openSUSE Leap Upgrade 15.3 auf 15.4 – Warum sind die Upgrades so umständlich?

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Hey Ho! Wer mir schon länger folgt, weiß, dass Suse Linux damals meine Einstiegsdistro war. Also damals in der alten Zeit lange vor Ubuntu und Co. Heute gibt es an der Stelle openSUSE und warum openSUSE Leap seinen Upgrade Mechanismus endlich modernisieren sollte, darum geht’s in diesem Beitrag. Viel Spaß.

Ein Upgrade zwischen Leap Versionen

Um das Wesentliche gleich vorwegzusagen, wir machen in diesem Beitrag ein Upgrade von openSUSE Leap 15.3 auf Leap 15.4. Das machen wir, damit wir den Prozess bzw. einen der beiden Wege einschätzen können.

Es gibt zwei Wege dies zu erledigen. Offline oder Online.

Bei Offline laden wir das ISO Image, brennen dieses auf DVD oder flashen einen USB Stick, booten von diesem und wählen Upgrade aus und folgen den weiteren Schritten. So waren die Upgrades bei Suse früher auch.

Bei Online konfigurieren wir die Paketquellen um und führen das Upgrade online via Zypper durch. Wer von Euch Ubuntu LTS oder Linux Mint nutzt, kennt diese Prozedur ja prinzipiell. Man springt online von der bestehenden auf die neue Version, startet einmal durch und schon geht’s weiter.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Das Offline Upgrade mag seinen Charme haben, ist aber ein Relikt aus alten Zeiten. Das Online Upgrade dürfte das Mittel der Wahl sein. Doch warum zum Henker muss ich hier Paketquellen manuell umbiegen? Wieso schafft es openSUSE nicht mich über eine neue Leap Version zu informieren und bietet mir das Upgrade an inkl. der automatischen Durchführung der nötigen Schritte? Das kriegen andere LTS Distros ja auch hin. Wieso bitte schön nicht openSUSE? Ist das zu klickibunti und nur für den Dau? Wie will openSUSE eigentlich konkurrenzfähig werden, wenn solch essentielle Dinge nicht gehen? Ich sprach eben absichtlich von konkurrenzfähig werden, denn derzeit sehe ich openSUSE Leap ziemlich abgeschlagen hinten im Vergleich zu Ubuntu, Pop!_OS oder Linux Mint.

Online Upgrade

Doch reden wir nicht soviel rum. Sind wir lieber voller Tatendrang und schauen uns das Upgrade mal genauer an. Hier empfehle ich einen Blick in den Upgrade Leitfaden von openSUSE. Diesen solltet Ihr öffnen.

Wir gehen hier nicht auf alle Aspekte ein, sondern nur auf die nötigen Schritte.

1. Altsystem aktualisieren

Das machen wir mit:

sudo zypper refresh && sudo zypper up -y

2. Paketquellen aktualisieren

Wir ersetzen die bisherige Version durch die neue

sed -i 's/15.3/${releasever}/g' /etc/zypp/repos.d/*.repo

3 Auffrischen der neuen Paketquellen

zypper --releasever=15.4 refresh

4 Upgrade durchführen

zypper --releasever=15.4 dup --download-in-heaps

5 Neustart

sudo reboot

Im Normalfall begrüßt Euch jetzt das aktualisierte System auf Basis von openSUSE Leap 15.4.

Hinweis: Während ich das zur Aufnahme des Videos durchführte, fror das System komplett ein. Das ist natürlich für eine Videoaufnahme sehr unschön aber ist auch eine gute Demonstration mit solch einer Situation umzugehen. In meinem Fall fuhr das System aber ohne Probleme hoch. Wäre dem nicht so gewesen, so hätte ich den letzten Snapper Schnappschuss zurückgerollt, wie hier gezeigt.

Kritik und Fazit

Natürlich ist das Nachmachen dieser fünf Schritte keine unüberwindbare Hürde, wenn sie in einem Video zuvor auch demonstriert werden, keine Frage. Doch obwohl wir hier im vertrauten Linux Umfeld sind, nicht jeder möchte mit der Konsole arbeiten. Bei Ubuntu, Linux Mint, Pop!_OS oder Zorin hat man das begriffen und bietet grafische Möglichkeiten für Aktualisierungen an. Bei openSUSE scheint das leider noch immer Neuland zu sein. So nach dem Motto wir machen das seit 20 Jahren mit Yast, Zypper oder Offline und somit braucht es nichts neues.

