Linux Mint 21 oder LMDE 5 – was nehmen?

6 min


Hallo Leute. Die Linux Distro Linux Mint erscheint in zwei Editionen. Eine basiert auf Ubuntu, die andere auf Debian. Beide werden aktiv gepflegt und erhalten somit den gleichen Applikationslayer von Linux Mint. Also alle Goodies aus dem Hause Linux Mint. In diesem Beitrag versuchen wir diese hausinterne Konkurrenzsituation aufzulösen und eine klare Antwort auf die Frage zu geben, ob man die normale Linux Mint Ausgabe nehmen soll oder vielleicht doch besser mit LMDE bedient ist. Also Ring frei.

Die alte Schule des Boxens

Keine Sorge. Es gibt keine offenen Wunden oder Kiefer ab. Dieser Schlagabtausch findet rein intellektuell statt. Letztlich tragen die Linux Mint Editionen ja auch nur die gleiche alte Frage aus: Debian oder Ubuntu. Coca Cola oder Afri Cola… Ihr wisst schon.

Doch wir werden auf die Ubuntu vs Debian Frage hier nur tertiär eingehen, denn es ist nicht die eigentliche Frage, wenn auch gleich es definitiv reinspielen wird. Das kann ich schon jetzt versprechen.

Warum verschiedene Ausgaben von Linux Mint?

Linux Mint trat seinerzeit mit einer Ubuntu Basis an. Ursprünglich nahm man noch alle Ubuntu Versionen mit. Heute konzentriert man sich nur noch auf Ubuntu LTS Versionen und tut daran auch gut, denn so kann Linux Mint einen ausgesprochen stabilen Linux Desktop anbieten.

Doch Ubuntu ist nicht frei in seinen Entscheidungen, sondern folgt der Strategie von Canonical. Das ist das Unternehmen von Mark Shuttleworth hinter Ubuntu. Wie jedes Unternehmen ist Canonical daran interessiert Geld zu verdienen. Die Interessen von Canonical können daher konträr denen eines Privatanwenders sein. So kommt es, dass Ubuntu ein Teil der Canonical Produktpalette wurde und im Rahmen der Wertschöpfungskette eine Funktion erfüllt. Die Erfüllung dieser Funktion bringt in Ubuntu Sonderheiten mit, die im Umfeld der freien und quelloffenen Software (im englischen Free and Open Source Software und als FOSS abgekürzt) umstritten sind. So traf Canonical streitbare Entscheidungen. Die meisten sind bereits revidiert, was jedoch nicht heißt, dass sie nicht weniger schwer waren. Doch stehen sie sinnbildlich für die Entscheidung der Linux Mint Entwickler etwas Unabhängigkeit zu Ubuntu sicherzustellen.

Da Ubuntu auf Debian aufbaut, sind Ubuntu und Debian also doch recht nahe Verwandte. Der Aufwand die auf Ubuntu angepassten Pakete für Cinnamon und Co auf Debian zu portieren, war für die Linux Mint Entwickler stemmbar. So begann die Geschichte von Linux Mint Debian Edition – kurz LMDE als potenzielle Alternative zur Ausgabe auf Basis von Ubuntu. Anfangs noch auf wackligen Beinen und als rollendes Debian konzipiert basiert LMDE heutzutage auf der stabilen Debian Ausgabe. Das heißt höchstmögliche Stabilität und felsenfeste Robustheit im Unterbau.

Unterschiede zwischen Linux Mint und LMDE

Zuallererst wäre da der Unterbau anzumerken. Linux Mint basiert auf Ubuntu LTS. LMDE basiert auf Debian Stable. Die Veröffentlichungstermine zwischen Debian Stable und Ubuntu LTS fallen nicht auf das selbe Jahr. Beispielshaft erschien Debian 10 im Jahr 2019, Ubuntu 20.04 im Jahr 2020, Debian 11 im Jahr 2021, Ubuntu 22.04 im Jahr 2022. Debian 13 erscheint aller Voraussicht nach im Jahr 2023. Also in Abhängigkeit wann man die Aktualität einer Ausgabe anschaut, ist entweder Ubuntu LTS oder Debian Stable gerade auf neuerem Paketstand.

