Linux Mint Debian Edition 5 (LMDE 5) im Test


LMDE 5 ist die alternative Ausgabe von Linux Mint mit Debian Stable als Basis statt Ubuntu. Alles, was Ihr zu LMDE 5 wissen müsst, erfahrt Ihr im Video. Legen wir los.

Über LMDE

Anders als bei der regulären Linux Mint Edition ist hier der Unterbau nicht Ubuntu LTS, sondern Debian Stable. In dem Fall Debian 11 Bullseye. LMDE 4 hatte noch Debian 10 Buster als Basis. Vorausgegangen war eine recht lange Beta-Testphase seit etwa Weihnachten 2021. Herausgekommen ist eine Distro, die Debian mit Linux Mint vereint und den Codenamen Elsie trägt. Dem ist auch in der Realität so. Wir haben den stabilen Debian Unterbau, auf den die aktuelle Cinnamon Desktop Ausgabe angeflanscht wurde. Obendrein gibt es die Xapps von Linux Mint, also alle Goodies.

LMDE ist generell die alternative Ausgabe von Linux Mint um die Unabhängigkeit des Projekts von Ubuntu sicherzustellen. Sollte also Ubuntu mal für unbrauchbar werden, so möchte das Linux Mint Projekt mit der Debian Ausgabe eine Lösung in der Tasche haben, die man sofort rausziehen kann.

Die Systemanforderungen sind übrigens recht moderat:

  • 2GB RAM, besser 4 GB
  • 20 GB Plattenplatz, besser 100 GB
  • 1024 x 768 Auflösung oder besser

Was ist neu?

  • Debian 11 Bullseye Unterbau
  • Cinnamon 5.2
  • Xapps, die von Linux Mint bekannt sind

Distributionsmodell:

Linux Mint Debian Edition dürfte es den meisten schon sagen, was Sache ist. Die Ausgabe ist eine Distro mit statischen Versionsstand. Stabilität geht über Aktualität der Pakete. Es gibt für die Debian Pakete nur Sicherheitsaktualisierungen, während Cinnamon und die Xapss regelmäßig aufgefrischt werden.

Architektur

Dank dem Debian Unterbau kann LMDE nicht nur Unterstützung für 64-bit, sondern auch noch für ältere 32-bit Architektur anbieten. Also hier sticht LMDE gegenüber der LMUE mit 32-bit Unterstützung klar hervor.

Paketverwaltung und natives Paketformat

Entsprechend der Debian Basis haben wir eine Distribution, die auf das deb Paketformat aufsetzt und darüber hinaus Flatpak unterstützt.

Inbetriebnahme / Download von Seite

Um in die Linux Mint Welt einzusteigen, müsst Ihr Euch die LMDE Iso Datei von der Linux Mint Seite herunterladen. Danach müsst Ihr die ISO Datei mit einem Tool wie z.B. Etcher auf USB Flashen oder eine DVD brennen. Danach könnt Ihr installieren.

Ein kleiner Hinweis jedoch noch: Nachdem das ISO Abbild heruntergeladen ist, solltest Du dessen Korrektheit validieren, um manipulierte Software auszuschließen. Wie Du diese Validierung durchführen kannst, hatte ich ebenfalls schon demonstriert. Keine Sorge, das dauert nicht lange und geht einfach, wie in diesem Beitrag bereits zeigt. Es ist kein Hexenwerk und kann Dich vor manipulierter Software etc. Schützen. Also nimm Dir lieber die fünf Minuten, um die Prüfsumme zu bilden und abzugleichen.

Mehr zum Thema / Miniserie:

Inbetriebnahme / Installation

Den Installationsprozess von Linux Mint hatte ich bereits im Rahmen meiner Serie Wechsel zu Linux dediziert für Linux Mint beschrieben. Schau es Dir gerne einmal an, wenn Du neu bei Linux Mint bist und es Dir zunächst unverbindlich einmal anschauen magst. Kurz gesagt, der Installationsprozess ist stark vereinfacht und sollte gut an die Hand nehmen. Ich habe hier ein paar Screenshots und nach ein paar Klicks kommen schon die üblichen, ich sage mal polemisch Propaganda-Bildchen. Ich werde in diesem Beitrag nicht mehr gesondert auf die Installation eingehen.

