Linux Mint 21 Vanessa – Testbericht


Mit Linux Mint 21 wird eine neue LTS Serie der beliebten Desktop Linux Distribution auf Basis von Ubuntu 22.04 LTS eingeläutet. Zusammen mit Linux Mint 21 debütiert Cinnamon 5.4 auf dem hauseigenen Parkett. Alles, was Ihr über Linux Mint 21 wissen müsst, gibt’s jetzt im Bericht. Bleibt dran.

Das ist Linux Mint

Linux Mint baut auf Ubuntu LTS Ausgaben auf, und bringt für jede Ubuntu LTS Version eine Mint Hauptversion, die dann im halbjährlichen Abstand mit Point-Releases seitens des Desktops aufgefrischt werden. Die Ubuntu LTS Basis bleibt bei den Point-Releases unverändert. Linux Mint erscheint auch noch alternativ als Debian Edition, kurz LMDE. Wenn Dich das mehr interessiert, schau mal auf meinem YouTube Kanal vorbei. Da gibt’s den Test zur aktuellen LMDE 5 Version. Die Ubuntu Edition kommt mit drei Desktops. Xfce, Mate und der hauseigenen Cinnamon Desktop, die wir in diesem Beitrag näher anschauen.

Was ist neu?

  • Ubuntu 22.04 Basis
  • Linux Kernel 5.15
  • Cinnamon 5.4.4
  • Xfce 4.16
  • Mate 1.24
  • Neues Mintupgrade Dienstprogramm
  • Verbessertes Os-Proper Setup in Verbindung mit Grub-Updates
  • Der Out Of Memory Deamon von Ubuntu wird somit durch OS proper ersetzt
  • Blueman ersetzt Blueberry als Bluetooth Manager
  • Xviewer unterstütz das WebP Bildformat
  • Verbesserungen der TimeShift Oberfläche

Technische Eckpunkte

Als klassische LTS Distribution folgt Linux Mint dem statischen Versionsbau von Ubuntu LTS. Heißt die Paketstände sind weitgehend eingefroren und überwiegend gibt es Sicherheitsaktualisierungen. Ausnahmen sind z.B. Cinnamon Desktop, Firefox oder Thunderbird. Linux Mint 21 ist ausschließlich für 64-bit Hardware verfügbar. Als natives Paketformat kommt das Debian Paket zum Einsatz, das durch Flatpak ergänzt wird. Die primäre Paketverwaltung ist APT.

Inbetriebnahme

Falls Du neu bei Linux Mint bist, empfehle ich Dir für den Fall, dass Du installieren willst, meinen Beitrag im Rahmen der Serie Wechsel zu Linux – Installation von Linux Mint. Da hatte ich den Installationsprozess demonstriert und dieser wird da Schritt für Schritt gezeigt und erklärt. Auf meinem YouTube Kanal ist das Video aufrufbar. Einfach mal reinschauen, falls da Unklarheiten sein sollten oder Du Dir das einfach mal unverbindlich anschauen willst.

Hacks und wichtige Befehle (Aktualisierung, Suchen etc)

Paketquellen mit APT auffrischen:

sudo apt update

Pakete aktualisieren:

sudo apt upgrade

Unnötige Pakete entfernen nach Aktualisierung

sudo apt autoremove

Flatpak Pakete auffrischen

sudo flatpak update

Vollautomatisierte Aktualisierung:

sudo apt update && sudo apt upgrade -y && sudo apt autoremove -y && sudo flatpak update -y

Die Befehlskette könnest Du auch in ein Skript packen und dieses via Cronjob einplanen. Du musst aber nicht zwingend mit dem Terminal arbeiten. Die Aktualisierungsverwaltung von Linux Mint gehört zu einer der besten in dieser Klasse. Diese lässt sich auch einstellen, wie Aktualisierungen gehandhabt werden soll, also auf Bestätigung oder voll automatisch. Ich würde generell empfehlen damit zu arbeiten

Zielgruppe

Die potenzielle Zielgruppe besteht primär aus Desktop Anwendern. Hierauf konzentriert sich Linux Mint mit großem Erfolg. Die Distro ist direkt startklar und kommt mit allem, was man am Desktop benötigt, daher. Das kommt vor allen Neueinsteigern zu Gute, die unter Umständen noch nicht die gängigen Programme kennen und werden hier an die Hand genommen und mit einer sinnvollen Auswahl ausgestattet. Die Betonung liegt auf sinnvoll, es ist hier nämlich keine Bloatware oder dergleichen vorinstalliert.

