Linux Mint 20.3 Una – Testbericht

Mit Linux Mint 20.3 endet die 20er Serie von Linux Mint auf Basis von Ubuntu 20.04 LTS planmäßig. Doch Linux Mint 20.3 kommt mit Neuerungen wie der neuen Cinnamon Version 5.2.5. Alles, was Ihr über Linux Mint 20.3 wissen müsst, erfahrt Ihr im Beitrag. Viel Spaß.

Die Distro

Traditionell baut Linux Mint in der Hauptausgabe auf Ubuntu LTS auf und auf Basis jeder Ubuntu LTS Version erschienen vier Linux Mint Versionen. So basierten die bisherigen Linux Mint 20 Versionen, also 20, 20.1 und 20.2 auf Ubuntu 20.04. Linux Mint 20.3 ist der letzte Kandidat im Quartett, der noch auf Focal Fossa aufsetzt.

Allgemein handelt es sich bei Linux Mint um eine der erfolgreichsten Linux Distributionen, die einen absoluten Fokus auf den Linux Desktop aufweist und neben dem hauseigenen Cinnamon Desktop noch alternativ mit MATE und Xfce zwei Ausgaben für ältere und schwächere Rechner anbietet.

Neben der auf Ubuntu LTS aufsetzenden Linux Mint Hauptedition gibt es noch eine Nebenversion, die Linux Mint Debian Edition, kurz LMDE. Hier ist Debian Stable die Basis, doch LMDE kommt in einem separaten Beitrag nächstes Jahr dran, wenn es in Version 5 veröffentlicht wurde.

Was ist neu?

  • Hypotix TV Spieler bietet jetzt ein dunkles Thema an und erhielt eine verbesserte Suchfunktion.
  • Thingy ist eine neue Dokumenten Management App, die schnellen Zugriff zu Favoriten und zuletzt geöffneten Dokumenten bietet.
  • Sticky Notes erhielt eine Suchfunktion und bietet eine verbesserte Oberfläche.
  • Themen Änderung: Die Ecken sind rund und das neue Thema ist entweder hell oder dunklel. Keine Mischform mehr. Das bisherige Thema steht als Legacy Theme zum Nachinstallieren bereit.
  • Als Desktop Oberflächen kommen Cinnamon 5.2, Mate 1.26 und Xfce 4.16
  • Diverse Verbesserungen z.B. beim Drucken und Scannen
  • Distributionsmodell: Aufgrund des Ubuntu LTS Unterbaus handelt es sich bei Linux Mint 20.3 um eine Ausgabe mit statischer Version und damit einhergehend LTS Langzeitpflege noch bis 2025.

Architektur

Linux Mint unterstützt ausschließlich 64-bit Architektur. Das liegt in dem Ubuntu Unterbau begründet. Linux Mint kann hier nichts daran ändern. Wer noch 32-bit Architektur nutzt, kann noch eine ältere Version von Linux Mint nutzen, sollte sich aber perspektivisch nach einer anderen Distribution umschauen.

Paketverwaltung und natives Paketformat

Entsprechend der Ubuntu Basis haben wir eine Distribution, die auf das deb Paketformat aufsetzt und darüber hinaus Flatpak unterstützt und Snap boykottiert und somit deaktiviert hat.

Inbetriebnahme / Download von Seite

Um in die Linux Mint Welt einzusteigen, müsst Ihr Euch die Iso Datein von der Linux MInt Seite herunterladen. Danach müsst Ihr die ISO Datei mit einem Tool wie z.B. Etcher auf USB Flashen oder eine DVD brennen. Danach könnt Ihr installieren.

Ein kleiner Hinweis jedoch noch: Nachdem das ISO Abbild heruntergeladen ist, solltest Du dessen Korrektheit validieren, um manipulierte Software auszuschließen. Wie Du diese Validierung durchführen kannst, hatte ich ebenfalls schon demonstriert. Keine Sorge, das dauert nicht lange und geht einfach, wie in diesem Beitrag bereits zeigt. Es ist kein Hexenwerk und kann Dich vor manipulierter Software etc. Schützen. Also nimm Dir lieber die fünf Minuten, um die Prüfsumme zu bilden und abzugleichen.

Inbetriebnahme / Installation

Den Installationsprozess von Linux Mint hatte ich bereits im Rahmen meiner Serie Wechsel zu Linux dediziert für Linux Mint beschrieben. Schau es Dir gerne einmal an, wenn Du neu bei Linux Mint bist und es Dir zunächst unverbindlich einmal anschauen magst. Ich werde in diesem Beitrag nicht mehr gesondert auf die Installation eingehen.