Das finde ich wirklich ausgesprochen schade. Denn bedenkt, openSUSE bzw. SUSE Linux war mal die benutzerfreundliche Vorzeigedistro im deutschsprachigen Raum. Ich weiß wie seltsam das heute klingen mag aber es war mal so. Und genau an diesen Ruhm, würde ich mir wünschen, knüpft openSUSE wieder ran. Modernisieren. Auf Vordermann bringen und wieder zu alter Größe zurückfinden. Jetzt wo die Binärkompatibilität zur robusten SLE Basis erfolgreich gestemmt wurde, wäre das ein nötiger Schritt Richtung Nutzerfreundlichkeit und Angriff auf alle auf Ubuntu aufsetzenden Neueinsteiger – Distros.

Wer das via Konsole zumutet wird natürlich auch künftig weiterhin eine Schar vertrauter Anwender haben. Doch mit großen Nutzerzahlen wird dann nichts sein und vor allem nicht mit der Wahrnehmung als nutzer- und einsteigerfreundlicher Distro. Hier gäbe es dann auch direkt andere Alternativen und da bräuchte man nicht auf openSUSE zu warten.

Ich würde mir also wünschen, würde openSUSE jetzt Gas geben um hier Defizite auszugleichen. Ein einfaches Online-Upgrade via Assistent und gerne optional offline via DVD oder USB Stick. Das ist ja ein schönes Feature, das ich gar nicht absprechen möchte.

Aber gut, mit openSUSE MicroOS könnte sich das künftig ja sowieso mit Leap ändern. Ich denke openSUSE Leap 15.5 wird noch in konventioneller Weise kommen und dann müssen wir mal weitersehen. Die Art wie Linux Distributionen gebaut werden, scheint sich zu verändern. Statt eine beschreibbare Root Partition soll künftig ein unveränderter Systembereich kommen, der nur im Lesemodus verfügbar ist. Das machen andere Betriebssysteme wie z.B. macOS ja auch. Letztlich sind nur die für den Benutzer relevanten Bereiche beschreibbar. Der Rest ist geschützt. So schienen transaktionelle Linux Distros künftig der Standard zu werden. Fedora experimentiert mit Silverblue und openSUSE mit MicroOS. Bis es jedoch soweit ist, müssen Nutzer von openSUSE Leap wie eben demonstriert das Upgrade auf die neueste Version durchführen.

Fazit

Die Glanzzeiten von SUSE sind am Desktop allgemein wohl vorbei. Kann dieser alte Gigant wieder aufwachen? Ja davon bin ich total überzeugt, das das ginge. Doch dazu braucht es einen Fokus, wo man hinwill. Aktuell bin ich mir nicht mehr so ganz sicher, wo dieser für Leap eigentlich liegen soll. Eine Alternative zu Ubuntu, Linux Mint oder Zorin OS ist man ja doch nicht. Auch nicht zu Debian oder Fedora. Eigentlich ist man mehr oder minder nur noch die Gratisversion von SLED (SUSE Linux Enterprise Desktop). Zumindest sehe ich das so. Mehr als ein Gratiseinstieg in die SLE Welt ist es irgendwie derzeit ja scheinbar nicht, könnte aber durchaus mehr sein, würde es das Potenzial ausschöpfen und die Karten clever spielen.

Wenn Du mich jetzt also fragst, was Du nehmen sollst, würde ich im openSUSE Lager zu Tumbleweed raten. Darf es doch lieber eine LTS Distro sein, wüde ich Linux Mint, Ubuntu oder Pop!_OS empfehlen. Darf es weder rollend noch LTS aber auf RPM Basis sein, dann gerne mal Fedora anschauen.

Ich weiß, dass es jetzt etwas hart mit Leap ins Gericht ging. Es ist auch nicht meine Absicht Gefühle zu verletzen, bin ich doch selbst ein alter SUSE Freund. Aber wir müssen der Realität ins Auge sehen und da hilft keine Nebelkerze mit Schönreden. Das würde nur zu einer Dunstwolke führen und mit sowas umgeben sich dann doch ehr die, die ihr Kleinod fanden und nicht aufgeben möchten, egal wie fern es von der Realität sein mag. Ich jedenfalls möchte das nicht als Schlag auf die 12 verstanden wissen, sondern als Aufzeigen von Defiziten inkl. Verbesserungsvorschlägen.

Es soll ja im openSUSE Projekt auch noch deutschsprachige Leute geben und genau an die richte ich diese Worte. Ich habe mehrere Tumbleweed Maschinen im Einsatz, die in unregelmäßigen Abständen via DUP aktualisiert werden. Ein Einfrieren des gesamten Systems währenddessen hatte ich schon lange nicht mehr erlebt und dass es ausgerechnet bei Leap vorkommt, ist sehr unglücklich. Ich weiß Ihr macht eine gute Arbeit und versteht meine Kritik bitte nicht als pauschalen Umschlag. Ihr müsst Euch aber weder mir noch meinem Urteil stellen, sondern Ihr müsst Euch den Anwendern stellen und wenn da sowas passiert, dann glaube ich nicht, dass die meisten den letzten Snapper Schnappschuss einfach zurückrollen, sondern die sind dann vermutlich weg und für openSUSE verloren inkl. schlechter Erfahrung, die dann ggf an andere weitergegeben wird. Da solltet Ihr ansetzen.

