Selbstexperiment: 30 Tage mit Ubuntu 20.04 LTS! Erfolg oder Misserfolg?

Hallo Leute, schön Euch zu sehen. Ich habe ein Experiment gewagt und habe 30 Tage lang Ubuntu 20.04 LTS als meine Hauptdistribution, neudeutsch Daily Driver, verwendet. Welchen Eindruck Ubuntu dabei machen konnte, könnte den einen oder anderen überraschen. Also fangen dir direkt an. Bleibt dran.

Ubuntu als Haupt Distribution

Im Rahmen meiner Videos zu Ubuntu viel mir anhand der Kommentare erneut auf, dass scheinbar viele von Euch weiterhin Ubuntu einsetzen. Da kam mir einfach die Idee: Hey, wieso machst Du das nicht selbst auch mal wieder? Gesagt, getan. Ich habe Ubuntu 20.04 LTS installiert und es einen Monat lang ausschließlich in Benutzung gehabt.

Zuvor waren auf dem Rechner Debian Stable und Elementary OS 5 installiert. Die beiden Distros hatte ich überwiegend im Alltag in Verwendung. Ubuntu ist derzeit auch wieder in der Server Variante der Host meiner Pihole Instanz aber das nur so nebenbei. Auf meinem Notebook lief also wieder Ubuntu. Wie viele Jahre zurück bin ich damit, subjektiv gefühlt, gesprungen? Ich verrate es lieber nicht, da es schon über ein Jahrzehnt in die Vergangenheit ragt. Aber gut, ich bin ja nie ganz weg von Ubuntu, sodass ich hier jetzt keine zweite Erstbegegnung zelebrieren musste.

Ich hatte mich bewusst für die LTS Ausgabe entschieden, da das auch die Empfehlung von Canonical bzw. Ubuntu ist. Grundsätzlich bevorzuge ich am Desktop die Stabilität, sodass ich kaum Zeit mit Fehlerbeseitigung nach Aktualisierungen investieren muss und mich somit voll auf meine Arbeit konzentrieren kann.

Mehr zum Thema: Ubuntu 20.04 LTS Focal Fossa im Test

Das Wiedersehen mit Ubuntu im Alltag

Da ich langjähriger Debian Anwender bin, ist die Umstellung auf Ubuntu für mich nur marginal gewesen. Letztlich hatte ich Snap gelöscht und die Dienste für Datensammlung etc gelöscht, wie hier im Beitrag erklärt. Schau Dir das mal wenn Du Ubuntu einsetzt.

Das gefiel mir gut:

Mir gefiel ziemlich gut, wie wenig Pflegeaufwand das Ubuntu System erzeugt. Das ist vergleichbar mit Debian Stable. Ich hatte kein einziges Problem. Das System erkannte alle Hardware Komponenten korrekt. Lüftersteuerung wurde einwandfrei konfiguriert. Das System Abends in Bereitschaft versetzen und am nächsten Tag einfach wieder aufwecken und weiterarbeiten klappte jedes Mal ohne Zicken. Die Energiezustände laufen super. Dank den PPAs konnte ich einige der nötigen Software in neuester Version bekommen. Einerseits finde ich PPAs schon sehr gut, andererseits wäre es besser wenn die Software Pakte seitens der integrierten Paketquellen gepflegt werden würden und man nicht noch zum Teil unzählige Zusatzpaketquellen einbinden müsste. Ein Unding, das bei Ubuntu leider nicht neu ist.

Ich komme mit dem Yaru Thema ziemlich gut klar, sodass ich das Ubuntu System nicht anpassen musste. Es stört im Alltag nicht, was bei mir um Umkehrschluss heißt, dass es für mich gut passt. Hier würde ich beide Daumen nach oben geben, denn dass ich einen Standard-Desktop nicht großartig anpasse, ist schon selten. Das Ubuntu Design Team liefert mit Yaru meines Erachtens nach eine erstklassige Arbeit ab.

Das gefiel mir weniger gut:

Was mir bei Ubuntu mittlerweile weniger gefällt, ist, dass nicht alle Paketquellen zuverlässig Pflege bekommen. So erhalten nur Main und Restricted als Base Packages Pflege seitens der Ubuntu Entwickler. Hierbei ist es unerheblich ob LTS oder ESM Support.

Die Paketquellen Universe und Multiverse hingegen werden nicht von Ubuntu gepflegt und die darin enthaltenen Pakete bekommen nur dann Patche, wenn der jeweilige Paketbauer sich entsprechend einbringt oder in Verantwortung sieht.

Hier könnte es also sein, dass ein Paketbauer zum Aufbau der Version Ubuntu 20.04 ein Paket bereitstellt und dann nie wieder pflegt, sodass es im Auslieferzustand verbleibt und ein potentielles Risiko darstellen kann. Hier kann man auch schlecht sagen welches Paket wo drin steckt. Du kannst mit Synaptic Paketverwalter jedoch nachschauen. Am sichersten wäre es Universe und Multiverse Paketquellen zu deaktivieren.

Auch scheint man kein LivePatch mehr ohne Snap Pakete nutzen zu können. Das war mal anders, auch bei Ubuntu 20.04. Wer also, wie ich , Snap aus dem System entfernt, entfernt seine Möglichkeit LivePatch zu nutzen gleich mit. Sehr schade. Du kannst Produkt A (in dem Fall LivePatch) nur dann nutzen, wenn Du Paket B (in dem Fall Snap) einsetzt. Hier zeichnet sich langsam scheinbar ein abgeschottetes Ökosystem ab, welches nur mit den eigenen Produkten funktioniert. Braucht man das?

