Alten Mac im Haus? So kann er dank Linux sicher weiterlaufen

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Du hast noch einen alten Mac im Haus, der keine macOS Updates mehr erhält? Dann ist dieser Beitrag vielleicht genau richtig für Dich, denn ich zeige Dir, wie Du Deinem alten Freund neues Leben einhaust und diesen weiter sicher und komfortabel nutzen kannst. Klingt interessant? Dann bleibt dran.

Alter Mac, neues OS

So als Faustformel kann man sagen, dass ein neuer Mac etwa 10 Jahre Unterstützung von Apple bekommt. Da wir jetzt das Jahr 2022 haben, laufen also im Herbst wieder ein paar Äpfel aus dem Support. Doch was damit machen? Wegschmeißen? Verstauben lassen? Das ist eigentlich nicht notwendig. Auch wenn Du einen Mac hast, der vielleicht fünf, sechs oder sieben Jahre alt ist und vielleicht mit Big Sur oder Monterey nicht mehr ganz so schnell läuft, wie Du es Dir wünschst oder wie Du es von Mojave oder früheren Versionen gewohnt bist, könnte das für Dich interessant sein.

Alle Macs mit Intel CPU können nämlich auch mit Linux betrieben werden. Und bevor Du jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlägst, keine Sorge. Linux ist nicht mehr das Geek OS, das es vielleicht mal war. Möglichweise wirst Du sogar erstaunt sein, wie ähnlich macOS und manche Linux Distributionen heutzutage sind.

Wir schauen also hier jetzt nicht auf Geek Distros wie Arch oder Gentoo, sondern werden einen Blick auf Distros, die macOS einerseits optisch ähneln und andererseits einen ähnlichen Nutzerkomfort bieten.

Distros für ältere Macs

Diese Liste ist nicht vollständig, sondern nur eine Selektion von mir. Ich hatte meinen ersten Mac im Jahr 2008 gekauft. Das war ein Mac Mini und den habe ich als Erinnerungsstück noch immer in meinem Besitz. Doch dieser ist heutzutage de facto zu alt um noch sinnvoll eingesetzt zu werden. Diese Unternehmung hat also schon gewisse Grenzen in der Machbarkeit, aber es kommt immer auf den Einzelfall an.

Folgende Distros würde ich Dir empfehlen

Ubuntu

Ubuntu LTS Ausgaben erhalten fünf Jahre Langzeitpflege und optional über ESM weitere fünf Jahre Sicherheitsaktualisierungen. Zehn Jahre total. Das ist eine Ansage. Ubuntu liefert Gnome Shell mit und lässt sich dadurch mit wenigen Klicks optisch an macOS angelehnt aussehen. Der Fokus liegt auf Stabilität. Anders als bei macOS gibt’s hier zwar auch Point-Releases, doch bringen diese überwiegend alle bislang veröffentlichten Patches. Die neueste Version ist Ubuntu 22.04 und diese wird als LTS Version bis 2027 LTS Support und bis 2032 ESM Support bekommen. Meinen Test zu Ubuntu 22.04 gibt es hier.

Elementary OS

Elementary OS setzt auf einem Ubuntu LTS Unterbau auf. Der infrastrukturelle Unterbau von der aktuellen Elementary OS 6.1 Version ist Ubuntu 20.04 LTS. Version 7 ist angekündigt und wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2022 erscheinen. Elementary OS bringt den Pantheon Desktop und lehnt sich stark an OS X an. Ich sagte bewusst nicht macOS, denn es sieht optisch ehr aus wie die Versionen oder Generationen Leopard bis High Sierra und weniger wie Big Sur oder Monterey. Elementary bietet einen eigenen App Store nach dem Zahl-was-Du-willst Prinzip. Heißt Du kannst für eine App einen Betrag zahlen, musst aber nicht. Die Design Elemente von Pantheon Desktop stechen im Linuxumfeld klar hervor und ähnlich wie bei macOS bzw. OS X kommen alle Apps in einem einheitlichen Style-Sheet und somit sehen somit gleich aus. Elementary OS 6.1 wird noch bis 2025 Sicherheitsaktualisierungen durch den Ubuntu LTS Unterbau bekommen. Meinen Test zu elementary OS 6 gibt es hier.

Zorin OS

Zorin OS setzt auf einen Ubuntu LTS Unterbau auf. Der infrastrukturelle Unterbau von der aktuellen Zorin OS 16 Version ist Ubuntu 20.04 LTS. Zorin OS erscheint alle zwei Jahre in einer Hauptversion. Demnach wird Zorin OS 17 voraussichtlich Mitte 2023 erscheinen und dann auf Ubuntu 22.04 LTS aufsetzen. Zorin OS kommt in verschiedenen Ausgaben, u.a. auch eine kostenpflichtige Pro Version, die viele Apps standardmäßig mitliefert und als Benefit mehrere Desktop Modi nachstellt, darunter auch macOS, Windows 10 und Windows 11. Die Pro Version ist eigentlich primär dazu gedacht das Projekt finanziell solvent zu halten, bietet aber auch Installationssupport durch die Entwickler. Zorin OS kommt mit Gnome Shell, passt es aber optisch stark an, was dem Nutzerkomfort entgegenkommt. Meinen Test zu Zorin OS 16 gibt es hier.