Hacks und wichtige Befehle (Aktualisierung, Suchen etc)

Wenn Du das System aktualisieren willst, kannst Du das grafisch oder via Terminal machen. In der Konsole würde ich folgende wichtigen Befehle empfehlen:

Paketquellen auffrischen:

sudo apt update

Pakete aktualisieren:

sudo apt upgrade

Unnötige Pakete entfernen nach Aktualisierung

sudo apt autoremove

Flatpak Pakete auffrischen

flatpak update

Vollautomatisierte Aktualisierung:

sudo apt update && sudo apt upgrade -y && sudo apt autoremove -y && flatpak update -y

Die Befehlskette könnest Du auch in ein Skript packen und dieses via Cronjob einplanen. Aber das ist bei LMDE total überflüssig, denn die Aktualisierungsverwaltung steht Euch zur Verfügung und erinnert Euch, wenn Aktualisierungen anstehen und dann könnt ihr diese auch grafisch installieren.

Zielgruppe

Hier sehe ich ganz klar Desktop Anwender, die stabile Debian Basis mit tollen Cinnamon Desktop haben möchten. Aber nicht die Asbach Uralt Version, die Debian selbst im Repo hat, sondern in neuester und bester Version. Dazu können alle Linux Mint Anwender, die keinen Bock mehr auf den Ubuntu Unterbau haben, bedenkenlos zu LMDE greifen. Ihr müsst aber beachten, dass Ihr PPA Paketquellen hier nicht nutzen könnt. Ist das keine Hürde, dann gibt es eigentlich keine Stolpersteine.

Performance, Desktop &, Programme

Systemvermessung

Meine LMDE 5 Installation krallte sich 6 GB der Platte. Das ist ok.

Der initiale Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum lag bei etwa 750 MB RAM.

Vergleichen wir kurz mit dem Vorgänger. LMDE4 belegte 5,5 GB und verbrauchte knapp 690 MB RAM.

Mehr zum Thema: Linux Mint Debian Edition4 (LMDE4) Debbie als finale Version im Test

LMDE5 schnappt sich 500MB mehr von der Platte. Der RAM Konsum ist etwas höher, aber ich denke das ist unproblematisch. Ich habe hier allerdings auch die Betaversion in Verwendung, um Euch pünktlich nach Veröffentlichung auch diesen Beitrag zur Verfügung stellen zu können. Also möglicherweise werden die Werte in der fertigen Version marginal schwanken aber im Großen und Ganzen haben wir hier ein recht valides Bild.

Desktop Oberfläche und Konzept

Cinnamon liegt zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags in Version 5.2.7 vor.

Der Desktop lädt Windows Wechsler direkt zum Weitermachen ein. Wer Windows einmal nutzte, wird, Windows 11 mal aufgrund der zentrierten Taskleiste mal ausgeklammert, direkt wohl und heimisch fühlen. Es ist konzeptionell sehr ähnlich. Unten eine Taskleiste, links das Startmenü gefolgt von Schnellstartern, die gruppiert angezeigt werden. Rechts sind Schnellzugriffe aus Systemindikatoren.

Die Fenster sind bei Cinnamon mittlerweile auch abgerundet und nicht mehr eckig. Das sieht modern aus und schließt auf zur Konkurrenz. Die Mint Themen wurden modernisiert und auf den aktuellen Stand gebracht. Es gibt helle und dunkle Themen, die konsistent aussehen und keinen Mix aus hell und dunkel mehr darstellen. Es gibt verschiedene farbliche Nuancen, die Euch zur Verfügung stehen.

Das bisherige Cinnamon Design.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.10
  • Browser: Firefox
  • E-Mail Client: Thunderbird
  • Büropaket: LibreOffice 7.0
  • Software-Container: Flatpak

Allgemein vorinstallierte Software:

Was mir Linux Mint sympathisch macht, ist, dass genau das nötige für das dabei ist, für das sie die Distro anbieten: Für den Linux Desktop. LMDE5 hat also auch alles dabei, was Du zum Arbeiten benötigst. Für so ziemlich alle erdenklichen Standardsachen am Desktop ist schon etwas vorinstalliert, ohne jetzt das System zuzumüllen. Vom Office Paket zum Videospieler, vom Fotoprogramm bis zum Webapps-Manager ist alles dabei. Auch Timeshift für Systemschnappschüsse ist mit dabei. Ein rundum sorgloses Paket für den Desktop.

Tipp: Falls Dir das dunkle Hintergrundbild nicht gefällt, Du hast bei LMDE zwar keine eigenen Hintergrundbilder aber stattdessen werden alle Bilder der regulären Linux Mint Versionen, also Ulyana, Ulyssa, Uma und Una mitgeliefert und da sind schon ein paar richtige Knaller dabei. Also Reinschauen lohnt sich auf alle Fälle.