Vom Unterbau abgesehen wird die Ubuntu basierende Edition länger unterstützt. Die reguläre Linux Mint Edition bekommt knapp 5 Jahr LTS Support. Bei der Debian Edition kostet man nicht den vollen Supportzeitraum einer Debian Stable Version aus, sondern alle 2 bis 3 Jahre in etwa muss man auf die neueste LMDE-Version springen. Ob die Anwender den vollen Unterstützungszeitraum überhaupt in Anspruch nehmen, sei mal dahingestellt. Aber bei der Ubuntu Edition wird man fast 2 Jahre länger versorgt.

Im Hinblick auf die Systemanforderung von 64-bit Hardware verlangen beide Edition die selben Werte, also mindt 2 GB RAM (besser 4 oder mehr), 20 GB Plattenplatz (Besser 100Gb oder mehr) und 1024×768 Auflösung, wenn auch gleich ich mich nicht mehr erinnern kann, wann ich zuletzt eine Hardware hatte, die diese Auflösung anbot. Egal. Ihr wisst Bescheid, dass es bei den Specs von 64-bit Architektur keine Unterschiede gibt. Die genauen Angaben gibt es hier und hier und hier.

Ein für Nutzer älterer Computer relevanter Unterschied ist, dass LMDE auch noch 32-bit Architektur unterstützt. Die Ubuntu Edition schon seit Version 20 nicht mehr. Wer also ältere Hardware noch irgendwie in Verwendung hat, muss zu LMDE greifen.

Apropos ältere Computer. Viele sagen ja, dass der Desktop hier auch entsprechend berücksichtigt werden sollte. Eine Wahl bekommst Du dann nur bei der regulären Linux Mint Ausgabe zwischen Cinnamon, Xfce und Mate. Ich hatte in der Vergangenheit schon mal einen Beitrag zu den Systemanforderungen der verschiedenen von Linux Mint bereitgestellten Desktops gemacht. Doch da das seinerzeit mit einer älteren Version war, habe ich natürlich die Specs der 21er Version geprüft. Und oh Schock, schwere Not… Es ist unverändert. Alle drei Editionen haben dieselben Anforderungen. Hier nachlesbar.

Also im Hinblick auf die Hardwareanforderungen gibt es keine Stolpersteine. Ich weiß, das könnte einige von Euch jetzt überrascht haben, dass z.B. Xfce und Cinnamon keinen Unterschied machen. Aber ich denke Ihr verkraftet es. Wir können es ja so zusammenfassen, dass Cinnamon genauso effizient ist wie Xfce und Mate es sind.

LMDE wird ausschließlich mit Cinnamon angeboten. In den Debian Paketquellen dürftet Ihr auch Xfce und Mate finden, doch sicher sind dann die Themen nicht so hübsch angepasst wie z.B. bei den Konterparts der regulären Linux Mint Ausgabe. Also das im Hinterkopf behalten.

Vor- und Nachteile der Linux Mint Edition auf Ubuntu Basis

Für die Ubuntu Ausgabe spricht eine sehr gute Hardwareerkennung und in Verbindung mit proprietären Treibern die von Ubuntu bekannte Treiberverwaltung. Weiter können Softwarepakte im Debian Paketformat dank PPA Paketquellen nativ auf neuesten Stand gebracht werden, sofern die PPAs eingebunden werden. Die Stabilität sei ebenfalls erwähnt. Linux Mint ist ein Arbeitstier und punktet mit sehr hoher Zuverlässigkeit. Dank der Ubuntu Point Releases werden auch bei Linux Mint neue Linux Kernel dank des Ubuntu Hardware Enablement Stacks von Zeit zu Zeit bereitgestellt. So hat man neuere LTS Kernel im Angebot.

Gegen die Ubuntu Ausgabe spricht in erster Linie der Ubuntu Unterbau. So mancher hat hier Probleme mit alternten Paketen im Ubuntu Software Stack. Das ist korrekt und ist nicht nur bei Linux Mint so, sondern bei allen Ubuntu LTS basierenden Distros. Die Pakete altern. Linux Mint selbst pflegt primär den hauseigenen Cinnamon Desktop zuzüglich der Xapps. Am Unterbau schraubt man nichts bis auf die Ausnahme, dass man Snap aussperrt und stattdessen Flatpak einbindet. Ferner ist die Verwendung von PPAs im laufenden Betrieb bei System-Upgrades manchmal ein Problem. Hier sind keine Sicherheitsaktualisierungen über die Aktualisierungsverwaltung gemeint, sondern Upgrades im Sinne der Base-Line. Also z.B. von Linux Mint 20, 20.1, 20.2 oder 20.3 auf Linux Mint 21. Innerhalb z.B. der 20er Familie machen PPAs wieder keinen Störfaktor aus, da innerhalb der Sub-Releases mehr oder minder nur Cinnamon und Xapps aufgefrischt werden, nicht die Ubuntu Unterbaupakete.