Performance, Desktop &, Programme

Systemvermessung

Hast Du Linux Mint 20.3 installiert, sind von der Platte in etwa 8,6 GB belegt.

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum liegt bei etwa 700 MB Ram.

Schielen wir kurz zum Vorgänger, Linux Mint 20.2, so hatten wir da einen Plattenplatzbedarf von 7,5 GB und einen RAM Verbrauch von knapp 800 MB. Wenn wir unseren Rückspiegel noch etwas vergrößern, Linux Mint 20.1 benötigte 7 GB Plattenplatz und 660MB RAM.

Wir sehen also ein konstantes Wachstum an Storage, während der RAM Verbrauch schwankt und in der Messung hier etwas niedriger ausfiel im Bedarf als beim Vorgänger.

Desktop Oberfläche und Konzept

In dieser Cinnamon Ausgabe wurde zum Zeitpunkt der Beitragserstellung Version 5.2.6 bereitgestellt.

Cinnamon folgt seit jeher einem Desktop Schema und adaptiert ganz klar das von Windows bekannte Bedienmodell. Das heißt unten wird eine Leiste realisiert. Links hat sie ein Startmenü, gefolgt von Programmschnellstartern. Rechts davon werden geöffnete Programme angeordnet und rechts finden sich Steuerelemente wie Lautstärke, Kalender, Systemaktualisierungen.

Traditionell sieht eine Cinnamon Version aus wie die andere. Das ist nicht mal so negativ gemeint, wie es vielleicht klingt. Initial wird halt immer ein Hintergrundbild mit Linux Mint Logo ausgerollt und als Standard sind die Farbakzente mint-grün. Das lässt sich natürlich alles problemlos ändern. Ihr seht ja auch, dass ich Aqua blau eingestellt habe.

Ich möchte kurz noch auf die Änderungen beim Thema eingehen. Die Ecken oben sind jetzt nicht mehr spitz, sondern abgerundet. Das sieht in meinen Augen nicht schlecht aus. Auch sieht Nemo jetzt einheitlich hell oder dunkel aus. Nicht mehr dieses Mischmasch zwischendrin. Das finde ich, wirkt konsistenter. Jenseits dessen liefert Una natürlich auch wieder neue Hintergrundbilder mit, die in gehabter Manier toll aussehen.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.4
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: Thunderbird
  • Büropaket: LibreOffice 6.4
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

Linux Mint macht seinem Ruf als exzellenter Desktop Distro alle Ehre. Was zum Start benötigt wird, ist dabei. Egal ob Office, Browser, Mail Client oder Video Spieler, alles ist dabei. Keine unnützen Spiele, die könnt Ihr optional nachinstallieren. Aber so standardmäßig ist das eine sinnvolle und stimmige Vorauswahl.

Was wir hier aber zumindest mal erwähnen sollten, Ubuntu transformiert seine Paketverwaltung vom traditionellen Debian Paket hin zu seinem Software Container Snap. Mit der kommenden Ubuntu Version 22.04 wird der beliebte Firefox Browser als Snap paketiert. Dies geschah wohl auf Anregung von den Mozilla Entwicklern und soll auch durchgereicht werden auf die noch aktiven LTS Versionen. So konnte man sich bislang bei Ubuntu behelfen, wenn die Versionen zu langsam kamen, und band das Mozilla PPA ein. Ich tippe, dass diese Quelle künftig versiegen wird. Was das mit Linux Mint zu tun hat? Nun die Entwickler hinter Linux Mint lehnen Snap ab und setzen stattdessen auf die Alternative Flatpak. Mint setzt aber bislang auf das Firefox Paket im Debian Format. Wenn dies durch Ubuntu oder die Mozilla Entwickler künftig entzogen wird, müssen die Linux Mint Entwickler entweder selbst ein Firefox DEB Paket bereitstellen und pflegen oder sie binden Firefox künftig als Flatpak ein. So oder so, diese Entscheidung wird Diskussionen eröffnen und die Frage ist und bleibt wie lange Ubuntu LTS noch eine brauchbare Basis für Linux Mint sein wird. Sollten Pakete im Format getauscht werden und dies auch auf ältere LTS Versionen angewendet werden, könnte dies somit auch alle Linux Mint Ausgaben der 20er Serie betreffen. Es bleibt spannend.

Besonderheiten und Fazit

Linux Mint ist eine feine Linux Desktop Distribution, die mit viel Herzblut gepflegt wird und den Anwendern ein tolles Nutzererlebnis in Verbindung mit Stabilität und allgemeiner Sicherheit bietet. Gehen Dir die Anpassungsmöglichkeiten in Cinnamon nicht weit genug, stehen alternativ auch die Xfce und MATE Editionen bereit. Hier dürften die meisten Linux Anwender eine gute und verlässliche Lösung finden können.

