Arch Linux im Test (Mai 2020). Rolling Release oder rollender Donner?

Arch Linux polarisiert wie kaum eine andere moderne Linuxdistribution. Die einen lieben, die anderen hassen es. Wie sich Arch Linux in meinem Test schlägt und welche Gründe dafür oder dagegen sprechen, schauen wir uns an. Los geht

Über die Distribution

Arch Linux folgt strikt dem KISS (Keep in simple, stupid) Prinzip. Man liefert keine Grundkonfiguration aus, sondern jeder baut sich sein System nach eigenem Ermessen und kann das System beliebig erweitern. Arch Linux ist ein rolling Release Linux System. Das bedeutet es gibt keine regelmäßig erscheinenden Versionen. Mit Installation und dem regelmäßigen Einspielen von Aktualisierungen springst Du auf den fahrenden Zug der Entwicklung auf. So profitiert man von allen Vor- und Nachteilen, da man ziemlich nah an der Entwicklung des Systems dran ist, auch wenn man selbst kein Entwickler ist. Es gibt keine eingefrorenen Systemstände wie bei Ubuntu oder Debian, sondern es wird immer das Neueste vom Neuen bereitgestellt. Der Nachteil ist, daß nicht immer alles optimal getestet und aufeinander abgestimmt sein könnte. Wer Arch Linux nutzen will, sollte in der Lage sein eine Paketaktualisierung rückgängig zu machen, ebenso werden gute Kenntnisse im Linux-Betriebssystem von Nöten sein. Es ist in meinen Augen keine Distribution, die für Anfänger oder Leute, deren Rechner einfach laufen soll ohne sich groß Sorgen darum zu machen, geeignet ist.

Download

Arch Linux stellt monatlich aufgefrischte Installationsmedien auf der Projektseite, die unter https://www.archlinux.org erreichbar ist, zum Runterladen bereit. Einfach oben rechts auf Download und dann runter scrollen zu den Spiegelservern und die ISO Datei laden. Ich habe in gewohnter Weise mit VirtualBox weitergemacht.

Installation

Anders als bei anderen Distributionen gibt es bei Arch keinen Installer. Es muß alles von Hand durchgeführt werden. Alles bedeutet Partitionierung. Storageformatierung und Bereitstellung, Installation Basis-System, Spracheinstellung, Benutzererstellung usw usw. Das würde den Rahmen hier sprengen. Ich habe eine Installationsanleitung auf meinem Blog für eine Basisinstallation in VirtualBox veröffentlicht. So seid ihr schnell in der Lage die Installation nachzustellen bzw. selbst in VirtualBox durchzuführen.

Ich habe eine Installationsanleitung für Arch Linux in VirtualBox erstellt. Diese Anleitung geleitet Euch Schritt für Schritt durch die Installation.

Die deutschsprachige Installationsanleitung findet Ihr unter: https://wiki.archlinux.de/title/Kategorie:Installation

Eckdaten: Auslastung Plattenplatz

Direkt nach der Installation waren 8GB belegt. Bei meinem System sind 9,5 GB derzeit belegt. Dies ist jedoch stark davon abhängig, wie viele Pakete Ihr selbst einspielt.

Eckdaten: Arbeitsspeicherverbrauch RAM

Das System mit Gnome Desktop verbrauchte bei mir im Leerlauf 541MB. Das ist so ziemlich der beste Wert in Verbindung mit einer Gnome Arbeitsoberfläche. Bedenkt aber hierbei handelt es sich lediglich um einen initialen Benchmark Wert.

Desktop

Arch Linux liefert Gnome 3.36.2 zum Zeitpunkt meines Tests (Mitte/Ende Mai 2020) aus.

Der Gnome Desktop kommt ohne große Anpassungen daher, ist also ziemlich nackt. Um einen einigermaßen zeitgemäßen Schreibtisch zu bekommen, habe ich mir erlaubt die Gnome-Erweiterungen „Arc Menu“ und „Dash to Dock“ zu installieren. Letztlich ist hier leider jeder auf sich gestellt.

Durch diese Änderungen konnte ich auf die Schnelle mein gewohntes Konzept nachbilden. So haben wir oben eine Leiste, die Links ein Menü hat. Mittig habe ich die Uhrzeit gelassen. Oben rechts sind die Standard Gnome Steuerelemente für z.B. Netzwerk, Lautstärke und Akku. Durch Dash to Dock haben wir unten ein Dock, das voll ausgedehnt über die Bildschirmbreite sich erstreckt. Darin haben wir Schnellstarter.

Hinsichtlich Themen liefert Arch im Standard-Gnome außer Adwaita nur noch Adwaita dark mit aus. Dies trifft auch auf die Symbole zu. Auch hier nur Adwaita. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, Adwaita hat sich in den letzten Jahren verbessert, sodaß es nicht voll meinen Geschmack trifft aber auch nicht mehr so aussieht, als wäre das Design im Millennium stehen geblieben.

In den Gnome Einstellungen unter Datenschutz sind Ordnungsdienste aus. Kamera und Mikrofon sind standardmäßig aktiviert, was ich für bedenklich halte. Wer das nicht braucht, sollte hier handeln. Die Bildschirmsperre ist auch aktiv aber diese schützt ja die Privatsphäre, sodaß ich dies nur erwähne im Hinblick darauf ob die Parameter mit Deinen Anforderungen einhergehen.

Insgesamt sind 15 Hintergrundbilder mit dabei, wobei mich hier nichts vom Hocker haute. Standardkost eben. Für den Anfang reicht es aber als Arbeitsoberfläche würde es mir nicht genügen.

