch bei Desktop Anwendern punkten. Es bringt sehr neue Pakete und Technologien und das in einem bestmöglich getesteten Umfeld inkl. Bereitstellung neuer Pakete und Kernel während des Support-Zeitraums. Jährlich erscheinen zwei Fedora Versionen. Eine im April und eine im Oktober. Da Fedora 37 debütiert, muss Fedora 36 einen Schritt nach hinten machen und bei Fedora 35 dürften in den nächsten 4-8 Wochen die Lichter ausgehen. Die Unterstützungszeiträume sind überschaubar aber wer Fedora nutzt, will neue Pakete und nicht Langzeitpflege. Also alles, wie es sein soll. 

Was ist neu?

  • Gnome 43
  • KDE Plasma 5.26
  • LXQt 1.1.0
  • Xfce 4.16
  • MATE 1.24
  • Unterstützung für Raspberry Pi 4 Boards
  • Fedora Core OS wird zum offiziellen Flavour
  • 32-bit Unterstützung wird eingestellt

Technische Eckpunkte

Die Mindestanforderung an Fedora 37 ist ein 2Ghz Dual Core Prozessor oder neuer, 2GB RAM und 15 GB Plattenplatz oder mehr. Mehr ist hier immer besser. Die 2 GB RAM beziehen sich dann im Übrigen auf ein sparsames Spin, z.B. mit Xfce. Für Fedora mit Gnome würde ich mindestens 4 GR RAM ans Herz legen.

Bei Fedora handelt es sich um eine semi-rollende Distro. Heißt die Mitte zwischen LTS und rollend. Also neuer als LTS aber nicht ganz so viel Bewegung wie bei rollend. Nicht falsch verstehen. Fedora liefert immer den neuesten Kernel und wichtige Komponenten werden schon aufgefrischt aber halt nicht jedes Paket wie es bei rollenden Distros der Fall ist.

Fedora unterstützt 64-bit Architektur und ARM. Als Paketverwalter ist DNF mit dabei um die RPM Pakete zu verwalten. 

Inbetriebnahme / Download von Seite

Wenn Ihr bei Fedora einsteigen möchtet, müsst Ihr Euch das ISO Abbild herunterladen und auf ein USB Gerät oder DVD brennen. Ist das ISO vollständig heruntergeladen, solltet Ihr es verifizieren. Wie das geht, habe ich bereits in einem separaten Beitrag gezeigt. Einfach mal Reinschauen, sollten da Unklarheiten sein.

Inbetriebnahme / Installation

Ist das ISO auf der Platte und erfolgreich geprüft, kannst Du installieren. Um den Rahmen dieses Videos nicht zu sprengen, verweise ich auf meinen Test von Fedora 33, in dessen Rahmen die Installation dokumentiert wurde. Den Installationsprozess kannst Du Dir gerne einmal anschauen. Ich denke dadurch sollten alle Unklarheiten geklärt werden. Auch hier einfach mal einschalten, sollten da Unklarheiten sein.

Hacks und wichtige Befehle (Aktualisierung, Suchen etc)

Folgende Befehle sind für mich die wichtigsten bei Fedora:

System aktualisieren

sudo dnf update

Nur Security Patches einspielen

sudo dnf check-udpate --security

Flatpak auffrischen

sudo flatpak update

Vollautomatisierte Kette:

sudo dnf update -y && sudo flatpak update -y

Hinweis: Das Einspielen von nur Security Patches ist bei CentOS oder RHEL besonders interessant, da deren Fokus auf Stabilität im Serverumfeld ist. Bei Fedora ist der Fokus ein anderer, daher würde ich hier nicht dazu raten nur Sicherheitspatches einzuspielen, sondern alle Pakete auf neuesten Stand zu halten, wie Fedora es anbietet. Wenn Dir die Frequenz bei Fedora zu hoch ist, ist diese Distro vermutlich über kurz oder lang nicht die beste Distro für Dich.

Zielgruppe

Fedora ist besonders interessant für Entwickler, die die neuesten Schnittstellen etc benötigen aber auch für gewöhnliche Desktop Anwender, denen die Paketstände anderer LTS Distros wie Ubuntu oder Debian zu alt sind und gleichzeitig davor zurückschrecken, dass wie bei rollenden Distros alles ständig in Bewegung ist.

Performance, Desktop &, Programme

Systemvermessung

Nach dem Einspielen aller Aktualisierungen liegt bei meinem System die Plattenplatzauslastung bei 9,6 GB.

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum lag bei mir bei etwa 1 GB RAM.

Insgesamt sind 1835 PRM und 4 Flatpak Pakete installiert.