Doch eine gewisse Abhängigkeit von Ubuntu ist nicht von der Hand zu weisen und die Debian Edition ist in meinen Augen kein vollumfänglicher und souveräner Ersatz. Vielleicht täte Mint hier eine Edition auf Basis von Fedora oder Manjaro besser, wer weiß.

Das Fazit zu Linux Mint 20.3 ist durchaus positiv. Die Cinnamon Ausgabe weiß zu gefallen und holt Windows Wechsler gut ab. Es ist eine vertraute Umgebung mit vielen sinnvollen Zusatzprogrämmchen in Form von kleinen Helferchen. Sticky Notes ist so ein Kandidat. Fand ich anfangs ehr komisch, heute finde ich es total genial die Notizen einfach so fließend dabei zu haben. Ihr macht mit Linux Mint 20.3 nichts falsch und könnt Euch auf einen soliden Nachfolger freuen, der der letzte Kandidat der 20er Serie ist. Insgesamt erhaltet Ihr noch bis 2025 Aktualisierungen in der gesamten 20er Serie. Wenn Du planst auf Linux Mint 20.3 zu aktualisieren würde ich dies nicht vor der offiziellen Freigabe des Mint Upgrade Tools durch die Entwickler tun. Stattdessen würde ich noch raten mindestens 2-3 Wochen zu warten in der Hoffnung, dass eventuell noch schlummernde Fehler gelöst werden und man diese nicht mitnimmt. Aber dann könnt Ihr Euch auf eine würdige letzte Runde innerhalb der Linux Mint 20 Familie freuen.

Bevor ich gehe, möchte ich mich bei allen Unterstützen ganz herzlich bedanken.

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Hinweise

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  • Die Beiträge von MichlFranken stellen grundsätzlich eine unverbindliche Demo dar. Nachstellung auf eigene Gefahr. Es können bei unsachgemäßer Nachstellung negative Folgeeffekte wie z.B. Datenverlust oder Systemausfälle auftreten. Jede Form der Gewährleistung ausgeschlossen. Im Zweifelsfall bitte eine virtuelle Maschine aufsetzen und testen aber nicht auf einem produktiven System nachstellen.

4 Kommentare

  1. Hallo,
    warum ist LMDE für Dich kein vollumfänglicher Ersatz?
    Bei meinem Hometrainer steht ein uralter Dell-PC. Mit Linuxmint20.2 liefen Mediathek-Videos ruckelig und stoppten sogar häufig für ca. eine Sekunde. Lt. Wikipdia soll Debian “viel schneller” sein als Ubuntu, also stieg ich um. Und siehe: Die Videos laufen nun ruckelfrei.
    Der Kernel und die Office-Programme sind älter. Das ist bislang aber kein für mich relevanter Nachteil.
    Gruß, Kai

  2. Hallo Kai,

    Bis vor kurzem sorge für Debian Stable ein Problem mit einem Rust Compiler dafür, dass keine neueren Firefox Pakete bereitgestellt werden konnten. Ergo war Firefox ESR im Stable Zweig einige Zeit ungepatched liegen geblieben und somit für bekannte Sicherheitslücken anfällig. Der Rust Compiler ist hierbei auf der Maschine des Paketbauers nötig, nicht auf der der Endanwender. Daher rührte die Auffassung. Mittlerweile kommen wieder neue FF Pakete in Stable, dennoch zeigt dieser Zwischenfall, dass nicht alles Gold ist was glänzt, auch nicht bei Debian. Bei Browsern habe ich wenig Verständnis wenn die Bereitstellung von Aktualisierungen ins Stocken geraten.

  3. Danke für die Info, das wusste ich nicht.
    Ich hatte mich zwar schon etwas gewundert, nach dem Wechsel auf LMDE eine älteren Firefox vorzufinden, war dem aber nicht nachgegangen.
    So etwas sollte natürlich nicht passieren; auch bei Linux muss man also wachsam sein.
    Habe ich eine Warnung übersehen? Hätte man in dieser Phase auf Chromium wechseln sollen?
    Zum Glück ist das aber ja nun erst einmal behoben. Ich hoffe sehr, dass dergleichen nicht noch einmal passiert.

  4. Hallo Michi,
    nutze Mint schon länger. Hatte gehofft, dass in Hypnozix Germany auch mal Phoenix aufgenommen wird!?
    Wolfgang

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