Wenn Du openSUSE Leap einsetzt, lass mich wissen, wie Du das siehst. Gerne auch, wenn Du in der Vergangenheit mit SUSE unterwegs warst. Und wenn nicht, kanns Du Deine Gedanken auch dazu teilen. Ich finde das immer interessant und bin gespannt.

Ich bedanke mich für die freundliche Aufmerksamkeit. Falls DU noch Zeit und Lust für mehr hast, dann gibt’s gleich zwei Vorschläge eingeblendet. Gerne mal reinschauen.

Vielen Dank für die freundliche Aufmerksamkeit und herzlichen Dank an alle Unterstützer!


7 Kommentare

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  1. Es müsste heissen, warum sind nach all den Jahren die SUSE Upgrades immer noch so umständlich. Statt Tumbleweed (wo ich neulich bei der Installationsversion keine Möglichkeit für “eine vorhandene Partition überschreiben” fand und daher abbrach, sollte man lieber zu den arch basierten rolling release Varianten wie Manjaro greifen – mit klarem grafischen Installer für Dummies wie mich.

  2. Willst Du auf Deinem Rechner ein dauerhaft stabiles System ohne Überraschungen haben, bleib bei der Leap-Distro, die Du installierst hast und halte sie aktuell. Auf dem nächsten Rechner installier die dann aktuellste Leap-Version und bleib bei der. Willst Du immer das Neueste und nicht nach ein paar Jahren doch vor dem Problem stehen, eine aktuellere Leap-Version installieren zu müssen, dann wähle Tumbleweed. Insbesondere mit 3rd-party-Software kann es dann aber auch mal zu Überraschungen kommen.

  3. Für mich kommt bei einer Aktualisierung auf ein neues Major-Release nur eine Neuinstallation in Betracht, weil das in meinen Augen der Königsweg zu einem konsistenten System ist. Das halte ich so seit Jahrzehnten bei den von mir eingesetzten Systemen Debian und Rocky (als Ersatz für CentOS). Alle wichtigen Daten (inkl. Konfigurationsdaten (Nutzer und System), Flatpaks, AppImages etc.) verbleiben vor, während und nach der Neuinstallation auf /home als separater Partition. Das mag der altbackene Ansatz sein, aber er funktioniert reibungslos, schnell und ohne Überraschungen.
    Danke für die Videos, die ich mir immer gerne anschaue.

  4. Linux-Einstieg mit opensuse und immer noch dabei, nach 13 Jahren. Als Umsteiger von XP war opensuse mit Yast und kde-Desktop etwas, das mir vertraut vorkam. Seit ich Tumbleweed vor einigen Jahren entdeckte, habe ich inzwischen null Probleme mehr. In den ersten Jahren waren die Updates der Pakete oft nicht gut aufeinander abgestimmt, was zu Nervereien führte. Doch inzwischen läuft bei mir alles bestens. Snapper habe ich nie nutzen müssen und bin inzwischen wieder ab von btrfs. Allen mir bekannten Neu-Einsteigern empfehle ich ebenfalls Tumbleweed. Bislang ohne Probleme. Hilfreich ist es aus meiner Sicht, wenn man erst ab c.a. 600 neuen Paketen aktualisiert, damit nichts durcheinander gerät. Außer, es gibt extrem wichtige Aktuslisierungen.
    Danke für den engagierten pro-opensuse-Artikel!
    Es gibt leider viel zu wenige davon im Internet.

  5. Ich bin schon seit der Suse 5.1 dabei. Upgrade auf neue Versionen waren schon immer der Horror. Insbesonder major releases funktionierten nie ohne manchmal sehr viel Handarbeit. Auch das Update von Leap 15.3 nach 15.4. hat dazu geführt, das mein sauber konfigurierter DNS Server nicht mehr gestartet ist.

  6. Ich hatte Linux zuerst nur auf der Arbeit benutzt. Wir hatten damals etwa halbe-halbe Suse Enterprise Linux und Red Hat / Centos . Für bei gab es gute Gründe, aber da es da immer um Server-Anwendungen ging, waren wir bei der Oberfläche nie wählerisch – Hauptsache, dass man die Administration nicht nur auf der Kommandozeile machen musste.

    Vor ein paar Jahren habe ich dann zu Hause meine erste Linux-VM unter Oracle Virtual Box eingerichtet. Da OpenSuSe Leap 15 gerade im Kommen war, habe ich mich dafür entschieden und das zunächst nicht bereut. Die Plasma/Wayland-Oberfläche hat mich zwar nicht ungehauen, aber als alter Unix-Freak wollte ich eh das meiste immer auf der Kommandozeile machen.