Besonderheiten und Fazit

Wie schon erwähnt, LMDE verbindet den robusten Debian Unterbau mit dem neuesten Cinnamon Desktop. Das ist meiner Meinung nach auch die deutlich cleverere Entscheidung gegenüber einem Debian Stable mit Cinnamon Desktop, so wie Debian es ausliefert. Hier gibt’s die hübsche Komplettlösung ohne viele Kompromisse, wenn Du mich fragst.

Dennoch erwähnte ich im Test von Linux Mint 20.3, dass LMDE in meinen Augen kein vollumfänglicher Ersatz für Linux Mint ist. Darauf möchte ich kurz zurückkommen. Der Debian Unterbau bringt eine ausgesprochene Robustheit. Doch das hat auch einen Preis. Die Pakete altern. Debian 11 erschien im Sommer 2021. Jetzt kommt LMDE 5, also über ein halbes Jahr später. Wer rollende Distros einsetzt, wird jetzt schon Puls haben, weil das, von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet, entweder total frisch oder steinalt ist. Dessen ungeachtet gehst Du mit den Debian Paketen keinen Kompromiss bei der Stabilität aber bei der Aktualität ein. Auf dem Papier liefert die LMDE 5 Version sogar mit Kernel 5.10 einen neueren Kernel als Linux Mint 20.3 mit Kernel 5.4. Doch kann man bei der regulären Linux Mint Edition dank dem Ubuntu HWE auch einen neueren Kernel einsetzen. Der ist dann sogar neuer als der von LMDE. Mir fiel bei LMDE 4 einmal auf, dass ich Ungoogled Chromium als Flatpak nicht installieren konnte, weil das Flatpak Paket zu alt war. Das war bei der Debian 10 Basis von LMDE 4 einfach schon zu sehr gealtert. Bei LMDE 5 mit Debian 11 existiert dieses Problem derzeit nicht, aber es könnte irgendwann wieder aufkommen. Möglicherweise wieder bei Ungoogled Chromium, möglicherweise bei einem anderen Flatpak Paket, möglicherweise gar nicht. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen aber will zumindest klar aufzeigen, dass auch im Debian Stable Universum nicht alles Gold ist, was glänzt.

Fehlermeldung bei Installation von Ungoogled Chromium unter LMDE 4

Fazit

Wenn Dir Linux Mint gefällt, Du aber vom Ubuntu Unterbau abgestoßen oder genervt bist, hier ist die Alternative, auf die Du gewartet hast. Das gilt auch, wenn Du eingefleischter Debian Anwender bist aber neidvoll auf Linux Mint mit neuen Cinnamon und tollen Xapps schielst. Hier ist Deine Distro. Du bist nicht von den Snap Streitereien betroffen und kannst Dich bei all dem entspannt zurücklehnen und mit Deinem System arbeiten. Denn es ist wie mal in der Werbung des Volkswagen Käfers: Es läuft und läuft und läuft und läuft. Trotzdem solltest Du die Kontrapunkte von eben nicht ganz ausblenden. Diese können irgendwann mal aufkommen, sie müssen aber nicht. Bis es so weit ist, kannst Du Dich an einer tollen Distro für den Linux Desktop erfreuen, die schnell und stabil ist und von Werk an alles im Bauch hat, was Du am Desktop vermutlich sowieso brauchen wirst.

Bevor ich gehe, möchte ich mich bei allen Unterstützern ganz herzlich bedanken.

Bei Dir möchte ich mich für die freundliche Aufmerksamkeit bedanken. Deine Meinung kannst Du gerne in den Kommentaren hinterlassen, entweder auf YT oder auf meinem Blog. Wenn Dir das Video gefallen hat, dann abonniere gerne meinen Kanal. Mit dem Daumen kannst Du zeigen, wie es Dir gefallen hat und die Glocke informiert Dich sofort, wenn ich Nachschub an neuen Videos veröffentlichte. Es lohnt sich.

Bleibt gesund, passt weiterhin gut auf Euch auf und bis zum nächsten Mal. Bis dahin. Macht es gut. Ciao, Euer Michl aus Franken.


16 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

  1. @Marshal: Nein, das geht so nicht. Nur durch Neuinstallation aber keine Form der Migration.

  2. Da Raspbian, DietPi, Proxmox, OpenMediaVault etc alles auf Debian basiert, und ich mit Debian somit eh schon überall zu tun hab, dachte ich mir, warum nicht auch aufm Desktop Debian-Unterbau nutzen. Fühlt sich schneller an als Mint mit Ubuntu-Unterbau. 4k-Scaling funktioniert mit Cinnamon sowieso am einfachsten, Steam mit Proton läuft auch, also Top. Grüße ums Eck 🙂

  3. Hi Michl,

    danke für deinen umfassenden Überblick. Ich finde gerade die Loslösung von ubuntubasierten Distributionen richtig und wichtig. Ich kann doch als Entwickler nicht über Snap und andere Ergüsse Canonicals herziehen und es dann aber doch immer wieder verwenden wollen. Wozu gibt es denn Debian, die Mutter der Pinguine?
    Es gibt dort zwar keinen HWE-Stack, aber den brauchts ja auch gar nicht zum Leben. Das ist doch auch ein Canonical’sches Machwerk, wo Ubuntu LTS u.a. auch den xorg-Stack von Debian Sid erhält. Debianer nennen so etwas dann Frankendebian.

