Ubuntu Unity 22.04 mit Unity 7.6 im Test – geht das gut?

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Ubuntu Unity ist ein inoffizieller Ubuntu Fork, der den Ubuntu Release Zyklen folgt. Dabei kommt diese Ausgabe mit dem Unity Desktop daher, den Ubuntu vor ein paar Jahren aus der Taufe hob und gleichermaßen auch wieder einstampfte. Doch damit sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange, denn die Entwickler von Ubuntu Unity haben nun nach 6 Jahren eine erste neue Version von Unity veröffentlicht. Was das jetzt für die von Euch, deren Herz immer noch mit und für Unity schlägt, bedeutet, das schauen wir uns heute an.

Das ist Ubuntu Unity

Wie schon in der Einleitung kurz skizziert, Ubuntu Unity führt den von Canonical seinerzeit kreierten Unity Desktop fort. Der Unity Desktop wurde zuletzt mit Ubuntu 16.04 LTS ausgeliefert und danach zu Gunsten eines Schwenks zurück zu Gnome eingestellt und aufgegeben. Die Pakete waren jedoch weiterhin in den Ubuntu Paketquellen verfügbar, sodass man sich den Unity Desktop auch z.B. unter allen Interimsversionen sowie den LTS Versionen Ubuntu 18.04 und 20.04 installieren konnte. Ubuntu Unity griff bislang letztlich genau diese vorhandenen Pakete auf und änderte das Design bzw. passte es etwas an. Doch mit der Veröffentlichung von Unity 7.6 hat sich dies nun geändert, wie wir im weiteren Verlauf noch sehen werden.

Was ist neu?

  • Ubuntu 22.04 LTS als Unterbau
  • Unity Desktop 7.6

Technische Eckpunkte

Ubuntu Unity folgt dem Ubuntu Release Modell. Heißt es kommt eine LTS Version, gefolgt von drei Interimsversionen im Abstand von 6 Monaten. Die Versionsstände sind immer statisch. Ubuntu Unity ist für 64-bit Architektur verfügbar. Als Paketverwaltung kommt apt mit, womit das Debian Paketformat verarbeitet wird. Snap Pakete werden mit snapd bzw. dem Ubuntu Software Center verwaltet

Inbetriebnahme

Alles, was Ihr zur Inbetriebnahme wissen müsst, habe ich im Test zu Ubuntu Unity 20.04 behandelt. Aus dem Grund verweise ich an der Stelle auf diesen Bericht für den Fall, dass zur Inbetriebnahme Unklarheiten sein sollten. Auf meinem YouTube Kanal ist dieses Video abrufbar.

Hacks und wichtige Befehle (Aktualisierung, Suchen etc)

Paketquellen mit APT auffrischen:

sudo apt update

Pakete aktualisieren:

sudo apt upgrade

Unnötige Pakete entfernen nach Aktualisierung

sudo apt autoremove

Snap Pakete auffrischen

sudo snap refresh

Vollautomatisierte Aktualisierung:

sudo apt update && sudo apt upgrade -y && sudo apt autoremove -y && sudo snap refresh

Die Befehlskette könnest Du auch in ein Skript packen und dieses via Cronjob einplanen. Du musst aber nicht zwingend mit dem Terminal arbeiten. Ubuntu liefert auch eine grafische Aktualisierungsverwaltung mit. Diese kannst Du entweder öffnen oder machst nichts aktiv, sondern bleibst reaktiv, bis sich die Aktualisierungsverwaltung bei dir meldet und auf Aktualisierungen hinweist. Bleibt Dir überlassen. Ich würde hier aber in den Einstellungen der Aktualisierungsverwaltung Täglich suchen lassen und beides sofort anzeigen lassen.

Zielgruppe

Ganz klar Linux Desktop Anwender und hiervon ganz gezielt die, die seinerzeit mit Unity gut klarkamen. Wenn Du also noch immer Ubuntu 16.04 mit Unity hinterhertrauerst, hier könnte für Dich was drin sein.

Performance, Desktop &, Programme

Kommen wir zur Systemvermessung

Meine Instanz belegte stolze 11 GB der Platte.

Der Benchmarkwert im Arbeitsspeicherkonsum lag bei satten 1,7GB.

Schauen wir kurz zum regulären Ubuntu 22.04 rüber, hier lag der Bedarf an Plattenplatz bei 8,2 GB und der RAM Hunger fiel mit 830 MB deutlich geringer aus. Insgesamt fallen hier Performancewerte an der Oberkante auf.

Anzahl installierter Pakete nach erstem Start

Auf meinem System waren direkt 2134 Pakete vorinstalliert

Desktop Oberfläche und Konzept

Ubuntu Unity 22.04 liefert zum Zeitpunkt der Beitragserstellung Unity 7.6 aus.

Ich gebe zu, ich mochte den Unity Desktop, da er sich an das seinerzeitige OS X von Apple anlehnte. Auch heute empfinde ich einige der Adaptionen von Unity als angenehm. Die Leiste ist links angeordnet. Wer die heutigen Ubuntu Versionen kennt, könnte meinen, dass das bei Ubuntu nichts Besonderes ist. Doch eigentlich ist die Ubuntu Gnome Version an das ehemalige Unity Design angelehnt. Auf Wunsch lässt sich die Position der Leiste nur nach unten ändern, wie auch die Größe. In ein zentriertes Dock lässt sie sich leider nicht umwandeln. Hier merkt man noch die Reste der Restriktionen, die noch von Canonical stammen.

Klicken wir auf das Ubuntu Logo oben links, öffnet sich das Unity Dash. Das ist Applauncher und Suchmaschine in einem. Apropos Suchmaschine, die Suche über das Internet ist standardmäßig deaktiviert in den Security & Privacy Einstellungen.