Mehr zum Thema: Canonical Livepatch Service für Ubuntu LTS Systeme (Ubuntu 16.04 & Ubuntu 20.04)

Mein Fazit mit Ubuntu 20.04 LTS

Zunächst kann ich Entwarnung geben, es mündete nicht in einer Katastrophe. Ubuntu war zuverlässig und patzte als Arbeitstier im Rahmen meines Tests zu keinem Zeitpunkt. Keine Probleme, keine Abstürze oder Probleme. Was das angeht, ganz klar ein positiver Eindruck. Hier kann ich von der Stabilität her wenig Unterschied zu Debian Stable dingfest machen.

Doch es ist etwas komplizierter. Bei Debian Stable – derzeit noch auf Basis von Buster und nicht Bullseye – gelangte man in den letzten Monaten an einigen Stellen an die Grenze der veralteten Pakete. Als Beispiel das Flatpak Paket Ungoogled Chromium und der in Debian Stable installierten Version 1.2.5. Eine neue Flatpak Version müsste man selbst kompilieren. Ein fertiges Paket oder eine Paketquelle fand ich leider nicht bei Debian. Bei Ubuntu gibt es ein PPA um die neueste Flatpak Version 1.11.2 erhalten zu können. Dennoch bleibt auf der anderen Seite, dass man bei Ubuntu selbst Paketquellen ranflanschen muss, um frische Pakete zu bekommen. Dennoch weiß ich, dass das Beispiel mit Ungoogled Chromium nicht repräsentativ ist, sondern nur ein Einzelfall.

Ich habe jetzt keine Eile möglichst schnell wieder von Ubuntu wegzukommen, dennoch werde ich jetzt nicht dauerhaft bei Ubuntu bleiben. Ob ich auf Debian 11 Bullseye oder openSUSE Leap wechsele oder was auch immer, entscheide ich noch in aller Gemütlichkeit.

Fakt ist, bei Ubuntu gibt es Licht und Schatten. Positiv sind die Beständigkeit, die hohe Stabilität und die planbaren 5 Jahre LTS und wer noch mehr braucht, kann nochmal 5 Jahre ESM Support, also insgesamt 10 Jahre Support bekommen. Das bietet m.W.n. keine andere Distro kostenlos für Privatanwender. Negativ viel mir die Zunehmende Integration von Snap auf und die Sammlung von Telemetrie- und Diagnosedaten. Hier hat Ubuntu in meinen Augen definitiv den falschen Weg eingeschlagen, wenn auch gleich ich verstehe, dass sie Snap nie an den Mann bringen, wenn sie dazu nicht ihre Ubuntu Marktmacht nutzen. Dennoch wird es Neueinsteigern gegenüber schwer zu argumentieren sein, dass sie Windows 10 aufgrund der Datensammelwut aufgeben sollen um dann bei Ubuntu erstmal die Datensammelung zu unterbinden. Das klingt irgendwie in sich nicht geschlossen. Sondern klingt ehr wie ein fauler Kompromiss.

Mehr zum Thema: Ubuntu 20.04 optimieren: Privatsphäre verbessern & Flatpak statt Snap

Von daher würde ich Ubuntu Neulingen pauschal nicht mehr empfehlen, sondern ehr Linux Mint, da es dort die Negativpunkte von Ubuntu nicht gibt. Ganz bewusst hatte ich den Ubuntu Unterbau und die mit der Zeit alternden Pakete, der nicht garaniterte Support in Universe und Multiverse sowie die PPA Thematik bei Mint nicht als Negativpunkt gesondert erwähnt. Wem das ein Dorn im Auge ist, kann auch LMDE ausprobieren. Vielleicht gibt es subjektiv gesehen andere Negativpunkte, doch am Ende des Tages werden Neueinsteiger bei Linux Mint sehr gut abgeholt und alle positiven Punkte von Ubuntu treffen auch für Linux Mint zu, bis auf den ESM Support. Den gibts bei Mint nicht, sondern lediglich die 5 Jahre LTS Support.

Doch ich könnte verstehen, wenn jemand sagt, dass ihm das Yaru Design gefällt und in Verbindung mit 10 Jahren Produktpflege der Umstiegsaufwand zu Ubuntu das ganze wert ist. Ja gut ist ok, das kann ich verstehen, wobei es das Yaru Thema in verschiedenen Farbnuancen zu haben ist und somit auch unter jeden anderen Distro mit Gnome Desktop nachbildbar ist. Aber letztlich ist es eine subjektive Entscheidung.

Bevor wir an das Ende des Beitrags kommen, möchte ich Euch fragen, wie Ihr das seht. Vor allem die Ubuntu Anwender unter Euch können gerne mal ihre Erfahrungswerte mitteilen. Warum seid Ihr bei Ubuntu? Oder plant Ihr von Ubuntu zu wechseln? Falls ja, welche Distro? Wie seht ihr das mit den Universe und Multiverse Paketquellen? Ich halte das echt für bedenklich, wenn es da keine klare Verantwortlichkeit und auch keine Regeln gibt, denn so läuft man ja Gefahr alte Software zu nutzen, möglicherweise auch mit ausnutzbaren Sicherheitslöchern. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare. Und seid versichert, ich lese Eure Kommentare. Nur leider fehlt mir oftmals die Zeit auf alle Kommentare einzugehen.

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3 Kommentare

  1. Was war denn das Problem beim Flatpak Ungoogled Chromium mit Debian Stable?

    In Debian erhält das Flatpak Paket immerhin Sicherheitsfixes, in Ubuntu ohne Fremdquelle ist es, meiner Erfahrung nach, nicht immer der Fall oder es dauert wirklich teilweise sehr lange, bis recht kritische CVE geschlossen wurden.

  2. Auf Basis von Debian Buster (10) ist das dort installierte Flatpak Paket zu alt. Bei Bullseye (11) ist das Problem nicht vorhanden, da neuere Flatpak Version.

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