Meinen ausführlichen Test zur neuesten Linux Mint 21 Version gibt es hier.

Vor- und Nachteile von LMDE

Hast Du keinen Bock auf Ubuntu Unterbau und auf den uralten, grauenhaften aussehenden Cinnamon Desktop, den Debian Stable ausliefert, dann ist LMDE eine Zierde im kargen Umfeld der anderen Alternativen. Debian ist der Quell von Ubuntu und hat somit nicht das mit an Bord, was viele den Ubuntu-Ballast nennen würden. Man liest auch manchmal, das LMDE schneller wäre als die reguläre Ausgabe. Das kann ich nicht erkennen und denke, dass ist rein subjektives Wohlwollen. Der Cinnamon Desktop und die Xapps werden im semi-rollenden Modell bereitgestellt. Mittlerweile schwimmt LMDE hier nur wenige Wochen hinter der regulären Ausgabe hinterher. Heißt erscheint eine neuere Version von Cinnamon heute für Linux Mint, dann steht sie kurz darauf auch für LMDE bereit. Das war mal mit mehr Zeitverzug und hat sich definitiv verbessert.

Ein Nachteil von LMDE ist natürlich auch der LTS-Philosophie geschuldete alternde Paketstand. Auch mir fiel das mal bei Debian 10 auf die Füße, als ich das Flatpak Paket „Ungoogled Chromium“ installieren wollte und das abbrach, weil das Flatpak Binary unter Debian Stable seinerzeit zu alt war. Bei Ubuntu LTS konnte man das Flatpak Binary durch ein PPA auf neuen Stand bringen. Bei LMDE bekommt man den LTS-Kernel angeboten, der mit Debian 11 ausgerollt wird. Neuere Kernel werden nicht automatisch angeboten.

Meinen ausführlichen Test zur neuesten LMDE 5 Version gibt es hier.

Fazit

Die gute Nachricht ist auf alle Fälle, dass wer Cinnamon sehr mag, gleich zwei Auswahlmöglichkeiten hat, wenn wir mal andere Distros an der Stelle ausklammern, denn diese werden nicht so nahtlos im Hinblick auf Cinnamon und Xapps beliefert, wie das Linux Mint es mit seinen eigenen Editionen macht. Irgendwie ja auch logisch.

Beide Editionen haben ihre individuellen Stärken und Schwächen. Fakt ist, Linux Mint ist eine GNU/Linux Distribution, die strikt der LTS-Philosophie folgt. Eine rollende Ausgabe gibt es nicht. Wer damit kein Problem hat, kann aus den vollen Schöpfen und hat die Wahl zwischen zwei der potentesten LTS-Ansätzen.

Bevor wir jetzt zum Ende des Videos kommen, möchte ich Euch um Eure Hilfe bitten. Welche Linux Mint Edition bevorzugt, oder nutzt Ihr? Schreibt Eure Meinung dazu gerne mal in die Kommentare rein. Will mal sehen ob mehr LMDE oder LMUE Meldungen kommen. Bei der Gelegenheit lasst auch bitte gleich ein Kanal-Abo da, falls noch nicht geschehen. Über einen Daumen hoch freue ich mich, wenn Dir das Video gefallen hat. Falls nicht, kannst Du den Daumen runter geben aber sag mir dann bitte auch in den Kommentaren, was nicht passt. Wer an neuen Videos von mir zu Linux und FOSS dranbleiben will, sollte die Glocke nicht vergessen zu aktivieren.

Als Entscheidungskriterium welche Edition es sein darf würde ich stets das subjektive Empfinden, ob man Ubuntu oder Debian mehr mag, zugrunde legen. Besteht hier keine Präferenz, so würde ich zur regulären Linux Mint Edition raten, weil hier ganz einfach eine längere Produktpflege betrieben wird, dank PPA ist man bei der Software flexibler und darüber hinaus ist eine größere Unterstützung durch Foren usw. gegeben. Flatpak ist bei beiden Editionen in Fleisch und Blut übergegangen.