Performance, Desktop &, Programme

Systemvermessung

  • Mein System belegte 7,8 GB der Platte nach der Inbetriebnahme
  • Der initiale Benchmarkwert im RAM Verbrauch lag bei 630 MB

Werfen wir schnell einen vergleichenden Blick auf den Vorgänger Linux Mint 20.3. Hier lag die Plattenplatzbelegung bei 8,6 GB und der RAM Verbrauch lag bei ca 700MB.

Wir stellen also leicht gesunkene Werte fest. Das ist ein positives Signal, wenn auch gleich diese Werte dynamisch sind und sich ändern.

Anzahl installierter Pakete nach ersten Start: 2128

Desktop Oberfläche und Konzept

Zum Zeitpunkt der Beitragserstellung wird Cinnamon Desktop 5.4.8 angeboten. Gestartet wurde mit 5.4.2 und im Rahmen der Betaphase kam bereits eine neuere Version.

Cinnamon ist ein traditioneller Desktop, der heutzutage nicht mehr durch unglaubliches Design oder unkonventionelle Bedienkonzepte daherkommt, sondern ganz spießig und konservativ dazu einlädt, die anfallende Arbeit zu erledigen. Es ist ein produktiver Desktop, der auf Funktionen und Operabilität den Fokus legt und nicht auf Spielerei und Schnickschnack.

Hast Du also mal Windows 7 oder Windows 10 eingesetzt, dann wird der Desktop Dir nicht unvertraut vorkommen, wenn auch gleich so manche optische Spielerei in Windows, die Dir Nachrichten oder sonstiges einblendet hier Fehlanzeige sind. Das gibt es schlicht nicht. Es geht um Effizienz, Verlässlichkeit und Beständigkeit. So kommt es, dass Cinnamon seit Generationen optisch sich stark ähnelt. Ist das schlimm, wenn Du damit arbeitest? Ich denke nicht. Und falls nicht, kann man Cinnamon ja auch anpassen.

Das geht in den Einstellungen unter dem Abschnitt Themen. Hier könnt Ihr die Farbnuancen einstellen, wie auch ob die Oberfläche allgemein hell oder dunkel gehalten sein soll. Solltest du nicht so sehr an eine Windows ähnliche Oberfläche gebunden sein und darfs gerne auch ein Touch macOS sein, dann kannst du die untere Leiste nach oben verschieben und installierst das Plank Dock. Das ginge auch mit wenig Aufwand.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.15
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: Thunderbird
  • Büropaket: LibreOffice
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

Wie wir sehen, Linux Mint bleibt seinem Weg treu und geht diesen immer weiter. Man bleibt nicht stehen. Das Abkommen mit Mozilla zeugt davon, denn davon partizipiert ihr alle, wenn ihr Firefox nutzt, denn dieser wird dadurch weiterhin im Debian Paketformat bereitgestellt.  Ich finde es toll, das Linux Mint weiterhin Firefox und Thunderbird die Treue hält.

Im Hause Linux Mint ist es üblich, dass für den Desktop Einsatz das mitkommt, was man auch braucht. Es sind also gewisse Komponenten wie Office, Broser, Mail Client und Videospieler mit dabei. Aber keine Spiele oder anderes exotisches Zeug. Sollte Dir das nicht genügen, dann findest Du in der Anwendungsverwaltung, was der hauseigene App Store ist, reichlich Nachschub. Hier tummeln sich sowohl Debian, als auch Flatpak Software Pakete. Flatpaks werden unten in einem separaten Knopf gruppiert. Ansonsten findest Du weitgehend dasselbe wie bei Ubuntu 22.04.