Insgesamt ist das KISS, also keep it simple and stupid, Prinzip erkennbar. Nur das allernötigste ist dabei.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.6.13-arch1-1
  • Browser: Firefox 76.0.1
  • E-Mail Client: Thunderbird 68.8.0
  • Office: LibreOffice 6.4.3.2
  • Flatpak oder Snap? Flatpak ist mit installiert.

Allgemein vorinstallierte Software:

Hier muß ich erwähnen, daß gemäß KISS Prinzip weniger mehr ist. Es wird wirklich sehr wenig vorinstalliert. Wer meine Installationsanleitung zu Arch anschaut, weiß, daß ich ich ein paar Extras wie Firefox, Libreoffice, Thunderbird usw. installiert habe. Das einfach um einen in der Praxis einigermaßen einsatzfähigen Rechner zu haben.

Bis auf eine kleine Redundanz im Grafikbereich, hier haben wir Bildbetrachter und Fotos, ist die Auswahl vorbildlich.

Besonderheiten

Arch Linux nutzt mit Pacman einen eigenen Paketmanager und wurde nach dem Prinzip von Linux from Scratch ursprünglich völlig autark von anderen Distributionen konzipiert. Mehr Informationen erhaltet Ihr anschaulich zusammengefasst im deutschsprachigen Wikipedia Artikel zu Arch Linux.

Wer Arch Linux nutzen möchte, benötigt, wie eingehend schon erwähnt, gute Linux Kenntnisse. Dies zeigt sich schon bei der Installation. Es gibt keinen grafischen Installationsprozeß oder um einen präziseren Terminus zu nutzen, Installationsautomat. Festplattenpartitionierung etc. muß alles von Hand vorgenommen werden. Das ist ungewöhnlich für ein Betriebssystem in Jahr 2020. Um das Millennium herum mag es durchaus noch Betriebssysteme mit solchen Installationsaufwand gegeben haben aber daß Arch in der heutigen Zeit sich so großer Beliebtheit erfreut, ist erstaunlich. Entsprechend darf man sich vermutlich als Mitglied in einer elitären Gruppe von Linuxanwendern fühlen, wenn man die Installation geschafft hat oder? Nein soweit möchte ich nicht gehen. Wer viel über Linux lernen möchte, ist bei Arch sehr gut aufgehoben. Es gibt viel zu entdecken und zu lernen.

Fazit

Ich kann gut nachvollziehen, wieso manche so auf Arch abfahren. Durch das rolling Release Prinzip ist man stets am Puls der Zeit. Neuinstallationen sind hinfällig, da durch Aktualisierungen immer das neueste auf das System kommt. Auch ist der Lernfaktor mit Arch Linux sehr hoch, zumindest am Anfang. Auch für mich war es am Anfang sehr ungewöhnlich alles wieder selbst zu machen. Das war eine gute Auffrischung. Das war es für mich aber auch schon. Denn mich konnte Arch damit nicht in seinen Bann ziehen.

Aufgrund seiner Philosophie KISS ist der Ansatz interessant aber die Umsetzung halte ich im Jahre 2020 nicht mehr für praxistauglich und schon gar nicht massentauglich aber ich denke Arch wird diesen Anspruch auch nicht haben. Die Einstiegshürden sind m.M.n. bewußt so gelegt um den Nutzerkreis einzuschränken auf die, die es schaffen Arch zu installieren und mit dem System umzugehen.

Wer könnte also die Zielgruppe von Arch Linux sein?

Linux Anwender mit gewissen Linuxkenntnissen auf alle Fälle. Anwender, die viel über Linux lernen möchten natürlich auch. Und zuletzt die, die immer die neueste Software haben möchten. Addiere ich alle drei Gruppen zusammen, läßt sich hier denneoch eine gewisse Nische dingfest machen. Ich will nicht Nerds sagen aber eine massentaugliche Distribution ist Arch nicht und wird es vermutlich auch niemals sein. Und das ist auch gut so. Ich finde es tatsächlich sogar sehr gut, daß Arch diesen etwas elitären Anspruch verfolgt. Gäbe es nur Ubuntu wäre Linux schnell langweilig. Mit Arch ist Linux alles andere als langweilig, da das System permanenter Veränderungen unterzogen ist dank dem rolling Release Prinzip.

So komme ich zu der Zusammenfassung, daß man mit Arch viel lernt aber ich mag lieber ein System, an dem sich weniger ändert. Die damit verbundene Stabilität wiegt für mich mehr als die Aktualität der Software.

Die Bandbreite an Anforderungskomplexität im Linuxumfeld erachte ich wirklich als Segen. Linux lebt von der Diversifizierung der Distributionen. So ist von zart bis hart für alle was dabei.

Herzlichen Dank für das Anschauen meines Videos. Auf meinem Blog michlfranken.de findet Ihr den dazugehörigen Artikel zum Nachlesen. Da aktuell etwa 15% meiner Zuschauer meinen YoutTube Kanal abonnieren haben, würde ich mich freuen, wenn Du meinen Kanal auch abonnieren würdest. So helft Ihr meinem Kanal zu wachsen. Vielen Dank. Meine Videos könnt Ihr gerne in den sozialen Medien teilen. Bleibt gesund und bis zum nächsten mal. Servus

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1 Kommentar

  1. Wo kommen wir hin wenn alle im Jahr 2020 noch Anleitungen und Wikis lesen müssten wenn sie ein Betriebssystem installieren wollen? Arch ist sowas von umständlich zu installieren. Kein Wunder das es vorzugsweise nur von Geeks und Nerds genutzt und empfohlen wird. Die haben auch die Zeit dafür.
    Im Business oder mit Familie hat man für solche Scherze keine Zeit.
    Mein Senf dazu.

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