LMDE kommt dem Anspruch einer Alternative sehr weitläufig nach. Was noch nicht ganz auf Augenhöhe ist, sind der Unterstützungszeitraum, Software dank PPA aktuell zu halten und die Gemeinschaft drumherum. Hier punktet die Ubuntu Edition noch. Ansonsten bewegen sich beide Editionen auf Augenhöhe. Daraus können wir auch eine sehr gute Arbeit der Linux Mint Entwickler schlussfolgern. Das ist ehrenwert und verdient Respekt.

In diesem Sinne wären wir dann durch. Danke für die freundliche Aufmerksamkeit und bis bald. Ciao aus Würzburg.


5 Comments

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  1. Linux Mint DE hat den Vorteil, das ich dort noch 32 bit Isos finde. Für Leute wie mich, die noch relatiev viel mit alten PCs und Laptops zu tun haben, ein entscheidender Vorteil.

    Linux Mint 21 mit Kernel 5.15 ist auf meinem Hauptrechner in Verbindung mit Wine und alten Spielen eine mittlere Katastrophe. Bin daher wieder bei Mint 20.3 .

    LMDE 5 habe ich auf einem privaten Altrechner problemlos laufen.

    Wer auch eine 32 bit Variante sucht, hier Linux Mint DE in 32 und 64 bit:
    __________________

    Index of /linuxmint/iso/debian/

    http://mirror.netcologne.de/linuxmint/iso/debian/

    Mein persönlicher Favorit:

    Inoffizielles Linux Mint Debian 5 LXDE
    32 oder 64 bit je nach dem.

    https://www.linuxmintusers.de/index.php?topic=73527.0

    👍

  2. Ich nutze LMDE seit der Version 3. Dieses Jahr habe ich ein neues System zusammengestellt. Mit Intel Chipsatz Z690 und einem intel® Core der 12th. Generation mit UHD Graphics 770. Da die ISO des aktuellen LMDE5 noch mit dem Kernel 5.10 ausgeliefert wird, wird meine recht aktuelle Hardware nicht erkannt. Das Livesystem startet vom USB-Stick nur mit 600×800, eine Installation ist so nicht möglich. Erst ab dem Kernel 5.15 funktioniert das mit meiner Hardware (mit Linux Mint 21 getestet). Mit einer modifizierten ISO mit 5.16 bekomme ich dann auch LMDE5 installiert. Dann wird mir über die Backports auch eine Aktualisierung auf 5.18xx angeboten, aber ich bekomme das System nicht stabil. Leider kann ich deshalb LMDE5 nicht nutzen, der Hauptgrund ist der Auslieferungskernel und ich habe noch keine offizielle ISO mit einem aktuelleren Kernel gesehen.

  3. Ich bevorzuge mittlerweile LMDE. Sehr stabil und zuverläßig, läuft wie ein Uhrwerk. Vor allem der Unterbau „Debian“ macht es für mich so interessant. Kommt eine neue Version alle 2-3 Jahre, wird neu installiert und wieder Ruhe für besagten Zeitraum. Ich meine hey, Linux ist so schnell installiert, was stört mich da eine neue frische Installation. Backup‘s macht man sowieso regelmäßig, also ist das für mich alles kein Problem.

    Und selbst eine rollende Distribution wie Manjaro installiere ich in einem bestimmten Zyklus neu. Hat sich bei mir bewährt. Bräuchte man nicht, ich weiß, ich mach‘s aber trotzdem…. 😉

    Servus

  4. Dazu möchte ich zwei eigene Erfahrungen beitragen:
    1. Zum Tempo von Linuxmint versus LMDE
    Bei der Rechnernutzung erscheinen auch mir beide System gleich schnell.
    Allerdings gab es mit einem ca 15 Jahre alten Dell Optiplex 755-PC doch einen Unterschied.
    Mit Linuxmint ruckelten HD-Videos bei der Wiedergabe. Mit LMDE liefen sie sauber durch.
    2. Zum Ressourcenbedarf
    Der Befehl “free” meldet mir diesen vom OS beanspruchten Speicher:
    Linuxmint XFCE: 620 MB
    Linuxmint Cinnamon: 770 MB
    LMDE: 680 MB
    Keine großen Unterschiede, gewiss. Bei sehr alten Rechnern aber vielleicht doch nicht ganz unwichtig.

  5. Das inoffizielle Linux Mint Debian 5 LXDE (siehe Kommentar von Uwe) beansprucht nach dem Booten je nach Rechner tatsächlich nur 407 bis 430 MB.