Besonderheiten und Fazit

Linux Mint ist eine der für den Linux Desktop geeignetsten Distros, wenn du mich fragst. Warum? Ganz klarer Fokus auf den Desktop. Auf Stabilität, Kontinuität und Konzentration auf Operabilität. Das heißt Linux Mint ist stabil und bereit, wenn Du es brauchst. Der Cinnamon Desktop mag nicht der revolutionäre Desktop von einst mehr sein. Wie sollte dem auch immer so sein? Es kehrt immer irgendwann der Punkt ein, an dem nur noch Feinheiten verbessert werden. Dafür gibt es ein beständiges Desktop Erlebnis, das über Generationen hinweg auf gleichbleibend hohen Niveau sichergestellt wird. So ist Linux Mint Dein treuer Begleiter, wenn es um die relevanten Dinge geht wie z.B. Verfügbarkeit und Integrität. Es ist bereit, wenn Du es brauchst. So soll es sein.

Die vom Linux Mint getragenen XApps sind ergänzende Helfer, die auch auf anderen Distros genutzt werden können. Der neueste Zugang ist TimeShift, die Sicherungssoftware, die entweder via Rsync oder in Verbindung mit BtrFS rückrollbare Systemschnappschüsse anfertigen kann. Hier lässt Mint ganz klar einen roten Faden erkennen, der aus einem gewissen Dreisatz besteht: Verlässlichkeit, nützliche Helfcherchen und Kontinuität. Davon partizipieren auch die Xfce und Mate Ausgaben, wenn auch gleich diese Desktops nur adaptiert und angepasst werden, statt selbst entwickelt zu werden wie Cinnamon.

Fazit

Linux Mint 21 ist eine solide Weiterentwicklung. Sie fußt auf Ubuntu 22.04, kommt jedoch mit punktuellen Abweichungen, die durchaus begrüßenswert sind. Apps werden nicht einfach mitten im Betrieb abgeschossen, nur weil ein Deamon denkt, sie würden zuviel Ressourcen fressen. Snap ist nicht mit dabei und dümplet somit weiterhin als Canonical Eigenentwicklung daher, die primär nur im Ubuntu Kosmos Relevanz besitzt. Flatpak mag nicht völlig unumstritten sein, doch ist es der Standard an Softwarecontainerisierung im FOSS Umfeld. Hier reiht sich Linux Mint sinnigerweise ein.

Obwohl Cinnamon 5.4 hier debütiert, sind die Änderungen am Frontend tatsächlich überschaubar. Oder anders ausgedrückt, ist man nicht so tief drin, wird einem vermutlich nicht auffallen, ob man Linux Mint 20.3 oder 21 benutzt. Cinnamon gibt auf den ersten Blick keinen signifikanten Indikator dafür. Der Hauptgrund für den Versionssprung liegt im Ubuntu 22.04 Unterbau, den damit einhergehend werden auch die Pakete des Gesamtsystems modernisiert. Dafür lohnt es sich dann auch. Ubuntu 22.04 hatte ich schon getestet und wenn Du Dich für den Test interessierst, den findest Du auf meinem YouTube Kanal. Wenn Du so grundsätzlich immer auf dem Stand und gut unterhalten sein willst, dann lohnt sich ein Abo meines Kanals. Kostet Dich nichts und ist eine Win-Win-Situation für uns beide.