Vergleichen wir kurz mit Fedora 36: Hier kralltes ich das System 4,6GB von der Platte und etwa 930MB RAM. Wir stellen also einen gewissen Mehrbedarf fest. Beim RAM sind es nur wenige MB aber beim Plattenplatz ist es schon deutlich mehr.

Desktop Oberfläche und Konzept

Wie bei Fedora üblich, kommt die neueste, verfügbare Gnome Version mit. So wird hier die brandneue Gnome 43.0 Version ausgeliefert.

Fedora nimmt an Gnome keine Anpassungen vor. Einzige Ausnahme ist eine Sammlung an Hintergrundbildern. Der Schreibtisch ist leer. Es gibt nur eine Leiste am oberen Bildschirm. Gnome hat sich zur Tasten- und Gestensteuerung entwickelt. Heißt auf einem Notebook kannst Du mit dem Touchpad arbeiten und an einem PC hast Du Pech und musst mit Tastaturbefehlen dich trösten.

Um Gnome aber z.B. hier in der VM zu bedienen, klicken wir oben links auf Aktivitäten. Wir kommen zum Launchpad. Hier können wir unten Schnellstarter mit einem Dock öffnen. Die Punkte im Dock rechts lassen uns zur App Übersicht abspringen. Das ist grundsätzlich nichts neues bei Gnome. Neu hingegen ist aber das Gnome Menü oben rechts. Das ist jetzt mehr an Touch-Oberflächen angepasst und könnte man auch bei iOS oder Android sich so vorstellen. Hier können wir Netzwerk einschalten, Energiemodi setzen, Auf Nachtlicht mit Gelbtönen umschalten und den dunklen Modus aktivieren. Dazu gibt’s oben drüber Zugriff aufs Bildschrimfoto-Tool, die Einstellungen, Bildschirm Sperren und Ausschalten.  Diese Neuerung weiß zu gefallen und ich empfinde sie als ansprechend entworfen. Durch bessere GTK4 Kompatibilität können nun Kalender und Nautilus beim Ändern der Größe besser darauf reagieren und entsprechend die Darstellung ändern. Das Gnome Software Center gibt jetzt unterhalb des Installieren Knopfes eine optimierte Auskunft, aus welcher Quelle das Paket stammt.

Dummerweise war bei meiner Installation der Fedora 37 Beta Flathub nicht korrekt ins System eingebunden. Zwar zeigte Flatpak remote Flathub als eingebunden an, das Gnome Software Center jedoch nicht, weswegen dort keine Flathub Flatpak Pakete gefunden werden konnten. Generell scheint es im Rahmen der Beta-Phase Probleme mit Flatpak gegeben zu haben. Die Lösung war das Flathub Repo nochmal manuell hinzuzufügen. Danach flutschte es klaglos und auch im Software-Center wird die Paketquelle sauber dargestellt.

Resümierend ist mir das Gnome Vanilla Konzept zu rudimentär. Ja Touchgesten mögen gehen und vielleicht hilft das eines Tages mal ein vernünftiges Linux Tablet oder Smartphone zu realisieren, hier am Desktop sehe ich das nicht vorteilhaft. Und nein ich habe die Kommentare von einigen von Euch nicht vergessen, die mir sagten, dass sie Gnome prima via Tastatur steuern. Alles prima. Finde ich gut. Ich mags jedoch lieber mit der Maus und da ist Vanilla Gnome schlecht aufgestellt. Da müssen einige Gnome Erweiterungen her und erst dann werde ich damit warm.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 6.0
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: nicht vorinstalliert
  • Büropaket: LibreOffice
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

Fedora liefert Gnome Stock-Apps mit. Nicht mehr. Es ist weiter kein Mail-Client dabei. Sollte kein Drama sein. Wenn Du Fedora nutzt, dann solltest Du in der Lage sein selbst einen Mail-Client zu installieren. Allgemein geht die Vorauswahl für mich völlig in Ordnung.

Wenn Du Dich fragst, wieso ich soviele Apps im App Store habe, die bei Dir nicht vorhanden sind, dann hast Du bei der initialen Einrichtung vermutlich den Schritt der proprietären Softwarequellen übersprungen. Im Gnome Software Center kannst Du oben rechts auf den drei Strichen unter Softwarequellen dies nachholen.

Besonderheiten und Fazit

Fedora macht prinzipiell mit Vanilla Gnome nicht falsch, zumindest theoretisch. Für mich ist es absolut akzeptabel, wenn hier ein Design im Sinne des Minimalkonsenses ausgeliefert wird. Doch empfinde ich Vanilla Gnome als unvollständig und nicht mehr als beste Lösung für den Linux Desktop. Hier finde ich den Weg von Ubuntu oder Manjaro als anwenderfreundlicher. Dennoch ist die Leistung der Entwickler von Fedora sehr zu respektieren.