    Sauber hingegen ist Debians Lösung selbst. Es gibt inzwischen Kernel 5.16 in den Bullseye-Backports. Das Backport-Repository liefert LMDE seit Version 4 auch mit aus, man muss es nur benutzen. Debian ist klar, transparent und natürlich stable. Wem das zu alt ist nimmt Arch und installiert Cinnamon. Auch ne gute Lösung.

  4. Hallo Michl,

    kann ich LMDE4 upgraden auf LMDE5? Ich weiß, das eine Neuinstallation sauberer ist 🙂

    Gruß

    Claus

  5. in den Distributionen Mint 20 sowie LMDE 5: Thunderbird Mail “speichern unter” auf einem eigenen Ordener funktioniert nicht mehr

  6. Hallo Michl,

    erst mal Danke für die Antwort und generell für die tolle Arbeit hier.
    Die Anleitung habe ich probiert, es hängt im Moment an der Stelle wo beim Befehl “apt install mintupgrade” die Antwort “E: Paket mintupgrade kann nicht gefunden werden.” kommt. Ist die Lösung warten oder kann ich das mintupgrade auf anderer Weise nachinstallieren?

    Danke und Gruß

    Claus

  7. @Claus:
    Wenn die Entwickler das Paket noch nicht ins Repo gelegt haben, wird Dir nur bleiben entweder neu zu installieren oder abzuwarten, bis es soweit ist.
    Das Anpassen der Paketquellen bliebe zwar auch noch aber ist mit einem gewissen Restrisiko verbunden.

  8. Mir fällt ein Widerspruch in deinen Ausführungen auf (vielleicht hab ich aber bloss etwas falsch verstanden).
    Duschreibst: “Mir fiel bei LMDE 4 einmal auf, dass ich Ungoogled Chromium als Flatpak nicht installieren konnte, weil das Flatpak Paket zu alt war.”
    Weiter oben hast du einen ganzen Abschnitt:
    “Flatpak Pakete auffrischen”
    darunter auch:
    “flatpak update”
    Da sag ich in der mir eigenen Art (als Unterfranke…) Ja was denn nu?

  9. Hallo Axel,

    damit war das Flatpak Software Paket selbst gemeint, nicht das Flatpak-Software-Container-Paket.

  10. Ok, danke. Das hatte ich falsch verstanden.

    Ich bin jetzt – nach einer sehr langen Pause (> 15 Y – wieder “am Einsteigen” in Linux. Hab Anfang der 2000er meinen Einstieg in Linux mit SUSE 6.irgendwas (ich glaube 4) gehabt. Nun hab ich erstmal auf VirtualBox (zum wieder kennenlernen) Suse tumbleweed getestet, Danach Linux Mint 20.3 und – auch inspiriert durch dein Blog (bzw. YT-Vid) hab ich aktuell LMDE 5 am Start.

    Was soll ich sagen ich denke ich hab “mein Linux” gefunden.

    Debian hat mich von Anfang an schon fasziniert (war mir aber zu kompliziert) Linux Mint fand ich jetzt echt toll, aber der Ubuntu-Unterbau stört mich (wg. Canonical)
    Jetzt hab ich glaube ich das gefunden, was ich unter gegebenen Umständen als Quadratur des Kreises bezeichne. Ein Debian (sicher – stabil) mit einer Distro/Oberfläche die echt Laune macht.

    Danke für deine Vids, die mir bei der Auswahl zum Wiedereinsieg gut geholfen haben.

  11. Habe in meiner Firma auf der Suche nach einem Wechsel von MacOS und Windows einige Distros ausprobiert und bin letzlich immer wieder bei LMDE gelandet. Es ließ sich ohne viele Probleme auch auf alten MacBook Pros installieren (die robuste und oft ausreichende Hardware kann weiter genutzt werden), stellt anfänglich keine allzu großen Anforderungen an einen Einsteiger und bietet alles um schnell auf einem Linuxsystem in die Gänge zu kommen. Mittlerweile läuft LMDE auch auf Kundencomputern, stabil und zuverlässig.