Wenn Du eine Linux Mint Version der 20er Serie einsetzt, kannst Du Dich auf eine moderate, aber beständige Modernisierung freuen. Der Ubuntu 22.04 LTS Unterbau ist schon eine Weile am Markt und somit stabil. Cinnamon 5.4 debütiert hier bei Mint, ist aber bei rollenden Distros schon ein paar Wochen verfügbar und somit auch nicht im Status Stapellauf. Also sinnvolle und evolutionäre Weiterentwicklungen, die man bei Gelegenheit mitnehmen sollte. Das heißt, es gibt keinen zwingenden Grund sofort auf Linux Mint 21 zu springen. Über den Ubuntu Hardware Enablement Stack kannst Du auch bei Linux Mitn 20.3 Kernel 5.15 bekommen. Das nur für den Fall, dass es da seitens der Treiber für Dich ein Kriterium geben sollte. Ich würde raten noch ein paar Wochen zu warten und dann im Rahmen des Sommerlochs oder im Herbst zu aktualisieren. Wenn es halt eben passt. Den richtigen Zeitpunkt wirst Du schon finden.

Wie gefiel Euch denn Linux Mint 21? Wann macht ihr das Upgrade oder bleibt ihr erstmal auf einer der 20er Generationen? Deine Meinung kannst Du gerne in die Kommentare reinschreiben.

Mir gefiel Mint 21 schon aber ich denke Cinnamon wird demnächst mal wieder etwas Politur benötigen. Startet man das Menü, ja dann könnte man hier schon mal etwas Modernisierung vorstellen. Nicht so verspiel wie KDE Plasma aber so in etwa wie Windows. Ja Windows, genau hier will man ja Nutzer abgreifen und da könnte ein ähnliche, aber vertraute Oberfläche vielleicht unterstützend wirken.

Danke für die freundliche Aufmerksamkeit und bis bald.


3 Kommentare

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  1. Wie immer,klasse Video von Dir und auch hier im Artikel alles gut abgedeckt.
    Was mich bei nahezu allen Linux-Live-Versionen (unabhängig von der jeweiligen Distrie) stört, ist das Hardwaretools wie CPU-X oder Hardinfo fehlen.
    Sitzt man vor einem fremden PC bei unwissenden Freunden/Bekannten/Kunden (…”weiß nicht was da drin verbaut ist, war ein Aldi-PC”…) fängt u.U. der Knatsch an.
    .
    Wenn es dann aber mit allem wichtigen Programmen installiert und angepasst ist, ja dann ist Linuxmint sowohl als 2X.xx als auch die LMDE 5 version das “Volks-Linux”.
    🙂
    Weil…. Es läuft und läuft und läuft….

  2. Linux Mint ist seit vielen Jahren eine sehr solide Linux-Distribution, die ich vor allem auf nicht ganz neuen Laptops nutze. Auch bei Bekannten habe bereits des öfteren nicht mehr ganz neue Laptops Linux Mint installier, damit kommen auch Neulinge gut zurecht.
    Hohes Lob also für die Entwickler der Distribution – und an MichlFranken für die vielen Testberichte!

  3. Linux Mint 21 – Erster Testlauf… der letzter gleichzeitig??

    Tja Leute,
    was soll ich sagen? Linux Mint war, und IST für mich DIE Linux Distro dir immer gut und sauber funktionierte und mir nie große Probleme beschied.
    Leider startete dies bei LM21 schon (wenn auch unbegründet) bei der Installation mit dem Gequengele für ‘ne EFI Partition. Leider allerdings, und das ist für mich der komplette Show Stopper, benötige ich für mein Home Office auch Citirix.
    Also: Citrix Workspace App + stoken installiert. Dank einer separaten /home partition waren alle Einstellungen direkt übernommen…
    …da war doch so ein Fachmann der erläuterte, dass eine eigene /home partition nicht sinnig sei???

    Nach der Installation von Citrix Workspace führte dies allerdings zu einigen Problemen:

    – Die Citrix Umgebung liess sich nicht mehr komplett starten
    – Firefox crashte in jedem Tab
    – ncohvollziehbar auf 2 Laptops – danach war Schluss -> Mint 20.3 wurde wieder installiert.

    Alle o.g. genannten Probleme waren behoben.
    -> Tja, das muss noch etwas geübt werden. LM ist für mich auch ein Produktiv System und wenn etwas nach dem Update zuckt wird ein Downgrade vorgenommen.