Klicken wir im Dash auf alle Anwendungen, dann sehen wir leider immer noch, dass nicht alle Symbole einheitlich groß sind. Das Firefox Icon ist deutlich größer. Aber auch Logout und Shutdown. Da sieht irgendwie bescheiden aus. War aber zuvor mit Ubutnu Unty 20.04 noch schlimmer.

Eine der eben erwähnten Anlehnungen an OS X war das zentrale App Menü oben in der Leiste. Bei Nemo Dateibrowser z.B. klappt das gut. Nehmen wir aber andere Apps wie z.B. Rhytmbox, Thunderbird oder Firefox, dann schauts gleich schlechter aus. Hier sind die Menüs in den App Fenstern. Das war bei Ubuntu 16.04 noch anders bzw. einheitlich gelöst.

Vorinstallierte Software

  • Kernel: 5.15
  • Browser: Firefox (Snap)
  • E-Mail Client: Thunderbird und Geary
  • Büropaket: LibreOffice 7.3
  • Software-Container: Snap und Flatpak sind installiert

Allgemein vorinstallierte Software

Die vorinstallierte Software ist etwas im oberen Mittelfeld. Spiele sind dabei und das, was man am Desktop benötigt. Fehlt Dir etwas, dann musst Du es nachinstallieren.

Besonderheiten und Fazit

Nach all den Jahren erhielt Unity 7 endlich eine Aktualisierung. Ich glaube damit hat niemand mehr gerechnet. Mit Unity 7.6 kommen aber weniger neue Features, sondern vordergründig Korrekturen, um die größten defizitären Zustände der letzten Jahre zu beseitigen. Schauen wir uns die Änderungen an, so fällt genau dies auf. Überarbeitungen und Korrekturen. Falls das jetzt etwas enttäuscht oder negativ klingt, mitnichten. Die Arbeit der beiden Entwickler ist in allen Ehren zu halten. Es zeigt wieder einmal sehr deutlich, dass nichts so hoch schlägt wie das Herz eines Freiwilligen. Das haben die anscheinlich zu zweit geschafft. Wie lange sie dafür brauchten, weiß ich nicht.

Perspektivisch soll Unity 7 einmal durch Unity 8 abgelöst werden. Das waren damals noch die Pläne von Canonical. Unity 8 wird von UBPorts betreut, einem Verbund freiwilliger Entwickler unter einer gemeinnützigen Organisation. Es bleibt spannend, ob Ubuntu Unity tatsächlich eines Tages den Sprung auf Unity 8 vollziehen wird.

Die Gretchenfrage ist nun, lohnt es sich als Unity Anhänger auf diese Version und Distro zu wechseln

Die Entscheidung musst Du für Dich treffen. Ich kann Dir aber folgende Worte mit auf den Weg geben. Unity 7 lebt durch die Arbeit von zwei Entwicklern. Darin steckt zugleich die gute wie schlechte Nachricht. Gut ist, dass ein Lebensimpuls rausging nach all den Jahren. Schlecht ist, dass es nur so wenige sind und die Ausfallgefahr dadurch höher ist als bei größeren Desktops. Falls Du noch Ubuntu 16.04 mit ESM Support einsetzt, könnte das für Dich der Zielhafen sein. Doch Achtung: Es gibt einige Abnutzungserscheinungen. Das nicht mehr einheitliche zentrale Menü in der oberen Leiste oder die inkonsistenten App Icons sind nur zwei schnell gefundene Beispiele.

Ich würde vermutlich nicht mehr auf Unity 7 einsteigen. Wenn ich davon so begeistert wäre, würde ich vermutlich ehr Ubuntu Mate einsetzen, denn da gibt’s in den Tweaks die Option Unity nachzustellen. Damit einhergehend ist man auf einem offiziellen Derivat und mit Mate auf einem größeren Desktop, der auch Retrospektive verspricht.

Ubuntu Mate mit Mutiny Desktop

So komme ich für mich zu dem abschließenden Ergebnis, dass Unity 7 für mich tot ist. Was hier gemacht wird, ist aller Ehre wert aber das Engagement Zweier reicht nicht aus um den Desktop aktiv weiterzuentwickeln. Ob Unity 8 durch UBPorts nochmal was wird reißen können, steht in den Sternen. Das wäre mir substanziell zu wenig und aus dem Grund würde ich warnen sich voreilig auf Ubuntu Unity einzulassen. Aber eben nicht weil ich die Arbeit der Entwickler nicht würdige, sondern weil ich Unity allgemein für nicht mehr zukunftsfähig sehe bei diesen geringen Ressourcen. Hätte sich z.B. eine Größe wie System76 dem angenommen, sähe meine Meinung anders aus, da ich denen die Wiederaufbelebung von Unity zugetraut hätte. Aber die entwickeln ja Cosmic komplett neu und das könnte ja auch eine Chance werden. Schau mer mal.

Falls Du noch Bock auf mehr hast, dann blende ich Dir gleich noch zwei Videos an. Die kannst Du Dir gerne noch anschauen, wenn noch Zeit und Lust vorhanden sind. Aprorpos, wenn Dir das gefallen hat und Du mehr Videos über Linux sehen willst, dann lohnt sich für Dich ein Abo meines Kanals. Kostet nichts und damit bist künftig gut versorgt. Meinen Kanal unterstützt es auch, egal auf welcher Plattform.

Zum Schluss möchte ich noch Eure Meinung dazu wissen. Gefällt Euch Ubuntu Unity? Wechsel Ihr? Oder traut Ihr den beiden Entwicklern und UBports mehr zu als ich, sodass Ihr für Unity noch eine Zukunft seht?  Ich bin gespannt, was Ihr dazu zu sagen habt.


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