Manjaro

Manjaro setzt auf einen Arch Linux Unterbau auf. Es handelt sich hierbei also um eine rollende Linux Distribution und somit unterscheidet sich Manjaro auch von den anderen Kandidaten dieser Empfehlung. Manjaro liefert keine fixen Versionen, sondern durch den rollenden Unterbau werden die Pakete fortlaufend aktualisiert. Das allerdings mit dem Unterschied zu Arch, dass eine Karenzzeit von ein paar Wochen zur Paketreife und allgemeinen Systemstabilität vorgegeben ist. Dadurch liefert Manjaro stets sehr neue aber nicht tagaktuell neue Pakete. Manjaro kommt mit verschiedenen Desktops. Gnome Shell ist auch hier verfügbar und dank dem Layout Switcher können verschiedene Modi per Knopfdruck eingestellt werden. Manjaro ist stets kostenlos erhältlich und sticht ebenfalls durch eine unverkennbare Designsprache hervor. Meinen Test zu Manjaro 21.1.1 gibt es hier.

Besonderheiten und Fazit

Du siehst, bei Linux tat sich viel. Es gibt für jeden erdenklichen Einsatzzweck eine Distro. Das ist ein Fluch und ein Segen zugleich aber die genannten Distros sind eigentlich alle über Jahre etabliert. Lediglich bei Elementary OS gab es dieses Jahr Unruhe im Gründerteam. Aktuell sind die dunklen Wolken nach personellen Veränderungen verzogen. Doch wie es mit dieser Distro weitergeht, muss sich zeigen. Aber dank dem Ubuntu Unterbau wird niemand ohne Sicherheitsaktualisierungen dastehen. Aus dem Grund hatte ich elementary OS hier auch in die Liste aufgenommen.

Ansonsten sahen wir, dass es optisch sehr ähnlich zugeht. Cloud-Dienste wie iCloud gehen zwar nur über Browser, aber man ist nicht ganz abgeschnitten. Hier könnte aber ein Wechsel auf eine Alternative wie Nextcloud sinnvoll sein, denn diese quelloffene Alternative kann man via Client einbinden.

Falls Du nicht zwingend auf eine macOS nachempfunden Oberfläche aus bist, sondern auch mit einer ehr an Windows angelehnten GUI klarkommst, dann bieten Dir Zorin OS und Manjaro via Knopfdruck Lösungen an. Darüber hinaus könnte noch Linux Mint eine interessante Anlaufstelle sein.

Du findest zu allen hier vorgestellten Linux Distros ausführliche Testvideos auf meinem YT Kanal. Also gerne mal vorbeischauen und ggf. inspirieren lassen. Freilich gibt es noch unzählige andere mögliche Linux Distros. Doch glaube ich nicht, dass Du hinterher schlauer gewesen wärst, hätte ich 10 oder 15 Distros vorgestellt. Ich empfehle den Wechsel zu Linux immer mit einer einsteigerfreundlichen Distro. Wer dann mehr will, kann zu einer anderen Distro wechseln, aber ich finde das ist für die meisten nicht mal zwingend nötig. Wenn es passt, dann passt es doch. Und man sagt „never change a winning team“.  Es kommt immer etwas auf den Einsatzzweck an. Möchtest Du, dass die Kiste einfach zuverlässig läuft, bist Du mit den von mir vorgestellten Kandidaten gut aufgestellt. Möchtest Du mehr spielen oder experimentieren mit dem System, könnten diese schnell als langweilig empfunden werden und andere Distros wie Arch Linux wirken interessanter. Bei Arch ist der Lerneffekt mit am höchsten aber man muss halt auch jeden Schritt selbst machen. Willst Du das?

Mein Tipp: Starte mit einer der hier genannten Distros und wenn Du tiefer einsteigen willst, bleibe zunächst auf der Einstiegsdistro und experimentiere mit virtuellen Maschinen. Da wirst du schnell ein Gespür bekommen, wie der Hase läuft und was Dir gefällt. Und Du bist im Zweifelsfall ohne Risiko unterwegs.

Dann wären wir so gut wie durch. Wenn Dir das Video gefallen hat, dann würde ich mich über ein Kanalabo freuen, ebenso über ein Daumenhoch. Schau gerne auch auf meinen Präsenzen in den anderen sozialen Netzen vorbei wie z.B. Mastodon, Twitter, Instagram, TikTok oder Odysee. Ihr könnt da auch gerne überall abonnieren, dann gibt’s stets die volle MF Ladung.