Dennoch sind im Prinzip alle meiner Kritikpunkte der Vorgänger weiter konkret. Also wie im Test von Fedora 36 erwähnt, wären das der Umgang mit BtrFS Subvolumes und daraus resultierend Schnappschüsse und Systemsicherung. Alles keine Dinge, die man nicht lösen kann aber wieso macht Fedora das nicht? Andere wie z.B. openSUSE oder Manjaro bekommen das ja auch hin.

Weiter gibt es werksseitig keine Alternative für die grafische Paketverwaltung. Ja dnfdragora ist in den Paktequellen drin doch ist das meiner Meinung nach nichts weiter als eine Betasoftware, die öfter abstürzt und spackt als zu helfen. Sie ist keineswegs auf Augenhöhe mit Synaptic im Debian Universum. Ja es gibt weitere Drittapps bei verschiedenen Github-Projekten, doch mit dabei sind diese bei mir nicht gewesen.

Grundsätzlich sind mir die Veröffentlichungsintervalle alle 6 Monate zu kurz bei Fedora. Ich persönlich fände alle 12 Monate besser, aber das hat Vor- und Nachteile. Für mich als LTS Anwender wäre das vorteilhaft aber wenn man stets die möglichst neuesten Pakete haben mag ohne auf eine voll rollende Distro zu setzen, dann wäre die Verlängerung des Intervalls nachteilig.

Fazit

Fedora ist eine der drei Distros, die ich für mich in meinem Dreisatz der Linux Distros bewusst aufgenommen habe, auch wenn es für Dich möglicherweise gerade eben nicht so gewirkt hat. Ich bin ein Fan von Fedora, weil Fedora einen ausgesprochen großen Beitrag leistet, wenn es um neue Technologien bei Linux geht.

Mit Fedora 37 debütiert auch Gnome 43 und kommt mit Verbesserungen der Oberfläche, wie schon gezeigt. Die optische Entwicklung bei Gnome kommt mir in dem Fall entgegen. Doch wer Fedora nutzt, hat nur sehr wenig zeitlichen Puffer und muss nehmen, was serviert wird. Und das im Guten wie im Schlechten.

Bevor wir zu meinem abschließenden Fazit kommen, möchte ich gerne fragen, wie Eure Eindrücke zu Fedora 37 sind. Gefällt es Euch? Was hält Euch z.B. davon ab selbst auf Fedora zu wechseln? Eure Meinung ist wie immer sehr geschätzt und ich bin schon jetzt gespannt.

Fedora 37 ist keine Ausnahme im Vergleich zu seinen Vorgängern. Es ist ein weiterer evolutionärer Schritt, mit einer revolutionären Priese dank Gnome 43. Mir persönlich gefielen dieses Mal die Hintergrundbilder ausgesprochen gut. Ich mag vektorisierte Bilder und von daher holt mich das durchaus ab. Gute Arbeit. Ich verstehe den Platz von Fedora innerhalb vom Red Hat Verbund. Als Upstream dient es der Erprobung neuer Technik. Das Design für den Desktop spielt für CentOS und RHEL keine Rolle, von daher wird man an der Stelle auch nicht viel Ressourcen und Aufwand investieren. Kann ich gleichermaßen verstehen, wie ich es auch bedauere. Aber gut, schaue ich mir an, was derzeit für Fedora Forks gefühlt aus dem Boden sprießen, dann kann man hoffen, dass da sich was etablieren kann wie Ultramarine, risiOS oder Nobara. Wünschenswert wäre es für den Linux Desktop allemal.

Dann sind wir am Ende angekommen. Ich bedanke mich für die freundliche Aufmerksamkeit und verbleibe bis zum nächsten Mal. In der Zwischenzeit kannst Du gerne in meinem Video-Archiv stöbern oder Du schaust auch gerne mal auf meiner Präsenz in den sozialen Median wie Mastodon, Twitter oder Instagram vorbei.


Ein Kommentar

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  1. Was ich an Fedora 37 noch interessant fand, dass man unter Einstellungen, Datenschutz nun den Punkt Sicherheit findet.

    Damit sieht man einmal, ob Secure Boot aktiviert ist und wenn man nebenan drauf klickt kann man weitere Unterpunkte zur Hardwaresicherheitseinstellungen finden.

    TPM, Intel ME aktiv/aktuell, Firmware Bios-Region gesperrt oder offen usw. Ich fand es etwas erschreckend zu sehen, was manch ein Mainboardhersteller alles nicht macht in Bezug auf Hardwaresicherheitseinstellungen.