    Die Umstiege von 15.0 bis 15.2 klappten alle prima mit einer ähnlichen Methode, wie Du sie beschreibst. Eigentlich klappt das auch noch bei 15.3 und diese Woche sogar 15.4.

    Was mir aber sehr unangenehm aufstößt, ist, dass die zypper-Pakete nicht mehr richtig zusammenpassen. Beispiel: Postgres zu installieren, auch mit mehreren Version auf derselben VM, war bis 15.2 nie ein Problem. Ab 15.3 und Postgres 14 musste ich aber feststellen, dass die benötigten Pakete, die man für die Postgis-Extension braucht, nicht konsistent im Yast-/Zypper-Archiv vorgehalten wurden. Bei Postgres 15 musste ich sogar die ganze Postgis-Distro mit build und make komplett neu machen, was mir bis dato noch nie passiert war. Bei SuSe 15.4 und Postgres 15 klappt nicht einmal das.

    Ich versuchte heute mein Glück mit Fedora Workstation, soll ja ein Red Hat Nachfolger sein. War aber höchst enttäuschend.

    Ich finde, wenn man will, dass Linux so aussieht wie Windows, dann kann man auch ganz heimatloser Sun-Solaris-Fan

  7. Hallo,
    ich nochmal:
    da Deine Erlebnisse mit SuSe meinen ähnelten (übrigens danke für die Umstiegsdoku, bei SuSe konnte ich sie nicht auf Anhieb finden), habe ich dieser Tage mal versucht, einige Alternativen bei mir auszuprobieren. Vorab sollte ich sagen, dass ich alle nur in Form von VM ISOs unter Oracle Virtual Box laufen lassen kann. Meine Erfahrungen sind sehr gemischt:

    Fast alle Linux-Distributionen halten auch untaugliche Versionen zum Download bereit, die als VM entweder überhaupt nicht funktionieren (z. B. Kernel Panic bei der Installation verursachen) oder außerordentlich dürftige Benutzeroberflächen anbieten. Bei Fedora und Ubuntu hatten die Serverversionen nicht einmal das, ich fühlte mich versetzt in meine Studentenzeit vor über 30 Jahren, als man an einer DEC noch mit V100-Terminals arbeitete. Sicher ließen sich X-Windows und GUIs auch dort nachinstallieren, aber will man das denn als Privatnutzer?

    Bei den Workstation-Distributionen fiel mir auf, dass alle inzwischen die Unsitte haben, Linux wie Windows aussehen zu lassen. Der Zielkunde ist offenbar nicht mehr der Entwickler, der mit Linux etwas anderes anstellen will, als sich nur in Social Media herumzutreiben.

    Nach meinen diesbezüglichen Erfahrungen bin ich in meinem Urteil zu OpenSuSe Leap 15 jedenfalls milder gestimmt. Trotz der etwas antiquierten Architektur bin ich froh, dass es den guten alten Yast noch gibt, der einem doch bei vielen Problemen immer noch helfen kann. Nebenbei: Versucht mal, bei den Red-Hat- oder Ubuntu-Clonen X-Windows-basierte Package Manager zu finden – bei den Distros, die mir untergekommen sind, war in der Standardoberfläche keiner zu finden, nur solches Zeugs, was einem auch bei Windows den Spaß mit Softwaremanagement verdirbt. Bei ArchLinux z. B. sollen man sich den tatsächlich aus verschiedenen Git-Pakten selber zusammenbauen ….

    Ich erhebe übrigens keinen Anspruch auf Vollständigkeit – ich will nicht ausschließen, dass es zu jeder Linux-Distro irgendwo auch eine nutzerfreundlichere leistungsfähigere Version gibt, als die, die ich gefunden habe. Aber ewig herumsuchen will man ja auch nicht.

    Fazit: Als Linux noch wie Linux aussah, konnte man damit noch vernünftiger arbeiten; jetzt, wo es immer mehr wie Windows ausschaut, muss man sich fragen, warum man überhaupt noch umsteigen will. Wer neben Windows unbedingt auch Linux haben will, wird bestimmt auch mit dessen Linux-Subsystemen, oder wie die sonst jetzt bei Windows 11 heißen, glücklich.

    Eine letzte Sache stimmte mich aber sehr nachdenklich: Die beste Linux-Distribution, die ich jetzt auch auf dem Rechner behalte, war Oracle Linux 8! Soll das etwa bedeuten, dass die Zukunft von Linux in Händen eines der größten Softwarefirmen der Welt besser aufgehoben ist als in der Open Source Gemeinde?