Wir sehen uns dann in Kürze wieder, wenn ihr wollt und abonniert habt. Es lohnt sich. Machts gut und habt eine schöne Zeit. Danek für die freundliche Aufmerksamkeit. Bis zum nächsten mal.


11 Kommentare

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  1. Mein MacBook Pro ist von 2017, mit dem OS bin ich nie richtig warm geworden. Was also tun? Linux drauf? Geht? Geht Prima. Manjaro, LinuxMint, Ubuntu und selbst Debian mit KDE waren schon drauf und liefen ganz gut. Seit geraumer Zeit läuft Debian Linux Cinnamon (LMDE 5) zu meiner vollsten Zufriedenheit. Das LMDE,gefällt mir immer besser. Die Akkulaufzeit könnte besser sein unter Linux, aber da das MacBook eher stationär eingesetzt wird, kann ich damit leben. MacBook mit Linux 👍

  2. Auf meinem weißen MacBook von 2009 lief zuletzt MX19 nahezu perfekt. Durch den 4.19er Kernel funktionierte das Aufwachen beim Aufklappen des Displays und auch WLAN und Nvidia-Support reibungslos (alles neuralgische Punkte beim Macbook). Das hat bei mir in der Form kein anderes Linuxsystem der letzten Jahre hinbekommen (liegt sicher auch an mangelnder Kenntnis meinerseits).
    Deine Website und dein Youtube-Kanal sind geradezu ein Standardwerk in Sachen Linux – super.

  3. Ich habe noch ein MacBook Pro 13 Zoll von 2018. Kann ich auf dem eine Bistro nativ aufspielen oder benötige ich zwingend Boot Camp? Wie muss ich die Bistro vorbereiten, genauso, als wenn ich diese auf einen. PC auspiele und welches Format sollte die SSD haben?

  4. @Anonymous: Nun nicht jeder wird den iMac im Keller umbauen aber mal ganz interessant anzuschauen.

  5. @SuperAnonym: Dieses OS basiert noch auf Ubuntu 18.04 LTS. Davon würde ich die Finger lassen. Wer es so nah an macOS haben will, kann auch einfach nur ehtsprechende GTK Themes installieren.

  6. @Ingo:
    Prinzipiell kannst Du jede Distro nehmen. Boot Camp macht nur im DualBoot Sinn. Willst Du nur Linux oder macOS und Linux fahren?

  7. Hab diesen Artikel etwas spät gefunden. Danke für die Zusammenstellung.

    Geschenkt bekommenes MBP Mid 2009 mit SSD und RAM aufgerüstet, Akku getauscht. Das letzte MacOS 10.13.6 läuft nur durch Fremd-Patch der Installationsdisk, ohne irgendwelche weiteren Updates durch Apple, um wenigstens noch einen Firefox Browser installieren zu können. Linux liegt in einer zweiten Partition und startet automatisch, Wechsel zu Macintosh HD per rechter ALT Taste (Bootmanager Auswahl)
    .
    Ein Rolling Release wie Manjaro 64bit hat sich (schon wegen der hier verbauten Drittanbieter Grafik) als sinnvollste Distribution erwiesen, wenn man ötzige Upgradeprozeduren auf Folgeversionen vermeiden will *und* man sein Spektrum an aktueller Software aus AUR braucht.
    Vivaldi Browser, Passwortmanager Keepass (unter Mono), Insync für GDrive, Dropbox und Onedrive vorhanden.

    Cinnamon Desktop übrigens, nur schicke Mac-like Gestaltung ohne das ursprüngliche Bedienkonzept von Apple finde ich eher sinnfrei. Die Tastaturbelegung für das MBP ist bei Manjaro einstellbar (nachrüstbar), so bleibt meinem schlechten Gedächtnis die Tasten-Sucherei erspart. Manche Webbrowser hängen sich beim Start sofort auf, weil die Erkennung der Hardwarebeschleunigungsunterstützung ins schleudern kommt – im abgesicherten Browsermodus ausschalten hilft da sehr.

    Man sieht da leider eine immer mehr nachlassende Unterstützung von Altgeräten, auch unter Linux hat man bald noch mehr Einschränkungen neben den üblichen Linux Wehwehchen. z.B. flackert unter Linux der externe Monitorausgang unbenutzbar, da muss ich noch ran. Schlussfolgerung: Wer nicht unendlich frickeln mag (oder kann) kauft neu und hat wieder fünf bis acht Jahre seine Ruhe.

    PS: Der Magsafe hat übrigens gerade das Notebook gerettet, beim unbedachten zur-Tür-rennen weil klingelt.